Der ZDF-Satiriker Jan Böhmermann geht Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) wegen dessen Aussagen zu Grönland scharf an. Auslöser ist ein Interview der „Süddeutschen Zeitung“, in dem Spahn die strategische Debatte um die Insel aufgreift und die öffentliche Empörung für überzogen hält. Unter anderem erklärt Spahn darin, dass die von den USA gestellten geopolitischen Fragen „nachvollziehbar“ seien.
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„Es geht darum, ob wir als Nato und Europa diese strategisch immer wichtiger werdende Insel ausreichend gegen andere Mächte wie Russland schützen“, wird Spahn zitiert. Mit Blick auf US-Präsident Donald Trump sagt Spahn dazu: „Und ja, da hat Donald Trump einen Punkt.“ Europa müsse sich seiner eigenen militärischen und sicherheitspolitischen Abhängigkeit von den USA bewusst sein und dürfe diese Realität nicht ignorieren. Statt moralischer Empörung plädiert Spahn für eine nüchterne Machtanalyse.
Böhmermann reagierte darauf auf der Plattform Bluesky mit einem drastischen Vergleich: Er übertrug Spahns Formulierung in eine historische Parallele – „Wenn man die Lage Polens auf dem Globus anschaut, sind die vom Deutschen Reich gestellten Fragen übrigens nachvollziehbar“ – und setzte direkt darunter nach: „Was für ein wahnsinnig gefährlicher Trottel!“
In einem weiteren Post präzisierte Böhmermann seine Attacke: Das Wort „Trottel“ solle nicht so verstanden werden, als habe Spahn den Satz unbeabsichtigt gesagt. Stattdessen bezeichnete er Spahn als „skrupellose[n] Anti-Europäer“ und unterstellte, der Unionspolitiker habe den „imperialistischen Dreck“ „mit vollkommener, berechnender Absicht“ öffentlich geäußert.
Spahns Interview hatte in den sozialen Medien viele Reaktionen ausgelöst. So schrieb der SPD-Politiker Michael Roth, zeitweise Staatsminister für Europa beim Bundesminister des Auswärtigen in den Kabinetten Merkel: „Sorry to say: Jens Spahn ist ein Sicherheitsrisiko für Deutschland und Europa.“
„Spahn ist die Speerspitze zur Zerstörung der CDU und der demokratischen Mitte“, schrieb aber auch ein anderer User. Wieder jemand anderes kommentierte: „Wer Europa so verrät, hat in der CDU jede Daseinsberechtigung verloren. Er ist das Ende der christlich-demokratischen Glaubwürdigkeit.“ Und noch ein anderer User kommentiert: „Erstaunlich, wie leichtfertig dieser Mann Bereicherungspolitik mit ,Realismus‘ verwechselt. Wir sind Partner, nicht Beute.“
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