Der kanadische Premierminister Mark Carney hat Aussagen des US-Finanzministers Scott Bessent zurückgewiesen, wonach er sich von eigenen Äußerungen beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos distanziert habe.
Auf Aussagen von Bessent im Sender Fox News angesprochen, wonach Carney in einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump deutlich auf Distanz zu seinen aufsehenerregenden Äußerungen in Davos gegangen sei, rollte der kanadische Regierungschef am Dienstag nur mit den Augen. „Damit das absolut klar ist, und das habe ich dem Präsidenten gesagt – ich habe gemeint, was ich in Davos gesagt habe“, berichtete Carney laut der Agentur AP Reportern bei der Ankunft zu einem Kabinettstreffen in Ottawa. „Kanada war das erste Land, das den Wandel in der US-Handelspolitik, den er eingeleitet hat, begriffen hat, und wir reagieren darauf“, sagte Carney über Trump.
Bei seiner Rede beim Weltwirtschaftsforum hatte Carney vergangene Woche kritisiert, Großmächte setzten kleinere Länder wirtschaftlich unter Druck. Trumps Namen erwähnte er dabei nicht. Für seine Äußerungen bekam Carney viel Lob und Aufmerksamkeit, WELT hatte berichtet.
Trump drohte am Wochenende damit, einen Zoll von 100 Prozent auf Waren aus Kanada einzuführen, für den Fall, dass das Nachbarland ein Handelsabkommen mit China vorantreibe. Carney hat allerdings gesagt, dass sein Land nicht an einem umfangreichen Handelsabkommen mit Peking interessiert sei. Er sagte, seine Vereinbarung mit China sorge lediglich dafür, dass bestimmte Zölle reduziert würden.
Carney ließ wissen, dass es Trump gewesen sei, der angerufen habe. „Ich habe ihm unsere Vereinbarung mit China erklärt. Ich habe ihm erklärt, was wir machen – zwölf neue Abkommen, vier Kontinente, in sechs Monaten“, sagte Carney. „Er war beeindruckt.“
Droht nun auch Streit um den Kauf von Kampfjets?
Carney will den Handel Kanadas diversifizieren, um weniger abhängig von den USA zu werden. Mehr als 75 Prozent der kanadischen Exporte gehen derzeit in die USA. Carney will die Exporte seines Landes in andere Länder als die USA in den nächsten zehn Jahren verdoppeln.
Von der neuen Handelsstrategie betroffen sein könnte womöglich auch der lang geplante Kauf von 88 amerikanischen F-35-Kampfjets. Wie CBC News am Montag berichtet, hatte der neue kanadische Verteidigungsminister angekündigt, dass sein Land sich nach Alternativen zu dem US-Kampfjet umsehen wolle.
„NORAD müsste geändert werden“, sagte der US-Botschafter in Kanada, Pete Hoekstra, in einem Interview mit dem Sender. Das 1958 eingerichtete North American Air Defence Command (NORAD) ist eine zentrale Führungsstelle für die Luftverteidigung und Frühwarnung der Luftstreitkräfte der USA und Kanadas.
Er sagte weiter, die Vereinigten Staaten müssten wahrscheinlich mehr dieser modernen Kampfflugzeuge für ihre eigene Luftwaffe kaufen und würden sie häufiger in den kanadischen Luftraum fliegen, um Bedrohungen für die USA abzuwehren. „Wenn Kanada diese Fähigkeit nicht mehr bereitstellt, müssen wir diese Lücken füllen“, sagte Hoekstra.
Das Verhältnis zwischen Kanada und den USA ist aktuell angespannt. Trump hat mit seinen Drohungen, Grönland zu annektieren, Kanada alarmiert. Das Land teilt sich eine 3000 Kilometer lange Meeresgrenze mit dem weitgehend autonom verwalteten Grönland, das zu Dänemark gehört. Trump hat zudem davon gesprochen, Kanada zum 51. Bundesstaat der USA machen zu wollen.
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