Der CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Müller hat bei WELT TV seinen Post auf Social Media verteidigt, in dem er einen Bettler wegen dessen mutmaßlicher Markenkleidung kritisiert hatte. Müller sagte: „Aus einer vorgeblich privilegierten Luxussituation heraus zu behaupten, ich habe nicht genug zum Essen, das ist ein schräger Sachverhalt. Und darüber habe ich mich geäußert.“

In dem Facebook-Post hatte Müller ein Foto veröffentlicht, das einen Bettler auf einem Bahnsteig mit einem Schild in der Hand zeigt. Dazu schrieb er: „Auch so sieht #Armut in Deutschland aus: Markenschuhe von #Adidas, Jacke von #Moncler, auf dem Pappschild steht ‚BITTE FÜR ESSEN DANKE‘ und die Ansprache durch den #Bettler erfolgt in sehr gebrochenem Deutsch. Das macht mich sehr, sehr ärgerlich, ist ein Schlag ins Gesicht für alle wirklich Bedürftigen und zeigt weiteren – allerdings differenzierten – Handlungsbedarf auf.“ Das Foto habe er am Kölner Hauptbahnhof aufgenommen.

Bei WELT TV sagte der CDU-Politiker nun, dass Betteln am Kölner Hauptbahnhof ein „sehr relevantes“ Problem sei. „Es gibt zum Teil offensichtlich unerträgliche Situationen. Reisende werden behelligt.“ Er wünsche sich sichere Räume an Bahnhöfen und ein Bettelverbot. „Aber ich erwarte nicht, dass mir alle zustimmen. Es ist natürlich vollkommen klar, wenn jemand eine Situation kritisiert, dann darf der auch kritisiert werden. Allerdings muss in diesem Land angesprochen werden, was wirklich schräg ist. Und das ist eine Situation, die es momentan ist.“

In den Kommentaren unter seinem Post sieht sich Müller heftiger Kritik ausgesetzt. So schreibt etwa ein Nutzer: „Lieber Carsten, ich arbeite an einem der sozialen Brennpunkte an einer der größten allgemeinbildenden Schule Hamburgs. Wenn unsere Schülerschaft Wert auf etwas legt, dann ist es das, dass man ihnen ihre [sic] Armut nicht sofort ansieht. Dieses Posting schürt Hass und stellt alle, die vermeintlich Markenkleidung anhaben, unter Generalverdacht.“ Ein anderer schreibt: „Man(n) gewinnt nicht an Profil, wenn man(n) über andere herzieht.“

Arche-Sprecher kritisiert „verlogene Sozialpolitik“

Rückendeckung erhält Müller dagegen von Wolfgang Büscher. Bei WELT TV sagte der Sprecher des christlichen Kinder- und Jugendwerks „Die Arche“: „Wir sind in Deutschland. Wir haben immer noch Riesenrespekt für unsere Geschichte. Und deswegen trauen wir uns häufig nicht, Dinge beim Namen zu nennen. Man muss ganz klar sagen, das Foto ist real. Das gibt es. Und das gibt es auch nicht nur einmal.“ In Deutschland werde eine „verlogene Sozialpolitik“ betrieben.

Weiter sagte er: „Wir müssen diese jungen Menschen, die zu uns kommen, sofort in Lohn und Brot bringen. Die Möglichkeiten bestehen ja. Jedes Jahr gehen 65.000 Kinder von der Schule ohne einen Abschluss. Warum zwingt man sie nicht, eine Ausbildung zu machen? Wir brauchen sie in vielen Berufen. Und hier müssen wir sagen, okay, du kannst bei uns bleiben, aber nur dann, wenn du einen Beruf erlernst und arbeiten gehst.“

Büscher fordere außerdem ein Ende der „Streuselpolitik in der Sozialpolitik“, in der jeder den gleichen Anteil bekomme. „Wenn es junge Menschen gibt, die sagen, ich habe keinen Bock zu arbeiten oder sie arbeiten zusätzlich schwarz neben dem Bürgergeld, dann muss man ihnen das Bürgergeld entziehen.“

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