Hannah Krieger aus Erfurt ist im zweiten Ausbildungsjahr als Pflegekraft an der Uniklinik Jena. Sie habe noch Glück gehabt mit der Wohnung, für die sie um die 500 Euro bezahlt, erzählt die 21-Jährige. Denn der Wohnungsmarkt für Azubis in der Studentenstadt sei kaum noch erschwinglich. Und von ihrem Gehalt bleibe von rund 1.000 Euro Netto nach Abzug aller Fixkosten nicht viel übrig: "Am Ende habe ich 300 Euro zur Verfügung für Freizeit. Und manchmal bleibt dafür auch nichts übrig."

Auch wenn der Pflegeberuf zu einem der bestbezahltesten Ausbildungsberufe zählt, würde sich Hannah Krieger aus Jena noch mehr Gehalt wünschen.Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Am Ende habe ich ein paar hundert Euro zur Verfügung für Freizeit. Und manchmal bleibt dafür auch nichts übrig.

Hannah Krieger Auszubildende als Pflegekraft

Auch wie und ob es nach dem Abschluss als Pflegerin weitergeht, sei längst nicht sicher, sagt Krieger. Auszubildende werden nicht immer automatisch von ihrem Ausbildungbetrieb übernommen. "Es ist eine ganz große Unsicherheit." Auch wenn sie als Pflegerin begehrt ist, bleibe die Unsicherheit, dass sie nicht an der Uniklinik weiterarbeiten kann. "Manchmal habe ich schon die Angst, dass es nicht klappt", sagt sie.

Beim Jugendstreiktag im Volkshaus in der Karl-Liebknecht-Straße machten die Streikenden in Reden auf ihre Forderungen aufmerksam. Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Mehr Gehalt und unbefristete Übernahme gefordert

Wie viele andere Auszubildende und Studenten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist Hannah Krieger zum Jugendstreiktag in Leipzig gekommen, um für mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen zu streiken. Die Gewerkschaft Verdi fordert in der laufenden Tarifrunde für Nachwuchskräfte monatlich 200 Euro mehr Gehalt, die unbefristete Übernahme von Auszubildenden und dual Studierende im erlernten Beruf. Zudem gehöre ein bundesweiter Tarifvertrag für studentische Beschäftigte zu den Forderungen.

In Workshops konnten die Azubis erfahren, wie sie sich auf die bevorstehenden Tarifrunden vorbereiten können. Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Nach Ausbildung in der Arbeitslosigkeit landen

Nicht nur das Gehalt, das sich laut dem aktuellen Tarifvertrag für Auszubildende der Länder zwischen rund 1.200 Euro und rund 1.400 bewegt, ist der Grund, dass vielen der Schuh drückt. Auch Pascal Kolbe aus Halle an der Saale kann ein Lied von den Sorgen der Auszubildende singen, wenn es um die Jobsicherheit geht. Der 22-Jährige, der selbst eine Ausbildung als Mediengestalter in Bild und Ton gemacht hat, ist Ansprechpartner für Azubis an der Uni Halle: "Die Übernahme nach der Ausbildung geht oftmals in die Befristung und manchmal auch in die Arbeitslosigkeit."

Gegenüber Pascal Kolbe äußern Azubis der Uni Halle immer wieder auch Sorgen, nach der Ausbildung nicht übernommen zu werden. Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Azubi auf Wohngeld angewiesen

Die Beschäftigungsicherheit stehe für ihn ganz oben auf der Agenda, sagt Oskar Mahlke aus Leipzig. An der Uni Leipzig absolviere er eine Ausbildung als Elektriker in Energie- und Gebäudetechnik. Eine fehlende Jobgarantie mache Sorgen: "Es ist nicht die Sicherheit, die man braucht, wenn man in den Beruf startet", sagt der 29-Jährige.

Weil das Geld nicht ausreiche, müsse er zusätztlich noch Wohngeld beziehen, sagt Oskar Mahlke.Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Nur von dem Ausbildungsgehalt zu leben wäre nach jetzigem Stand utopisch.

Oskar Mahlkemacht eine Ausbildung zum Elektriker für Energie- und Gebäudetechnik

Aber auch der Geldbeutel hat oft ein Loch: "Nur von dem Ausbildungsgehalt zu leben wäre nach jetzigem Stand utopisch." Weil das Geld sonst nicht reiche, müsse er zusätztlich noch Wohngeld beziehen, erklärt der gebürtige Berliner. Außerdem würden die Kosten für den Kitaplatz übernommen, sagt der Vater von zwei Kindern.

Weiterführende Links

  • 23. Januar 2026Gewerkschaft: Lehrerstreik in Dresden nur der Anfangmit Video
  • 13. Januar 2026Streik in Leipzig: Kliniken und Uni kämpfen für bessere Arbeitsbedingungenmit Audio
  • 22. Oktober 2025Warnstreik bei DRK-Rettungsdienst: "Notversorgung in Leipzig ist gewährleistet"mit Audio

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.