Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat gegen einen „ehemaligen Bundestagsabgeordneten“ Anklage wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes erhoben. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Braunschweig auf Nachfrage von WELT. Dem 69-Jährigen werden demnach unter anderem sexuelle Handlungen an einem Siebenjährigen vorgeworfen. Mitangeklagt ist eine 51-jährige Lehrerin aus Goslar, die Kindsmutter.
Bei dem Politiker soll es sich um den früheren FDP-Bundestagsabgeordneten Hartmut Ebbing handeln, hatten unter anderem die „Bild“-Zeitung, aber auch der „Spiegel“ berichtet. Denn Ausgangspunkt der Ermittlungen gegen den Bundestagsabgeordneten waren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Berlin wegen des „Verdachts des Besitzes kinderpornografischer Inhalte“, teilte die Staatsanwaltschaft Braunschweig weiter mit.
Ebbing war deshalb laut Staatsanwaltschaft bereits zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Das Urteil ist seit dem 19. März rechtskräftig.
In den neuen Vorwürfen geht es darum, dass die Lehrerin im September 2021 sexuelle Handlungen an ihrem damals siebenjährigen Sohn vorgenommen und davon zwei Fotos angefertigt habe, die sie dem damals 65 Jahre alten Angeschuldigten zusandte, „weil sie wusste, dass dieser sich darüber freuen werde“, teilte die Staatsanwaltschaft Braunschweig WELT mit. Die beiden Erwachsenen sollen sich über ein Datingportal kennengelernt und eine sexuelle Beziehung aufgenommen haben.
Ebenfalls im September 2021 soll Ebbing die Frau in ihrer Wohnung in Goslar besucht haben. Dort soll er nach Angaben der Staatsanwaltschaft „sexuelle Handlungen an dem siebenjährigen Jungen vorgenommen haben“. In der Folge soll die Frau dem Angeschuldigten weitere Bilder mit „eindeutig sexuellem Bezug“ geschickt haben, darunter auch ein „selbst gefertigtes Nacktfoto ihrer beiden sieben- und neunjährigen Söhne“.
Die beiden müssen sich ab dem 10. März vor dem Landgericht Braunschweig verantworten, berichtet der NDR. Der Verteidiger Ebbings beschreitet im „Spiegel“ die gegen ihn erhobenen Vorwürfe.
Der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Ebbing – nach eigenen Angaben dreifacher Vater – war 2017 für die FDP über den Wahlkreis Steglitz-Zehlendorf in Berlin in den Bundestag eingezogen und zuletzt Schatzmeister der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG).
„Über die nun bekannt gewordenen Vorwürfe sind wir entsetzt. Bis zu einer möglichen Verurteilung gilt hier die Unschuldsvermutung“, teilte die DIG auf ihrer Homepage mit. Ebbing selbst habe „persönliche und gesundheitliche Umstände“ für seinen Rücktritt angegeben. „Sexueller Missbrauch ist ein schweres Unrecht, das die Würde, die körperliche Unversehrtheit und sexuelle Integrität von Kindern und Schutzbefohlenen in ihrem Kern verletzt“, schreibt die DIG weiter. Ebbing sei der Aufforderung zum Austritt aus der Gesellschaft sofort nachgekommen.
Auch aus der FDP soll Ebbing inzwischen ausgetreten sein, schreibt der „Spiegel“ – jedoch erst auf Drängen anderer Partei-Mitglieder.
Das Landgericht Braunschweig hat für das Verfahren gegen Ebbing und die Mitangeklagte vier Verhandlungstage angesetzt. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, könnte die Strafe mit der bereits verhängten Bewährungsstrafe zusammengezogen werden.
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