Streit zwischen Moderator Markus Lanz und AfD-Politikerin Beatrix von Storch: In der jüngsten Ausgabe der ZDF-Sendung eskalierte die Debatte um Aussagen von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther, die in den vergangenen Tagen kontrovers geführt worden war. Denn auch die AfD-Politikerin zitierte den CDU-Ministerpräsidenten in der TV-Diskussion über Meinungsfreiheit falsch.
Die Vorlage für die anschließende Debatte, in der die 54-Jährige teils offen gemaßregelt wurde, gab von Storch mit diesem Satz: „Herr Günther, der frank und frei gesagt hat, so ein Magazin wie ‚Nius‘, das muss man dann auch verbieten …“
Damit bezog sie sich auf den Auftritt des CDU-Politikers, der am 7. Januar ebenfalls bei „Markus Lanz“ zu Gast war.
Daniel Günther hatte in der Sendung über den seiner Meinung nach verheerenden Einfluss der sozialen Medien auf Politik und Politiker gesprochen. In dem Zusammenhang erwähnte er auch das Onlineportal „Nius“ von Ex-„Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt. Ausschnitte des Gesprächs kursierten anschließend ebenfalls im Internet, und hinterließen bei einigen den Eindruck, dass Günther ein Verbot von „Nius“ gefordert habe.
In der Sendung antwortete Günther auf eine Frage von Lanz, ob man entsprechende Angebote regulieren, zensieren oder gar verbieten müsse, mit „Ja“ — fügte dann allerdings die Forderung nach einem Social-Media-Verbot für Jugendliche an. Mittlerweile sagte er in einem Interview: „Ein Verbot oder eine Zensur von Medienportalen habe ich zu keinem Zeitpunkt thematisiert.“
„Totaler Quatsch“, geht Lanz Von Storch hart an
„Totaler Quatsch“ – mit diesen Worten unterbrach Markus Lanz dann auch den Vorwurf der AfD-Politikerin an Daniel Günther. In den folgenden, ziemlich chaotischen Minuten – die Gesprächspartner redeten teilweise durcheinander – versuchte der ZDF-Moderator eine Korrektur von „Günther-Gate“, die streckenweise zu einer generellen Abhandlung über „Fake News“ wurde.
Lanz fragte von Storch zunächst, wo sie denn diesen Ausschnitt und somit auch eine Verbotsforderung von Günther gesehen habe. „Auf dem Handy“, antwortete von Storch, woraufhin Lanz fragte: „ZDF-Mediathek oder ‚Nius‘?“
Damit deutete er bereits an, dass die Aussage im Original anders gefallen sei, als sie anschließend von diversen Medien und auch X-Nutzern verbreitet worden war. Von Storch geriet sichtlich ins Schwimmen. „Das kann ich Ihnen nicht genau sagen“, sagte die Politikerin, woraufhin Lanz süffisant antwortete: „Das würde helfen“. „Er (Günther, d. Red) hat gesagt, im Zweifelsfall, wenn es ganz schlimm kommt, muss man so was wie ‚Nius‘ regulieren“, blieb von Storch bei ihrem Narrativ.
Kopfschüttelnd widersprach ihr Lanz („Nein, nein, nein, nein“!) und führte aus, dass er selbst ja das Gespräch geführt habe und Daniel Günther dies „alles nicht gesagt hat“.
Eine Debatte von „interessierten Kreisen“?
Von Storch reagierte verschnupft, aber auch süffisant auf die Vorwürfe des Moderators („interessant“) und konterte, dass es ja nun mal eine große Debatte um das Thema gebe. „Ja, weil interessierte Kreise diese Debatte gerne hätten“, antwortete Markus Lanz, ohne diesen Vorwurf weiter auszuführen. Stattdessen ging die Diskussion weiter um das, was Günther denn nun wirklich gesagt habe.
Von Storch: „Sie (Lanz, d. Red) haben ihn gefragt, müsste so etwa wie ‚Nius‘ dann reglementiert werden …“, was Günther dann bejaht habe. Lanz verneinte vehement: „Nein, das ist falsch, Fake News“, rief er.
Anschließend führte der Talkshow-Moderator dann aus, dass es in dieser Phase des Gesprächs mit dem CDU-Ministerpräsidenten um die Regulierung von Social Media und eben nicht von Medienangeboten gegangen sei. „Wir haben nicht über ‚Nius‘ gesprochen und er (Günther) hat die Meinungsfreiheit ausdrücklich hochgehalten“, versuchte Lanz das Thema abzubinden.
Denn eigentlich ging es in der Sendung vom Mittwoch – zu Gast waren auch Manfred Weber (CSU), John Bolton, ehemaliger Trump-Sicherheitsberater, und die „taz“-Journalistin Ulrike Herrmann – vor allem um die Außenpolitik von US-Präsident Donald Trump. Doch dann legte Lanz gegenüber der AfD-Politikerin noch einmal nach: „Sie setzen sich hier rein und verbreiten weiter diese Nachricht, die keine ist.“ Dann schlug er vor, noch einmal den Originalausschnitt aus der Sendung vom 7. Januar auszuspielen.
Und dann spielt das ZDF selbst ein Video von „Nius“ ein
Von Storch ging nicht direkt auf das Angebot ein und kritisierte stattdessen, dass der Moderator sie nicht wirklich zu Wort kommen lasse. Bei ihrem letzten Auftritt etwa habe Lanz sie „47 Mal unterbrochen“. Es war dann Ulrike Herrmann, die das rhetorische Gerangel resolut abkürzte und endlich die Ausstrahlung des Ausschnitts einforderte: „Jetzt wollen wir ihn sehen!“
Von Storch gestand nach Ansicht des Materials ihr Missverständnis ein, doch Markus Lanz war noch immer nicht fertig. Er ließ dann auch noch einen Videoschnipsel von „Nius“ einspielen, in dem eine wörtliche Kritik von Daniel Günther an „Nius“ mit der (später erfolgten) Verbotsaussage verkürzt zusammengeschnitten worden war.
Beatrix von Storch gab dann auch zu, dass der „Nius“-Video-Schnipsel den Sachverhalt irreführend darstelle. Gleichzeitig kritisierte sie, dass der CDU-Politiker das Onlineportal und seine Mitarbeiter als „Feinde der Demokratie“ darstelle, was auch nicht gut sei.
Am Ende der Standpauke für Beatrix von Storch schlug Markus Lanz dann noch den Bogen zu Donald Trump und dessen Vizepräsidenten: „Wissen Sie, die Art von Meinungsfreiheit, die Leute wie Sie (von Storch) immer meinen – und das ist auch die Art von Meinungsfreiheit, die J.D. Vance meint – das ist immer genau die, die ihm gerade passt, und damit habe ich ein riesiges Problem“, so der ZDF-Moderator.
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