Kritik aus der eigenen Partei, und von der CSU sowieso: Der Chef der Grünen Jugend, Luis Bobga, hat für sein umstrittenes Online-Video bereits viel Schelte bekommen. Der 23-Jährige hatte darin CSU-Chef Markus Söder in einem bei Instagram verbreiteten Reel als „Hurensohn“ beleidigt, wenn auch nur indirekt: Bobga hatte zu einem Song von Rapper Haftbefehl mit dem entsprechenden Songtext die Lippen bewegt. Nun könnte der Mini-Eklat auch ein strafrechtliches Nachspiel haben.
Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, stellte eine Privatperson offenbar eine Strafanzeige gegen den Grünen-Politiker, der Vorwurf lautet auf Beleidigung (Paragraf 185, 188 StGB). Reagieren muss nun die Staatsanwaltschaft München, die den Straftatbestand überprüfen wird.
Auf WELT-Anfrage bestätigt ein Sprecher: „Ich kann bestätigen, dass bei der Generalstaatsanwaltschaft München von einer unbeteiligten Person eine Anzeige zu dem Reel einging, die nun im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens wegen des Anfangsverdachts der Beleidigung überprüft wird.“
Ob womöglich tatsächlich Anklage erhoben wird, ist noch offen.
Bobga versteht Berichterstattung nicht
Bobga leitet seit Oktober 2025 gemeinsam mit Henriette Held die Grüne Jugend. Das Duo war nach Kritik an provokanten Äußerungen der vorherigen Grüne-Jugend-Bundesvorsitzenden Jette Nietzard ins Amt gekommen. Nietzard hatte Söder auf Tiktok einst als „Hundesohn“ beschimpft.
Bobga selbst hatte sich jüngst gegenüber dem „Stern“ zu dem Vorfall geäußert und sein Unverständnis über die Medienberichterstattung ausgedrückt. Er frage sich, warum das nun für mehr Aufregung in der Gesellschaft sorge als die „menschenfeindliche Politik der Regierung und dabei auch insbesondere die von Markus Söder, etwa durch Abschiebungen in Krisengebiete und durch Verschärfungen des Bürgergelds“, sagte der 23-Jährige dem Magazin.
Zugleich betonte er, dass das Wort „Hurensohn“ nicht zu seinem Sprachgebrauch zähle. „Es ist ein sexistischer Begriff, der aus gutem Grund nicht verwendet werden sollte.“ Er nehme es aber auf sich, dass er durch seine Aktion nun so weite Verbreitung gefunden habe und als direkte Beleidigung wahrgenommen wurde.
Bobga sagte, er habe nur seine Lippen zu dem Song bewegt, der zurzeit häufig in den sozialen Medien geteilt werde und sei damit einem Trend gefolgt. Aus seiner Sicht wäre es etwas ganz anderes, „wenn ich das in einem Interview über Herrn Söder gesagt hätte. Das würde ich niemals tun.“
Das sagen seine Kritiker
Am vergangenen Wochenende hatte unter anderem CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann in „Bild“ scharfe Kritik geäußert. „Bobga muss sich für seine Hassrede bei Markus Söder entschuldigen und das Video löschen“, forderte Hoffmann. „Wer so etwas sagt, ist nicht länger tragbar.“ Die Grünen-Vorsitzenden Felix Banaszak und Franziska Brantner dürften dazu nicht schweigen, so Hoffmann weiter.
Felix Banaszak sagte daraufhin auf dpa-Anfrage: „Luis Bobga sagt, dass es ihm leidtut. Das finde ich gut und richtig.“ Bobga selbst war bereits zuvor in einer Erklärung teilweise zurückgerudert. Er bedauere, dass „die Auseinandersetzung mit dem Inhalt von Herrn Söders Aussage auf der Strecke geblieben“ sei.
Es sei nie sein Ziel gewesen, Söder „mit dieser Beleidigung direkt anzusprechen. Dass dies durch den von mir ausgewählten Song passiert ist, tut mir leid“.
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