In Lyon haben rund 3200 Menschen an einem Gedenkmarsch für den getöteten Aktivisten Quentin Deranque teilgenommen. Wie Medien mit Bezug auf die verantwortliche Präfektur weiter mitteilten, waren etwa 500 Polizisten im Einsatz, um die Veranstaltung abzusichern.
Zu dem Trauermarsch riefen mehrere rechtsextreme und streng katholische Gruppen auf. Der mutmaßliche Mord an dem Studenten löste in Frankreich eine politische Krise aus. Zu dem Marsch wurden laut Innenministerium Teilnehmer aus ganz Frankreich und anderen europäischen Ländern erwartet.
Die Sicherheitskräfte sollten die Nacht über in erhöhter Alarmbereitschaft bleiben. Lyon gilt als Hochburg rechtsextremer und antifaschistischer Gruppen. Die Behörden teilten mit, während des Aufzugs seien Hitlergrüße gezeigt worden und es habe rassistische Beleidigungen gegeben. Entsprechende Aufnahmen seien an die Staatsanwaltschaft übergeben worden.
Die Behörden hatten im Vorfeld des Gedenkmarsches vor möglichen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Lagern gewarnt. Präsident Emmanuel Macron rief vor dem Trauermarsch zur Ruhe auf und betonte, dass es keinen Platz für Milizen gebe, egal, woher sie kämen. Deranques Eltern riefen ebenfalls zur Ruhe auf und wollten an der Gedenkveranstaltung, die von den französischen Behörden nicht verboten wurde, nicht teilnehmen.
„Wir werden keinen einzigen Zwischenfall innerhalb des Demonstrationszuges tolerieren“, ebenso wenig „am Rande dieses Marsches“, erklärte die Präfektin des Départements Rhône, Fabienne Buccio vor dem Trauermarsch. Die Wachsamkeit werde sich „bis in den Abend hinein“ fortsetzen, um jegliche Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten zu vermeiden.
Lyons Bürgermeister Grégory Doucet von den Grünen sagte: „Ich möchte nicht, dass Lyon auch nur im Ansatz die Hauptstadt der Ultrarechten ist.“ Doucet hatte sich vergeblich für ein Verbot des Marsches eingesetzt.
Innenminister Laurent Nuñez und die Präfektur erklärten, sie hätten das Risiko von „Gewalttaten“ und „Störungen der öffentlichen Ordnung“ gegen die notwendige „Meinungsfreiheit“ abgewogen und daraufhin grünes Licht erteilt.
Der 23-jährige Student war vor einer Woche an den Folgen schwerster Kopfverletzungen gestorben. Er hatte sie bei einem Angriff am Rande einer rechten Kundgebung erlitten, die den Auftritt der Europaabgeordneten der französischen Linkspartei La France Insoumise (LFI), Rima Hassan, begleitete.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte sich der Student zum Schutz einer kleinen Gruppe von Frauen bereitgehalten, wurde jedoch von rund 20 maskierten Personen attackiert und schwer verletzt.
Sieben Verdächtige wurden inzwischen festgenommen. Sechs sitzen wegen des Vorwurfs des vorsätzlichen Mordes und der schweren Körperverletzung in Untersuchungshaft, ein weiterer wurde unter Justizaufsicht gestellt.
Drei der Männer sollen der radikalen Linken angehören; einer ist parlamentarischer Assistent des LFI-Abgeordneten Raphaël Arnault und Mitgründer der antifaschistischen „Jeune Garde“ (auf Deutsch: Junge Garde), die nach Medienberichten für den Angriff verantwortlich gemacht wird.
Laut französischen Medien gehörte der Getötete verschiedenen rechtsextremen Gruppierungen an, wie der „l'Action française“, war Mitgründer der nationalistisch-revolutionären Gruppierung „Allobroges Bourgoin“. In Lyon war er Mitglied des rechtsextremen Gruppenkollektivs „Audace“.
Der auf Video dokumentierte Vorfall löste landesweit Empörung aus und verschärfte die politischen Spannungen in Frankreich.
Macron ordnet Überprüfung gewaltbereiter Gruppen an
Unterdessen ordnete der französische Präsident Emmanuel Macron eine Überprüfung gewaltbereiter Aktivistengruppen an. Ein Treffen dazu solle in der kommenden Woche stattfinden, sagte Macron am Samstag während der Eröffnung einer Landwirtschaftsmesse in Paris und rief zur Ruhe auf.
„Dies ist ein Moment des Gedenkens und des Respekts für diesen jungen Landsmann, der getötet wurde, für seine Familie und seine Angehörigen. Das muss an erster Stelle stehen“, sagte Macron. Es sei aber auch ein Moment der Entschlossenheit und Verantwortung.
„Milizen haben hier keinen Platz“
Macron kündigte ein Treffen mit Ministern an, um alle gewaltbereiten Aktivistengruppen mit Verbindungen zu politischen Parteien einer umfassenden Überprüfung zu unterziehen. Er deutete an, dass einige dieser Gruppen aufgelöst werden könnten. „In der Republik ist Gewalt in keiner Weise legitim“, sagte er. „Milizen haben hier keinen Platz, egal woher sie kommen.“
Die linksextremen militanten Gruppen in Lyon sind relativ neu und entstanden als Reaktion auf die zahlreichen rechtsextremen Gruppen, die dort seit Jahrzehnten aktiv sind. Geheimdienste betrachten die Stadt als Wiege des Rechtsextremismus in Frankreich.
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