Eine Karikatur des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ zu der Brandkatastrophe im schweizerischen Crans-Montana mit 40 Toten hat im Netz für Empörung gesorgt. Tausende Nutzer reagierten auf Facebook mit einem wütenden Emoji auf die Zeichnung mit dem Titel „Die Verbrannten fahren Ski“.
„Das ist echt miserabel“, schrieb ein Nutzer. Ein anderer warf dem Blatt Empathielosigkeit vor. In der Schweiz wurde Anzeige wegen der Karikatur erstattet.
Das Bild des Zeichners „Salch“ zeigt zwei Menschen, die wohl verkohlt und mit Verbänden den Abhang hinunterfahren. Auf einem Schild ist „Crans-Montana“ zu lesen. Untertitelt ist die Zeichnung mit „Die Komödie des Jahres“. Salch bezieht sich mit der Karikatur, die im Original mit „Les Brulés font du Ski“ überschrieben ist, auf die französische Komödie „Les Broncés font du Ski“ aus den 1970er-Jahren.
„Les Broncés“ bedeutet auf Deutsch „die Sonnengebräunten“. In dem klamaukigen Film geht es um einen Ski-Urlaub. Crans-Montana, in dem sich das Unglück mit 40 Toten und 116 Verletzten ereignete, ist als Skiort bekannt.
Debatte um Menschenwürde und Satire
Die Schweizer Schriftstellerin Béatrice Riand hat wegen der Karikatur zusammen mit ihrem Mann, einem Juristen, Strafanzeige eingereicht. „Ich finde das zutiefst abscheulich“, sagte Riand im Schweizer Fernsehen RTS. „Die Meinungsfreiheit hat Grenzen. Man macht sich über die Opfer lustig. Die Frage ist: Hat die Menschenwürde Vorrang vor der Meinungsfreiheit oder nicht?“
Der Chefredakteur des Satiremagazins, Gérard Biard, räumte bei RTS ein, dass der Karikaturist sehr weit gegangen sei. Dies sei aber schwarzer Humor. „Natürlich kann das schockieren, aber Satire soll ja auch schockieren“, sagte er. Man mache sich nicht über die Opfer lustig, sondern zeige die Absurdität der Tragödie.
Italien plant Nebenklage bei Prozess um Brand
Unterdessen fordert Italien nach der Brandkatastrophe Klarheit von den Schweizer Behörden. „Wir werden die Schweizer Behörden auffordern, die Verantwortlichen zu ermitteln und zu bestrafen und vollständige Klarheit über eine enorme Tragödie zu schaffen“, sagte Außenminister Antonio Tajani der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“.
In einem möglichen Prozess gegen Verantwortliche will sich Italien nach seinen Worten auch aktiv einbringen: „Außerdem werden wir beantragen, uns als Zivilkläger aufzustellen.“ Sechs italienische Teenager kamen bei dem verheerenden Brand ums Leben. Mehrere Menschen werden zudem wegen schwerer Brandwunden in Mailand behandelt.
Die Anteilnahme in Italien war nach dem Feuer groß. Regierungschefin Giorgia Meloni äußerte sich kürzlich mit kritischen Worten: „Was in Crans-Montana passiert ist, ist kein Unglück.“ Es sei „das Ergebnis davon, dass zu viele Menschen ihre Arbeit nicht gemacht oder geglaubt haben, sie könnten leichtes Geld machen“, sagte die Politikerin. Sie forderte eine lückenlose Aufklärung.
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