Vertreter mehrerer Parteien werfen der Linken vor, für das Amt des Bezirksbürgermeisters in Berlin-Neukölln einen antisemitischen Kandidaten nominiert zu haben. „Mit dieser Entscheidung setzt die Linkspartei erneut auf gesellschaftliche Spaltung und Hass“, sagte der CDU-Bezirksvorsitzende Falko Liecke dem „Tagesspiegel“. „Diese Nominierung ist nicht nur ein Angriff auf jüdisches Leben, sondern auch ein klares Signal an Grüne und SPD, jede Zusammenarbeit mit der Linkspartei auszuschließen.“

Die Neuköllner Linke hatte Abed am Samstag auf ihrer Mitgliederversammlung mit 82,1 Prozent zum Bürgermeisterkandidaten gewählt. Abed war Medienberichten zufolge in der Vergangenheit mit israelfeindlichen Aussagen aufgefallen. So hatte er im Oktober den Bürgermeister Tzvika Brot von Neuköllns israelischer Partnerstadt Bat Yam als „Völkermörder“ beschimpft. Zudem sei Abed als Redner bei Demonstrationen aufgetreten, bei denen Juden angegriffen oder Israelfahnen verbrannt wurden.

Die SPD-Kreisvorsitzenden ließen die Frage offen, ob sie sich eine Zusammenarbeit mit Abed vorstellen können, kritisierten die Personalentscheidung jedoch. „Die Nominierung von Herrn Abed ist Folge einer besorgniserregenden Entwicklung der Neuköllner Linkspartei, die sich bis heute weigert, die Übergriffe auf die Kneipe Bajszel als antisemitisch zu verurteilen“, sagten Joachim Rahmann und Derya Çağlar, Vorsitzende der SPD Neukölln, dem „Tagesspiegel“. Eine solche Partei könne keine verbindende Kraft für Neukölln sein.

Das Bajszel, ein Lokal in Neukölln, ist immer wieder Angriffen ausgesetzt, weil sich die Betreiber gegen Antisemitismus einsetzen. So wurden Scheiben mit Steinen beworfen, an der Fassade musste ein Brandsatz gelöscht werden. Unbekannte sprühten rote Hamas-Dreiecke an die Mauer. Die Neuköllner Linksfraktion weigerte sich, eine von SPD, Grünen und CDU eingebrachte Entschließung in Solidarität mit der Kneipe mitzutragen.

Die Grünen äußerten Zweifel daran, ob ihr Kreisverband in Zukunft mit der Linken zusammenarbeiten könne. „Wir setzen uns ein für sichere Mobilität, sozial gerechten Klimaschutz und saubere Parks“, sagten die Co-Vorsitzenden Chris Hilmer-Benedict und Meike Berg. Ihre Partei wolle Menschen vor explodierenden Mieten schützen und für ein offenes und gerechtes Neukölln kämpfen, „in dem Rassismus und Antisemitismus selbstverständlich keinen Platz haben“.

Abed ist Deutsch-Palästinenser und hat laut rbb Familienmitglieder in Gaza verloren. Als Rechtsanwalt vertritt er die BDS-Bewegung, die Sanktionen gegen Israel und einen Boykott des Landes fordert. Viele Experten stufen die Bewegung als antisemitisch ein.

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