Es ist eine Personalie, die viele Fragen mit sich bringt: Die politische Influencerin Lilly Blaudszun (24) ist seit Januar Sprecherin von SPD-Landeschefin Manuela Schwesig – parallel zu ihrer Tätigkeit für die Unternehmensberatung „365 Sherpas“, die von der Staatskanzlei „mit lukrativen Aufträgen versorgt wurde“, wie der Landesvorsitzende des Steuerzahlerbunds, Sascha Mummenhoff, kritisiert. „Das ist mindestens eine Grauzone.“

Schwesig sei nicht nur SPD-Spitzenkandidatin in Mecklenburg-Vorpommern, sondern auch amtierende Regierungschefin. „Wenn personelle und kommunikative Netzwerke aus der Staatskanzlei nahtlos in den Wahlkampf übergehen, verschwimmt die Grenze zwischen Amt und Partei“, sagte Mummenhoff weiter.

Regierungssprecher Andreas Timm nannte die Vorwürfe auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur falsch und „an den Haaren herbeigezogen“. Die betreffende Firma habe einen klar definierten Beratungsauftrag, hieß es. Zudem sei sie von der Landesregierung beauftragt worden, bevor Blaudszun dort tätig wurde. „Da kann es also keinen Zusammenhang geben.“ Blaudszun ist laut Homepage seit Juli 2024 dort tätig.

Auftrag über 300.000 Euro an Schwesterfirma

„Bei der Berufung von Frau Blaudszun handelt es sich um eine Entscheidung des SPD-Landesverbandes und nicht der Staatskanzlei“, sagte Timm. Dies stelle sicher, dass es klar definierte Ansprechpartner für die Regierungs- und für die Parteikommunikation gebe.

In den vergangenen vier Jahren verdiente die Agentur „365sherpas“ knapp 60.000 Euro. Das geht aus einer Anfrage der „Ostsee-Zeitung“ an die Staatskanzlei hervor. Demnach ließ sie sich ihre Dienste für 2022 mit 19.813,50 Euro vergüten, 2023 flossen sogar 26.197,85 Euro, 2024 1320,90 Euro und 2025 12.253,57 Euro.

In der Kritik steht auch ein Auftrag des Landes über mehr als 330.000 Euro für den Aufbau einer neuen Internetpräsenz. Wie die „Ostsee-Zeitung“ berichtet, wurde dieser an die Firma Ressourcenmangel Integral GmbH vergeben, die genau wie „365 Sherpas“ zur Hirschen-Gruppe gehört. Für Regierungssprecher Timm spielt dies jedoch keine Rolle. „Der Auftrag ist seinerzeit vom Landesamt für Innere Verwaltung europaweit ausgeschrieben worden. Die eingereichten Angebote sind nach bei solchen Vergaben festen Kriterien, wie Preis, Qualität, Kreativität, Präsentation, bepunktet worden“, sagte er der „Ostsee-Zeitung“.

Fall für den Schweriner Landtag

CDU-Politikerin Ann Christin von Allwörden aus Stralsund glaubt nicht an Zufall. „Hier wuchert anscheinend ein Netzwerk aus Staatskanzlei, PR-Agentur und SPD-Wahlkampf, das dringend durchleuchtet werden muss. Wenn die persönliche Wahlkampfsprecherin der Ministerpräsidentin zugleich für eine Agentur arbeitet, die mit hunderttausenden Euro aus Steuermitteln beauftragt wird, sieht das nicht wie ein Zufall aus, sondern wie ein ernstes Problem.“ Die Landesregierung tue so, als habe nichts mit nichts zu tun. „Das glaubt draußen aber niemand.“

Von Allwörden, die eine umfangreiche Kleine Anfrage zu dem Thema gestellt hat, macht das Ganze nun zum Thema im Landtag. Sie will wissen, ob Mitarbeiter des Landes „nebenbei“ für Agenturen gearbeitet haben und ob die Agentur noch andere Aufträge aus Landesmitteln bekommen hat. „Es geht um Macht, Geld und Nähe“, zitiert die „Ostsee-Zeitung“ sie. „Und darum, ob Frau Schwesig Amt, Partei und persönliche Interessen noch sauber trennt.“

Auch diesen Vorgang kritisiert der Bund der Steuerzahler. „Das alles wirft die Frage auf, ob hier politische Macht, öffentliche Aufträge und parteipolitischer Wahlkampf zu eng miteinander verzahnt werden.“ Diese Personalentscheidung sollte dringend überprüft und transparent erklärt werden, so Mummenhoff.

Blaudszun selbst glaubt, beide Rollen „strikt organisatorisch, technisch und zeitlich voneinander“ trennen zu können. „Ich berate bei,365 Sherpas‘ Unternehmen mit Blick auf ihre Kommunikation. Mandate mit potenziellen Interessenkonflikten werde ich nicht übernehmen.“ Es gebe keinerlei Vermischung von Parteiarbeit und Agenturmandaten.

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