Die Vorsitzende des CDU-Wirtschaftsflügels, Gitta Connemann, hat sich erstmals zum umstrittenen Antrag ihrer Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) mit dem Titel „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“ geäußert, der auf dem bevorstehenden Bundesparteitag der Christdemokraten zur Abstimmung gestellt werden sollte, von der Parteispitze jedoch scharf kritisiert worden war. „Die Überschrift unseres Antrags hätte besser eine andere sein sollen, weil dieses Wort eine echte Auseinandersetzung mit dem Thema Teilzeit ganz offensichtlich erschwert hat“, sagte sie dem „Tagesspiegel“: „Und das bedaure ich.“

Zugleich aber richtete sie einen Appell nicht nur an ihre Partei, sondern auch an die Medien und die Öffentlichkeit, den eigentlichen Inhalt bei der Aufregung über einzelne Formulierungen nicht aus den Augen zu verlieren: „Ich wünsche mir, dass wir jenseits ritueller Empörung wieder lernen, ernsthaft über Reformvorschläge zu diskutieren.“ Es gehe in diesen Auseinandersetzungen nicht um sie als Person oder die Partei, „sondern um die Reformfähigkeit Deutschlands“.

Nach „Tagesspiegel“-Informationen empfahl die Antragskommission der CDU eine überarbeitete Fassung der Teilzeit-Initiative dem Parteitag zur Zustimmung.

Papier löste hitzige Debatte aus

Der besagte MIT-Antrag sah unter anderem vor, dass Teilzeitkräfte nur noch bei Vorliegen besonderer Gründe Sozialleistungen wie Grundsicherung, Kinderzuschlag und Wohngeld erhalten können. „Die Solidargemeinschaft darf nicht die Work-Life-Balance von Aufstockern finanzieren“, hieß es.

Die MIT begründete ihren Antrag damit, dass die Teilzeitquote in Deutschland einen Rekord erreicht habe. „Gleichzeitig herrscht in der gesamten Wirtschaft Fachkräftemangel.“ Bei der Opposition, aber auch den beiden Regierungsparteien, hatte die Formulierung „Lifestyle-Teilzeit“ scharfe Kritik ausgelöst.

Die Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge kritisierte, mit dem Begriff zeichne die CDU ein falsches Bild der Lebensrealität von Frauen und älteren Menschen. Die Vorsitzende der Linkspartei, Ines Schwerdtner, sprach von „der nächsten Attacke auf hart arbeitende Menschen, besonders auf Frauen“. Anja Piel, Vorstandsmitglied beim Deutschen Gewerkschaftsbund, warnte: „Dieser Vorschlag führt gleichstellungspolitisch zurück in die Steinzeit und ist auch arbeitsmarktpolitisch völlig am Ziel vorbei.“

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.