- Das Mindestalter für Social Media auf 16 Jahre zu setzen wird inzwischen vermehrt befürwortet.
- Die Forderung nach einem Handyverbot an Schulen kommt gut an.
- Eine große Mehrheit sieht Betreiber von TikTok, Instagram und Co. in der Verantwortung.
Australien hat es vorgemacht – dort dürfen Jugendliche seit Dezember erst ab 16 Jahren Social‑Media‑Konten erstellen und die Anbieter müssen das Alter auch wirklich prüfen. Deshalb sind in den ersten Wochen Millionen Accounts deaktiviert worden. Diesen Ansatz würden sich viele Menschen auch für Deutschland wünschen: In einer neuen Befragung von MDRfragt hält eine sehr große Mehrheit dieses Mindestalter für richtig. 83 Prozent begrüßen eine Altersgrenze von 16 Jahren, sofern sie auch kontrolliert wird.
So wie Jan (49) aus Erfurt sehen es viele MDRfragt-Teilnehmende: "Ich finde es richtig, weil soziale Netzwerke nachweislich Einfluss auf Selbstbild, Konzentration und psychische Gesundheit haben und Kinder damit häufig überfordert sind." Katharina (58) aus dem Eichsfeld beobachtet: "Kinder können doch noch gar nicht Wichtiges von Unwichtigem filtern." An der Umfrage haben sich mehr als 19.000 Menschen aus Sachsen, Sachsen‑Anhalt und Thüringen beteiligt.
Social Media ab 16 wird inzwischen mehr befürwortet
Vor einem Jahr lag die Zustimmung für strengere Social‑Media‑Regeln noch niedriger. Damals fanden 76 Prozent ein Mindestalter von 16 Jahren richtig. Der Zuwachs zeigt also: Die MDRfragt‑Community unterstützt zunehmend diese Altersgrenze.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNKIn der MDRfragt-Gemeinschaft wird aber auch die Meinung vertreten, dass ein Verbot allein nicht die richtige Antwort sei. Lea (36) aus dem Ilm-Kreis meint: "Wir sollten Kinder langsam und stetig an Gefahren heranführen, statt sie bis zu einem Stichtag davon fern zu halten. Auch der Straßenverkehr ist gefährlich für Kinder und wir üben mit ihnen, über die Straße zu gehen und Fahrrad zu fahren, statt sie zu Hause einzusperren." Ähnlich sieht es auch Inga (45) aus Magdeburg: "Jungen Menschen digitale Räume zu nehmen ist aus meiner Sicht der falsche Weg. Viel mehr sollten die Plattformen stärker in die Pflicht genommen werden."
Ein gesetzliches Mindestalter für die Social-Media-Nutzung gibt es in Deutschland bisher nicht. Bei den meisten Social-Media-Apps liegt zwar die Altersgrenze bei 13 Jahren, die häufig in den AGB angegeben wird. Diese Festlegung der Betreiber wird jedoch kaum kontrolliert.
Forderung nach Handyverbot an Schulen kommt gut an
Mit Blick auf die Schulen hat sich das Meinungsbild im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert – aber es ist weiterhin sehr deutlich. Rund vier von fünf Teilnehmenden sprechen sich dafür aus, die private Handynutzung grundsätzlich zu untersagen, außer wenn Lehrkräfte die Geräte für den Unterricht brauchen (78 Prozent). Beim Altersvergleich fällt auf, dass es bei jüngeren MDRfragt-Teilnehmenden tendenziell weniger Zuspruch gibt als bei den älteren Befragten.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNKIn Mitteldeutschland werden die Regeln angepasst: In Sachsen gilt ab Februar 2026 ein Handy-Verbot an Grundschulen. Das Verbot soll laut dem Kultusministerium auch für Smartwatches oder Ähnliches gelten. Thüringen hat die Handynutzung bereits im Sommer 2024 verboten. Sachsen-Anhalt überlässt die Entscheidung den Schulen.
Wie gelingt der richtige Umgang mit Social Media?
Nach aktuellen Studien verbringen Kinder und Jugendliche in Deutschland zwischen zwei und vier Stunden vor dem Smartphone-Bildschirm. Dabei legt jede und jeder Vierte riskante oder krankhafte Verhaltensweisen an den Tag. Fachleuteweisen aber auch auf die positiven Seiten von Social Media hin, etwa Motivation und hilfreiche Orientierung für den Alltag. Für viele junge Menschen sind die sozialen Medien ein ganz wichtiges Kommunikationsmittel. Wir haben gefragt: Welche der folgenden Maßnahmen halten Sie für sinnvoll, um die Social-Media-Nutzung von Kindern und Jugendlichen zu begleiten?
Den größten Zuspruch gibt es dafür, die Schulen in die Verantwortung zu nehmen. Ein sehr großer Teil der MDRfragt-Gemeinschaft (73 Prozent) fände es sinnvoll, den richtigen Umgang mit sozialen Medien im Schulunterricht zu vermitteln. Sehr viel Zuspruch (72 Prozent) gibt es auch für einen verpflichtenden Altersnachweis für alle, die sich bei einem sozialen Netzwerk anmelden wollen. Viele Befragte (68 Prozent) sehen bei dem Thema auch die Familien in der Pflicht.
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Große Mehrheit sieht Betreiber von TikTok, Instagram und Co. in der Verantwortung
Beim Umgang mit problematischen Inhalten wird der Blick zunehmend auf die Plattformen selbst gerichtet. Wer im Netz den Raum für Bilder, Videos und Diskussionen bereitstellt (und damit auch viel Geld verdient), muss bei problematischen Inhalten auch handeln: Sehr viele Befragte (86 Prozent) sehen das so. Aus ihrer Sicht sind die Betreiber von sozialen Netzwerken rechtlich in der Verantwortung. Damit müssen sie sich auch darum kümmern, dass Gewalt, Pornografie und Falschinformationen nicht verbreitet werden.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNKÜber diese Befragung
Bei der Befragung „Likes oder Lebenszeit: Braucht’s eine Altersgrenze für soziale Medien?“ vom 12. bis 15. Januar 2026 haben 19.421 Menschen teilgenommen, davon 9.974 aus Sachsen, 4.749 aus Sachsen‑Anhalt und 4.698 aus Thüringen.
Bei MDRfragt können alle mitmachen, die mindestens 16 Jahre alt sind und in Sachsen, Thüringen oder Sachsen-Anhalt wohnen.
Unser Ziel ist es, die Vielfalt der Argumente sichtbar zu machen. Die Kommentare der Teilnehmenden helfen uns, die Gründe für unterschiedliche Positionen und das gesamte Meinungsspektrum abzubilden.
Wir ziehen keine Stichprobe, sondern laden alle Interessierten ein, ihre Meinung einzubringen. Deshalb sind die Ergebnisse strenggenommen nicht repräsentativ. Aber: An den Befragungen beteiligen sich jeweils zehntausende Menschen aus den drei Bundesländern. MDRfragt wird zudem wissenschaftlich begleitet und überprüft. Die Ergebnisse werden nach bewährten Methoden gewichtet – anhand soziodemografischer Merkmale wie Alter, Geschlecht und Bildungsgrad – und so an die tatsächliche Bevölkerungsverteilung in Mitteldeutschland angepasst. Dadurch sind die Ergebnisse aussagekräftig für die Stimmung im Sendegebiet. Durch Rundungen ergeben die Prozentwerte bei einzelnen Fragen nicht immer exakt 100.
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