Die indirekten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran im Oman sind laut US-Präsident Donald Trump positiv verlaufen. „Wir hatten ebenfalls sehr gute Gespräche über den Iran, der Iran scheint sehr daran interessiert zu sein, ein Abkommen zu schließen“, sagte Trump am Freitag vor Journalisten auf dem Flug zu seinem Privatanwesen Mar-a-Lago in Florida. Die nächste Gesprächsrunde werde Anfang der kommenden Woche stattfinden.
Auch Irans Außenminister Abbas Araghtschi bezeichnete das Klima bei den Verhandlungen in der omanischen Hauptstadt Maskat als „sehr positiv“ bezeichnet. Laut Araghtschi konzentrierten sich die Gespräche ausschließlich auf die Atomfrage. „Wir behandeln keine anderen Themen mit den Amerikanern“, erklärte er gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur Irna.
Die USA hatten zuvor darauf gedrungen, dass auch die Unterstützung Teherans für Milizen im Nahen und Mittleren Osten und sein ballistisches Raketenprogramm auf die Tagesordnung gesetzt werden müssten. Bei den Treffen hatten die Delegationen der verfeindeten Staaten nicht direkt miteinander konferiert, sondern über Vermittler des Oman.
„In einer sehr angenehmen Atmosphäre haben wir Argumente ausgetauscht und die Perspektiven mit jeweils der anderen Seite geteilt“, sagte Araghtschi im iranischen Staatsfernsehen. Beide Seiten hätten sich darauf geeinigt, die Gespräche fortzusetzen. Das weitere Vorgehen hänge von den Ergebnissen der Konsultationen der Verhandlungsdelegationen mit ihren jeweiligen Regierungen ab, sagte der iranische Außenminister.
Die indirekten Gespräche zwischen den Vertretern beider Länder wurden vor dem Hintergrund einer drohenden Eskalation zwischen dem Iran und den USA geführt. Sie fanden etwa einen Monat nach der gewaltsamen Niederschlagung der jüngsten Protestwelle im Iran mit tausenden getöteten Demonstranten statt. Seitdem hatte US-Präsident Donald Trump den Druck auf Teheran massiv erhöht. Er drohte mit einer Militärintervention und schickte unter anderem den Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ in den Persischen Golf.
Während Araghtschi für den Iran verhandelte, wurde die US-Delegation vom Sondergesandten Steve Witkoff angeführt. Auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner war Teil der US-Delegation. Laut Bildern von Omans Nachrichtenagentur war zudem der Kommandeur des für den Nahen Osten zuständigen US-Zentralkommandos (Centcom), Brad Cooper, bei den Gesprächen anwesend – was als Zeichen für einen weiterhin möglichen US-Militäreinsatz gewertet wurde.
Für mehrere Gesprächsrunden am Vormittag und Nachmittag fuhren beide Seiten wiederholt zur Residenz des omanischen Außenministers. Badr Al-Busaidi, der die jeweiligen Mitteilungen der Delegationen weitergab, beschrieb die Gespräche als „sehr ernsthaft“.
Al-Busaidi bestätigte zudem die geplante Fortsetzung der Gespräche. „Wir beabsichtigen, zu gegebener Zeit erneut zusammenzukommen, wobei die Ergebnisse in Teheran und Washington sorgfältig geprüft werden sollen“, erklärte er.
Trump droht mit Strafzöllen für Käufer iranischen Öls
Trotz der Gespräche hält die US-Regierung den Druck auf den Iran weiter aufrecht. Das Außenministerium verkündete am Freitag neue Sanktionen zur Eindämmung der iranischen Ölexporte, betroffen sind unter anderem 14 Schiffe.
Trump behält sich auch vor, Abnehmer von iranischem Öl mit Strafzöllen zu belegen. Der US-Präsident unterzeichnete am Freitag eine entsprechende Anordnung. Diese ermöglicht die Verhängung eines Importzolls von bis zu 25 Prozent auf Waren aus Staaten, die Öl aus dem Iran beziehen. Ländernamen wurden nicht genannt.
Mit Trumps Dekret werden noch keine konkreten Zölle auf den Weg gebracht. Vielmehr schafft es die rechtliche Grundlage, ab diesem Samstag solche Strafmaßnahmen zu ergreifen. Voraussetzung ist, dass das Handelsministerium in Abstimmung mit dem Außenministerium die Abnehmer iranischen Öls ermittelt und dem Präsidenten Empfehlungen unterbreitet.
Weiter heißt es in Trumps Anordnung, dass mögliche Zölle wieder aufgehoben werden könnten, falls sich Teheran oder die ausländischen Käufer iranischen Öls in Fragen der nationalen Sicherheit, der Außenpolitik und der Wirtschaftspolitik an den Interessen der USA ausrichteten.
US-Finanzminister: „Ratten verlassen das sinkende Schiff“
Die Gespräche in Maskat waren die ersten zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran, seit die USA in den zwölftägigen Krieg zwischen ihrem Verbündeten Israel und der Islamischen Republik eingegriffen und im Juni drei wichtige iranische Atomanlagen bombardiert hatten. Westliche Staaten werfen dem Iran seit Jahren vor, nach der Atombombe zu streben – was Teheran bestreitet.
Trump hatte das internationale Atomabkommen mit dem Iran im Jahr 2018 während seiner ersten Amtszeit einseitig aufgekündigt, weil er es für nicht robust und umfassend genug hielt. Danach ließ er massive Sanktionen gegen den Iran wieder in Kraft setzen. Nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ist der Iran das einzige Land ohne eigene Atomwaffen, das Uran auf 60 Prozent anreichert.
Kurz vor den Gesprächen ging US-Finanzminister Scott Bessent die Führung in Teheran scharf an. Die US-Regierung habe gesehen, wie die iranische Führung „wie verrückt Geld außer Landes“ schaffe. „Die Ratten verlassen also das sinkende Schiff“, sagte er vor einem Senatsausschuss. Bessent wertete dies als „gutes Zeichen“, dass Teheran wisse, dass das Ende nahen könne.
In einer aktualisierten Reisewarnung fordert das US-Außenministerium US-Bürger auf, den Iran über den Landweg zu verlassen – möglichst Richtung Armenien oder Türkei. In dem Land komme es landesweit zu verschärften Sicherheitsmaßnahmen, Straßensperren, Störungen im öffentlichen Verkehr sowie zu Internet- und Kommunikationsausfällen, zudem seien Flugverbindungen jederzeit kurzfristig eingeschränkt oder gestrichen. US-Bürger sollten deshalb alternative Kommunikationswege einplanen und sich nicht auf Hilfe der US-Regierung verlassen.
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