Donald Trump, Grönland und die Zukunft der Nato: In der Dienstagnacht bei „Maischberger“ wurde deutlich, wie tief das Misstrauen zwischen Europa und den USA inzwischen reicht. Im Mittelpunkt der Diskussion standen Trumps imperiale Rhetorik, die wahrgenommene Schwäche Europas – und die Frage, ob eine militärische Eskalation tatsächlich noch ausgeschlossen werden kann. Neben Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg war auch Musiker Peter Maffay zu Gast, den Maischberger dann zu dessen Verhältnis zu Sahra Wagenknecht befragte.
Vor dem Musiker war Guttenberg dran: „Es bedürfte überhaupt nicht dieses unglaubliche Theater“, sagte er, und: Trump müsse Grönland gar nicht „besitzen“. Die USA könnten auch ohne Annektierung Soldaten und Stützpunkte in Grönland haben. Guttenberg nannte das Sicherheitsargument der USA „valide“, der „eigentlicher Grund“ aber seien grönländische Bodenschätze – „und das unfassbare Ego von Trump“.
Sandra Maischberger selbst nannte Trump einen „Narzissten“. Der Moderatorin widersprach dann der ebenfalls anwesende Gast Andrew Langer, ein US-Politikberater: „Donald Trump will nicht, dass sie (die Grönländer, d. Red) Amerikaner werden, er will nur den besten Deal machen. Keiner erwartet, dass Grönland der 51. Staat wird.“ Das Auftreten des Präsidenten sei aus seiner Sicht vor allem Provokation.
Der ehemalige CSU-Verteidigungsminister Guttenberg hielt diese Form der Gelassenheit für gefährlich. „In dem Moment, wo man durchatmet bei Donald Trump, fliegt einem die nächste Faust ins Gesicht“, warnte er. Trumps Politik habe „eine Härte, eine Unerbittlichkeit“. Sein Rat: „Ich würde mich nicht zurücklehnen und durchatmen.“
Mit der Entsendung von Soldaten aus acht Nato-Ländern nach Grönland war Guttenberg aber auch nicht zufrieden: Ein „kommunikatives Desaster“ nannte er die Aktion. Die Bündnispartner hätten „klar und deutlich sagen sollen, was der Grund war“. Stattdessen sei Europa uneinig aufgetreten. Der Deutungskonflikt dahinter: In der Trump-Administration haben manche die Entsendung der Europäer als Geste der Verteidigung gegenüber amerikanischen Besitzansprüchen und somit als Affront gegen die USA gedeutet. EU-Spitzenleute wollen die Aktion aber verstanden wissen als Antwort auf angebliche Bedenken Trumps, wonach die Insel zu schlecht vor Chinesen und Russen geschützt sei – also Trump entgegenkommen.
„Ich bin überzeugt, dass in den letzten Tagen ein europäisches Good Cop, Bad Cop stattgefunden hat“, meinte Guttenberg.
Diese Uneinigkeit habe Folgen. „Das macht unsere Situation verdammt schwach“, er meinte auch: auch mit Blick auf die Ukraine. Denn Trump, warnte Guttenberg, könne jederzeit reagieren und „die US-Armee aus der Ukraine zurückziehen“.
Auf die zugespitzte Frage Maischbergers, ob ein militärisches Eingreifen der USA denkbar sei, sagte Guttenberg: „Ich würde es nicht ausschließen.“ Der amerikanische Politikberater Langer widersprach entschieden. Trump werde kein militärisches Eingreifen nutzen. Er habe schließlich „nicht den 3. Weltkrieg angefangen“.
Als leichtere Tone Maischberger erinnerte Guttenberg schließlich, dass es in den letzten Tagen mehr oder weniger ernste Vorschläge des bayerischen CSU-Ministerpräsidenten Markus Söder gegeben hatte, Bundesländer zu fusionieren. Guttenberg reagierte mit Humor: „Hamburg fühlt sich dann irgendwann wie Grönland.“
Maffay „frustriert die Unfähigkeit“
Zum Sendungsschluss führte Maischberger dann noch ein Einzelinterview mit dem Musiker Peter Maffay, Schöpfer von „Sonne in der Nacht“ und der Zeichentrickfigur „Tabaluga“.
„Mich frustriert die Unfähigkeit“, sagte Maffay mit Blick auf politische und gesellschaftliche Herausforderungen. Maischberger, die Maffay duzte, sprach mit ihm über Klimaziele, politische Verantwortung und ließ Stationen seines Lebens Revue passieren. Rückblickend auf seine Zeit in Kanada sagte Maffay: „Ich habe die Nähe zu den USA als bedrohlich empfunden.“
Maffay positionierte sich zudem klar auf der Seite der Jugendlichen, wenn es um die Debatte über eine Wiedereinführung der Wehrpflicht geht. „Man hätte die Jugendlichen viel mehr einbeziehen müssen“, sagte er. Maischberger hakte außerdem wegen einer gemeinsamen Aktion bei Maffays Verhältnis zum Bündnis Sahra Wagenknecht nach. Der Musiker stellte klar: „Mit Oskar (Lafontaine) bin ich lange befreundet, mit Sahra später.“ Auf die Frage, ob er nach wie vor der SPD nahestehe, entgegnete Maffay: „Ich habe lange die SPD gewählt, und habe inzwischen Schwierigkeiten, das weiterhin zu tun.“
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