Die iranische Führung hat die landesweiten Massenproteste heruntergespielt. In den meisten Städten des Landes habe Ruhe geherrscht, erklärte ein Sprecher im Staatsfernsehen, wie laut Übersetzung aus einem Video der Nachrichtenagentur des staatlichen iranischen Rundfunkverbundes, Iribnews, hervorgeht.

Weiter hieß es, laut Berichten aus dem Einsatzgebiet hätten „bewaffnete Terroristen“ zwar erneut versucht, die öffentliche Sicherheit in verschiedenen Städten zu stören. Dank des Eintreffens der Sicherheitskräfte und der starken Präsenz der Bevölkerung sei es aber zu keinen bewaffneten Angriffen gekommen. In der Stadt Qazvin hätten Menschen die Aktionen „bewaffneter Terroristen“ scharf verurteilt.

Am zweiten Abend in Folge hatten jedoch massenhaft Menschen in verschiedenen Großstädten des Landes gegen die Regierung protestiert. Demonstrationen gab es unter anderem in den Millionenmetropolen Teheran und Maschhad.

Viel geteilte Videos in den sozialen Medien zeigten Menschenansammlungen an zentralen Plätzen. Unabhängig verifizieren ließen sich die Aufnahmen zunächst nicht.

US-Präsident Donald Trump sicherte den Demonstranten im Iran die Unterstützung ⁠der USA zu. „Der Iran schaut auf die FREIHEIT, vielleicht wie ‍nie zuvor. Die USA stehen bereit zu helfen!!!“, schrieb Trump am Samstag in sozialen Medien. Ein hochrangiger US-Geheimdienstmitarbeiter beschrieb die Lage als Ausdauerkampf. Die Opposition versuche, den Druck aufrechtzuerhalten, bis wichtige Regierungsvertreter entweder fliehen oder ⁠die Seiten wechseln. Die ⁠Behörden hingegen versuchten, genug Angst zu verbreiten, um die Straßen zu räumen, ohne den USA einen Grund zum Eingreifen zu geben, sagte der Beamte, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Zuvor hatte Trump mehrfach mit einem Militäreinsatz gedroht. „Der Iran steckt in großen Schwierigkeiten“, sagte Trump. Noch vor wenigen Wochen habe niemand so große Proteste in iranischen Städten für möglich gehalten. Seine Botschaft an die Führung in Teheran laute daher: „Fangt besser nicht an zu schießen, denn dann werden wir auch anfangen zu schießen.“

„Wenn sie anfangen, Menschen zu töten, wie sie es in der Vergangenheit getan haben, werden wir uns einmischen“, warnte der US-Präsident. Das bedeute nicht, US-Bodentruppen in den Iran zu schicken, „sondern dass wir sie dort, wo es weh tut, sehr, sehr hart treffen“.

Mindestens 65 Menschen sollen getötet worden sein

Bei den seit knapp zwei Wochen anhaltenden Massenprotesten sollen laut Aktivisten mindestens 65 Menschen getötet worden sein. Mehr als 2.300 weitere Menschen seien festgenommen worden, berichtete das Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA.

Zuvor hatte die Organisation Iran Human Rights (IHRNGO) mit Sitz in Oslo gemeldet, dass bei Protesten bisher 51 Demonstrierende getötet worden seien. Allerdings fehlten dabei noch Zahlen aus mehreren Großstädten vom Donnerstag und aus der Nacht zum Samstag. Hunderte weitere Menschen sollen bei Konfrontationen mit den Sicherheitskräften verletzt worden sein. Die Angaben lassen sich zurzeit nicht unabhängig überprüfen.

Der Iran warnte seine Staatsbürger mit einer scharfen Drohung vor weiteren Protesten. Jeder, der an den Demonstrationen teilnehme, könne als „Feind Gottes“ angesehen werden, sagte Generalstaatsanwalt Mohammed Mowahedi Asad am Samstag im Staatsfernsehen. Im Iran können „Feinde Gottes“ mit dem Tode bestraft werden. Auch jene, die Unruhestiftern Hilfe leisten, könnten unter diesem Tatvorwurf angeklagt werden, hieß es in der Erklärung.

Die britische BBC berichtete unter Berufung auf einen Arzt aus dem Iran, der sich am Freitagabend über das Satelliten-Internet Starlink in Verbindung gesetzt habe, dass sich das Farabi-Krankenhaus, Teherans wichtigstes Augenzentrum, im Krisenmodus befinde. Notfalldienste seien überlastet. Nicht dringende Aufnahmen und Operationen seien ausgesetzt worden, und das Personal sei zur Behandlung von Notfällen herbeigerufen worden.

Das genaue Ausmaß der Demonstrationen bleibt weiter unklar. Da die iranische Führung eine landesweite Internetsperre verhängt hat, dringen nur noch wenige Aufnahmen nach außen. Sicherheitskräfte und ausgewählte regierungsnahe Medien wie der staatliche Rundfunk sind von der Blockade des Internetzugangs nicht betroffen und verbreiten weiterhin ihre Berichte, etwa über den Messengerdienst Telegram. Menschen umgehen den Blackout Berichten zufolge per Starlink-Satelliteninternet – vorausgesetzt sie konnten die dafür notwendigen Terminals illegal einführen.

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