Die südhessische Kreisstadt Groß-Gerau hat den Bau eines milliardenschweren Rechenzentrums gestoppt. Das berichteten mehrere Medien übereinstimmend . Eine Mehrheit im Stadtparlament lehnte das Projekt des US-Unternehmens Vantage Data Centers mit 18 zu 14 Stimmen ab. SPD, Grüne, FDP, Freie Wähler und Linke votierten gegen das Vorhaben, CDU und Freie Wählergemeinschaft dafür.
Geplant war ein Rechenzentrum am Stadtrand mit einer Leistung von 174 Megawatt und einem Investitionsvolumen von rund 2,5 Milliarden Euro. Vorgesehen waren fünf Gebäudekomplexe. Das 14 Hektar große Grundstück hatte der Investor bereits erworben.
Hintergrund der Pläne ist die hohe Nachfrage nach Rechenkapazitäten im Rhein-Main-Gebiet. Frankfurt gilt als einer der wichtigsten Internetknoten weltweit, weswegen in der Region bereits zahlreiche Rechenzentren existieren. Dennoch sehen Branchenvertreter weiteren Bedarf. Ein Standort in Groß-Gerau hätte die Infrastruktur ergänzen sollen.
Die Stadt werde nicht „verkauft“
In der Stadt stieß das Projekt jedoch auf Widerstand. Anwohner befürchteten eine Beeinträchtigung des Stadtbilds. Wie das Computermagazin „Golem“ berichtete, hätten die geplanten fünf Gebäudekomplexe die Stadt mit ihren etwas über 20.000 Einwohnern deutlich überragt. Und Bürgermeister Jörg Rüddenklau von der SPD hatte Zweifel geäußert, dass das Rechenzentrum der Stadt neue Arbeitsplätze oder Gewerbesteuereinnahmen in nennenswertem Umfang bescheren würde.
Der Bürgermeister sprach nach der Entscheidung von einer wichtigen Weichenstellung und betonte, man habe sich nicht unter Druck setzen lassen. Aus der SPD-Fraktion hieß es, die Stadt werde nicht an einen Großinvestor „verkauft“.
Auch die Grünen in Groß-Gerau sind sehr zufrieden. „Bye bye Rechenzentrum – Milliarden-‚Deal‘ glücklich geplatzt“, ist auf der Internetseite des Ortsverbandes zu lesen. „Mit der Ablehnung des Projekts ist ein überdimensioniertes, städtebaulich wie ökologisch hochproblematisches Vorhaben vom Tisch“, resümiert die Partei. Offen bleibe nun, wie das Gelände, auf dem das Rechenzentrum hätte gebaut werden sollen, künftig sozial verträglich und zukunftsfähig entwickelt werden könne.
Ein ähnlicher Konflikt zeichnet sich unterdessen in Maintal ab. Dort plant das US-Unternehmen „Edgeconnex“ ein Rechenzentrum mit 170 Megawatt Leistung. Auch hier formiert sich politischer Widerstand gegen das Vorhaben.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.