Der SPD-Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters in Nürnberg, Nasser Ahmed, hat mit einer Plakataktion für Aufmerksamkeit und Kritik gesorgt. Auf Instagram veröffentlichte der Politiker – er ist Sohn eritreischer Einwanderer und geboren in Nürnberg – ein Video, das zeigt, wie ein haushohes Wahlplakat mit seinem Konterfei am Karl-Bröger-Haus, dem Sitz der Partei, entrollt wird.

Neben einem Porträt des 37-Jährigen ist darauf der Satz zu lesen: „Mein N-Wort ist Nürnberg“. Das N-Wort steht eigentlich für eine rassistische Bezeichnung von Menschen mit dunkler Hautfarbe. Die Wahl zum Oberbürgermeister findet am 8. März statt.

Der SPD-Politiker erklärte in einem Posting bei TikTok die Wahl seines Slogans. Nürnberg sei für ihn „Zuhause“, erklärte Ahmed und betonte, es sei die Stadt, „in der ich aufgewachsen bin, in der Menschen an mich geglaubt haben und in der ich gelernt habe, Verantwortung zu übernehmen“. Nürnberg stehe für Chancen, die man bekomme, „nicht für Zuschreibungen, die man ertragen muss“.

SPD-Politiker Ahmed sei bewusst, dass das N-Wort für viele Menschen schmerzhaft sei, sagte er auf TikTok. Sein Anliegen sei es jedoch nicht, den Begriff zu reproduzieren oder zu verharmlosen, sondern ihm die Macht zu nehmen. „Meine Identität definiert sich nicht über ein Schimpfwort, sondern über meine Zugehörigkeit zu dieser Stadt“, sagte Ahmed. Nürnberg bedeute für ihn Respekt, Zusammenhalt und die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass niemand wegen Herkunft oder Aussehen ausgeschlossen werde – „genau dafür stehe ich“.

Gemischte Reaktionen auf Wahlkampf-Aktion

Die Aktion löste gemischte Reaktionen aus. Kritisiert wurde sie in Teilen der sogenannten BIPoC-Community (Sammelbegriff für Black, Indigenous and People of Color). So warf die Sängerin Achan Malonda Ahmed die „Retraumatisierung“ von Betroffenen vor.

Andere Nutzer bezeichneten die Wortwahl als generell unsensibel: „Das N-Wort ist völlig zu Recht aus unserem Sprachgebrauch verschwunden, weil es rassistisch, kolonialistisch und menschenverachtend ist. Und Sie möchten jetzt also das Wort Nürnberg nicht mehr verwenden aus ebensolchen Gründen, oder wie ist das zu verstehen?“, heißt es in einem Kommentar.

Allerdings gab es für den Wahlslogan und die Erklärung dazu auch Lob von Followern: „Ich finde das gut! Ich fand Sie vorher schon sympathisch und jetzt noch mehr. Es ist doch toll, wenn ‚Betroffene‘ ihre Identität so selbstbewusst leben. In dem Fall eben auch die Verbundenheit mit Nürnberg“, schreibt ein Kommentator. Andere sahen in dem Slogan „eine psychologisch nachvollziehbare Anpassungsstrategie in einem rassistischen System“.

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