Nach einer bundesweiten Kampagne mit zehntausenden Plakaten und Millionen Aufklebern geht der Molkerei-Unternehmer Theo Müller juristisch gegen die Organisation Campact vor. Das berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ).
Der Verein wirft dem 85 Jahre alten Gründer des Müller-Milch-Konzerns vor, die AfD zu unterstützen, und verbreitet seit Wochen entsprechende Aussagen. „Hintergrund der Kampagne sind diverse Treffen mit Alice Weidel und AfD-Sympathiebekundungen von Theo Müller“, teilte Campact mit. Angeführt wurde unter anderem, dass sich Müller bei den Bayreuther Festspielen gemeinsam mit Weidel habe fotografieren lassen.
Deshalb verbreitete der Verein rund 28.000 Plakate in 14 Städten. Zudem gab es mehrere Großprojektionen – wie etwa am Berliner Alexanderplatz. Zu lesen waren dabei Slogans wie „Alles AfD oder was?“. Zu sehen war auch, wie eine braune Flüssigkeit aus einer Trinkflasche läuft. Einen ähnlichen Tenor haben rund 2,2 Millionen Aufkleber, die Kritiker auf Müller-Produkte – dazu gehören Marken wie Müllermilch, Weihenstephan und Landliebe – pappen konnten.
Müller weist die Vorwürfe von Campact laut „FAZ“ nun zurück und fordert die Organisation zur Unterlassung auf. In einer entsprechenden Aufforderung erklärt er, was er bereits im Februar 2024 in einem Interview mit der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ) gesagt hatte: „Ich bin kein AfD-Mitglied und möchte auch keins werden“, zitiert die FAZ aus der Erklärung Müllers. Zudem habe er die AfD „zu keinem Zeitpunkt unterstützt“ und ihr „niemals Geld gespendet“.
Müllers Anwalt Christian Schertz spricht von einer unwahren Tatsachenbehauptung durch Campact. Die Kampagne stelle durch die „solitäre undifferenzierte blickfangartige Herausstellung“ der Slogans den Eindruck her, Müller gehöre zu den Unterstützern der AfD und habe die Partei finanziell gefördert. Tatsächlich sei Müller seit rund 30 Jahren Mitglied der CSU und bekenne sich dazu ausdrücklich. Die Kampagne erwecke das Gegenteil. Sollte Campact die beanstandeten Aussagen nicht zurückziehen und weiterverbreiten, will Müller gerichtliche Schritte einleiten, heißt es in dem FAZ-Bericht.
Campact begründet die Kampagne unter anderem mit der persönlichen Freundschaft zwischen Müller und der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel sowie auf Aussagen aus dem NZZ-Interview. Eine persönliche Bekanntschaft sei jedoch strikt von einer politischen oder finanziellen Unterstützung zu trennen, heißt es in der Unterlassungsaufforderung. In dem Interview hatte Müller unter anderem erklärt: „Alice Weidel ist eine Freundin.“
Der Verein Campact sieht sich als Organisation zur Verteidigung der Demokratie. Campact selbst hatte im Jahr 2024 nach einem Transparenzbericht mehr als 3,5 Millionen Unterstützer und Spendeneinnahmen von rund 24,6 Millionen Euro. Zuletzt war die Organisation in die Kritik geraten, als die Familienunternehmer der Drogeriemärkte Rossmann und dm bei Markus Lanz von ihren Erfahrungen mit Kampagnen von Campact berichtet hatten. Hintergrund war die Diskussion über die Einladung von AfD-Politikern zu dem Treffen eines Wirtschaftsverbandes.
„Da haben sich Abgründe aufgetan, dass wir bombardiert wurden mit sehr scharfen E-Mails“, berichtete dm-Chef Christoph Werner. Vor allem die Social-Media-Kanäle des Unternehmens seien mit Nachrichten zugespammt worden – von Aktivisten, AfD-Anhängern, aber auch deren Gegnern.
„Was ich überhaupt nicht akzeptieren kann, ist, wenn ich angeschrieben werde von einer aktivistischen Organisation über ihr Netzwerk, die im Prinzip sagt: Bekenne dich, dass du austrittst, sonst werden wir veröffentlichen, dass du Mitglied bist“, hatte Werner berichtet. Was erlaubt sich denn diese Organisation, als NGO, mich unter Druck zu setzen, dass ich mich öffentlich zu bekennen habe, weil ich sonst beschämt und an den Pranger gestellt werde?“
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