Mit einem Motivwagen des Künstlers Jacques Tilly, Chören und weiteren Aktionsformen haben laut Polizei rund 7000 Menschen gegen einen Auftritt des Thüringer AfD-Landesparteichefs Björn Höcke in Düsseldorf demonstriert. Ein breites Bündnis aus Bürgerinitiativen, Gewerkschaften und zahlreichen weiteren Bereichen der Zivilgesellschaft beteiligte sich an dem bunten Widerstand gegen die AfD.

Von rund 300 Sympathisanten in einer voll besetzten Halle im Düsseldorfer Stadtteil Garath wurde Höcke hingegen gefeiert. Er bezeichnete die Demonstranten als Opfer. „Viele sind durch die Bildungsanstalten der Bundesrepublik Deutschland ideologisiert worden, sind fehlgeleitet worden“, sagte Höcke unter dem Applaus seiner Zuhörer. Es sei nötig, dass „normale Menschen“ Mut zeigten, „wenn da draußen die Therapiebedürftigen stehen, auch mal zu sagen, davon lasse ich mich nicht abhalten und mache mir mein eigenes Bild vom Teufel der Nation“.

Deutschland müsse wieder vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Dazu brauche es die AfD als „Partei des gesunden Menschenverstands“. Die anderen Parteien sammelten lediglich die Stimmen des Wahlvolks ein, ohne deutsche Interessen zu vertreten.

Viel Beifall heimste Höcke auch für seinen postulierten Kampf gegen politische Korrektheit ein, die „wie eine steinerne Grabplatte“ auf Deutschland liege oder für sein Bekenntnis: „Ich sage Ja zu deutschem Bier“.

Der Düsseldorfer AfD-Kreisvorsitzende Elmar Salinger prangerte in seiner einleitenden Rede „Sprechverbote“ und Vorbehalte gegen Höcke auch von Parteifreunden an, die meinten: „Der passt nicht hierher.“ Das Gegenteil sei der Fall: „Der passt ganz hervorragend hier her.“ Als „schiere Notwendigkeit“ bezeichnete Salinger die Remigration. Bei den nordrhein-westfälischen Kommunalwahlen im vergangenen Herbst hatte die AfD im Trabanten-Stadtteil Garath einen Spitzenwert von rund 32 Prozent erzielt.

Anti-AfD-Wagen von Tilly vor dem Veranstaltungsort

Vor der Veranstaltungshalle machten Tausende AfD-Gegner ihrem Unmut Luft. „Gegen den Faschismus“, skandierten Demo-Teilnehmer lautstark. Auf Transparenten standen Slogans wie „Wir alle sind die wehrhafte Demokratie“, „Rote Karte für Nazis“ oder „Lebe so, dass die AfD etwas dagegen hat“. Andere skandierten: „Keine Böcke auf Höcke“ oder wiederholten in lieblich verpackter Melodie den immer gleichen Schmäh-Gesang: „Scheiß AfD“.

Vor dem Veranstaltungsort wurde auch ein Anti-AfD-Wagen von Tilly aufgefahren. Darauf zu sehen war ein großer bunter Fisch mit der Aufschrift „Wir sind mehr!“, der einen kleineren mit der Aufschrift „Wir sind das Volk!“ frisst.

Wie die Polizei berichtete, versuchte eine Gruppe von Gegendemonstranten in unmittelbarer Nähe des AfD-Veranstaltungsorts, eine Absperrung zu durchbrechen. Das sei ihnen aber nicht gelungen, weil die Sicherheitskräfte Pfefferspray eingesetzt hätten. Dabei sei niemand verletzt worden.

Höcke auf NRW-Tour

Am Sonntag hatten bereits Tausende gegen einen Auftritt Höckes beim AfD-Neujahrsempfang im Dortmund demonstriert. Der Rechtsaußen-Politiker ist derzeit auf Tour durch das größte Bundesland. Im März steht beim Landesparteitag der AfD eine Richtungsentscheidung bei den Vorstandswahlen an.

Der 53-jährige Höcke ist zweimal wegen der Verwendung einer verbotenen Nazi-Parole rechtskräftig verurteilt worden. Die von ihm geführte Thüringer AfD wird vom dortigen Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und beobachtet.

In Düsseldorf hatten drei Bündnisse unter dem Motto „Kein Platz für Faschisten in Düsseldorf“ und „Garath ist bunt, nicht braun“ dazu aufgerufen, an Aufzügen durch die Stadt und anderen Protestaktionen teilzunehmen – darunter das Bündnis „Düsseldorf stellt sich quer“. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und zahlreiche weitere Unterstützer haben sich in den Protest eingereiht.

Zuvor war ein gemeinsamer Antrag von SPD, Volt und Linke an den Düsseldorfer Rat gescheitert, Höcke Hausverbot in den städtischen Veranstaltungsräumen zu erteilen. Die Ratsmehrheit hatte Bedenken, ob das rechtskonform wäre, will sich aber dafür einsetzen, eine rechtssichere Grundlage für künftige Fälle zu schaffen.

Auch in Dortmund war am Freitag ein kurzfristiger Anlauf der Stadt, den AfD-Neujahrsempfang mit Höcke im Rathaus zu untersagen, im Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht gescheitert – ähnliche Entscheidungen gab es kürzlich am Verwaltungsgerichtshof in München.

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