Der Hotelmitarbeiter des Leipziger Westin-Hotels, dem Sänger Gil Ofarim 2021 Antisemitismus unterstellte, hat sich erstmals in einem Interview geäußert. Ofarim hatte ihm damals vorgeworfen, aufgrund seiner Davidstern-Kette das Einchecken verweigert zu haben. Später stellten sich diese Vorwürfe als falsch heraus.

Vor Gericht musste sich Ofarim anschließend unter anderem wegen des Vorwurfs der Verleumdung rechtfertigen. Der heute 43-Jährige entschuldigte sich, das Verfahren wurde gegen eine Geldauflage eingestellt.

Aufmerksamkeit erlangte der Fall zuletzt durch Ofarims Teilnahme an der RTL-Sendung „Dschungelcamp“. Nachdem Ofarim nun die Sendung als Gewinner verlassen hat, äußert sich der von Ofarim Beschuldigte Markus W., erstmals in einem Interview mit der„Zeit“.

W. brachte darin Unverständnis gegenüber Ofarims Verhalten im „Dschungelcamp“ zum Ausdruck. Er habe sich auf die Einstellung des Verfahrens nach einer Entschuldigung damals eingelassen, „auch weil ich die Sache endlich abschließen wollte“, so W. „Nun aber machte Herr Ofarim zweifelhafte Andeutungen. Das wirkt für mich sehr befremdlich, es ärgert mich massiv und ich frage mich auch: Ist es denn nie vorbei?“ W. und Ofarim einigten sich auf einen Schadensersatz in Höhe von 20.000 Euro. Das Geld habe er bisher nicht erhalten, sagt W. im „Zeit“-Interview.

„Er pöbelte: Was das für ein Scheißladen sei“

W. äußert sich im „Zeit“-Interview auch detailliert über den Abend, als Ofarim in das Westin-Hotel einchecken wollte. Es hätte an dem Tag ein technisches Problem gegeben – dadurch habe das Einchecken länger gedauert. Rund 20 Minuten habe Ofarim dadurch warten müssen. „Als er an der Reihe war und seine Karte bekommen sollte, da sprach er mich an. Er war sehr aufgebracht, zeigte mit dem Finger auf mich und pöbelte: Was das für ein Scheißladen sei. Dann drohte er: Wenn er in seinem Zimmer sei, werde er die Zustände hier öffentlich machen, das werde viral gehen. Ofarim klatschte dabei in die Hände und sagte: Bäm, bäm, bäm. Da habe ich ihm den Meldeschein weggezogen und ihm gesagt, dass er unter diesen Umständen nicht unser Gast sein kann.“

Nach den daraufhin von Ofarim geäußerten Antisemitismus-Vorwürfen habe das Telefon nicht mehr stillgestanden, schildert W. „Das gesamte Hotel war sehr schnell in einem Ausnahmezustand. Kollegen weinten. Sämtliche Mitarbeiter hatten es schwer, mit dieser Situation umzugehen, weil einen darauf auch niemand vorbereiten kann.“

„Es war wie in einem Film“

W. habe dann Anzeige gegen Ofarim erstattet wegen Verleumdung. „Meine Social-Media-Konten liefen über, ich wurde bombardiert in einem Ausmaß, das man sich nicht vorstellen kann.“ Er habe Morddrohungen erhalten. „Mein damaliger Chef rief am Abend an, um mir anzubieten, mich für einige Tage an einen sicheren Ort zu bringen. 15 Minuten später holte mich eine Limousine ab. Es war wie in einem Film.“

Er habe sich damals absichtlich nicht zu den Anschuldigungen geäußert. „Dann wären wir in einer Pingpong-Situation gewesen: Ofarim sagt dies, ich sage das. Und was noch hinzukommt: Beweisen Sie mal, dass etwas nicht stimmt. Dass Sie kein Antisemit sind. Wie macht man so etwas?“

In den Wochen nach dem Vorfall habe er sich zurückgezogen und sei nicht einmal zur Hochzeit seines Bruders gegangen – „aus Angst davor, dass irgendwer ein Foto von mir machen könnte, auf dem ich feiernd oder lachend zu sehen bin.“

„Ofarim inszeniert sich wie ein Opfer, obwohl ich das bin“

„Fassungslos“ mache W., dass Ofarim im „Dschungelcamp“ Andeutungen gemacht hat hinsichtlich möglicherweise manipulierter Überwachungsvideos, die vor Gericht W.s Unschuld beweisen sollten. „Weder das Gericht noch der Videogutachter haben die Glaubwürdigkeit der Aufnahmen in Zweifel gezogen – ebenso wenig wie die Aussagen der Zeugen.“

Auch über eine angebliche Verschwiegenheitsverpflichtung spricht W. im Gespräch mit der „Zeit“. Es habe weder einen „Schweigedeal“ noch eine „Verschwiegenheitsverpflichtung“ gegeben. „Das Einzige, was er nicht wiederholen darf, ist die Unwahrheit über mich. Er hat im Zuge des Vergleichs vor Gericht eine Unterlassungserklärung abgegeben. Das bedeutet, er darf nicht mehr sagen, dass ich ihn wegen des Tragens einer Davidstern-Kette des Hotels verwiesen hätte.“

Ofarims Auftreten im „Dschungelcamp“ ärgere ihn, so W. „Mir geht es nicht gut damit, wie er sich jetzt inszenieren konnte. Denn es hinterlässt bei mir den Eindruck, dass die öffentliche Wahrnehmung dieses Falles wieder kippt.“ W. habe den Eindruck, dass sein Fall wieder infrage gestellt werde. „Er inszeniert sich wie ein Opfer, obwohl ich das bin, und das ist schwer für mich.“

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