Der CDU-Spitzenkandidat für die baden-württembergische Landtagswahl, Manuel Hagel, steht zu seiner in einem Video dokumentierten harschen Reaktion auf eine Lehrerin beim Besuch einer Stuttgarter Gemeinschaftsschule. Hagel sagte am Freitag in einem Interview mit dem Nachrichtensender WELT TV: „Was natürlich leider nicht gezeigt worden ist, waren die einige Male vorher, wo mir die Lehrerin ins Wort gefallen ist.“
Der CDU-Politiker weiter: „Irgendwann habe ich dann mal gesagt: Ich würde gern mit den Kindern sprechen. Das ist ja auch der Sinn von einem Schulbesuch, dass man mit Schülerinnen und Schülern diskutiert. Und darauf habe ich mich konzentriert. Und da lasse ich mich dann auch nicht davon abbringen.“ Hagel hatte Fragen der Lehrerin mit den Worten abgebürstet: „Ich spreche gerade mit den Schülern.“
Im WELT-TV-Interview warb er um Verständnis dafür: „Ich bin jetzt ja auch kein Roboter, sondern ein Mensch mit ganz normalen Gefühlen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Bei mir ist es so, dass man manchmal dann auch im Eifer des Gefechts was sagt, wo man dann, wenn man es hinterher sieht, denkt, das hätte man auch freundlicher sagen können.“ Auf die Frage nach einer Entschuldigung ging Hagel nicht ein.
Am Montag hatte das ARD-Mittagsmagazin einen Beitrag gesendet, wie Hagel in der Altenburg-Gemeinschaftsschule in Stuttgart eine siebte Klasse besuchte. Lehrerin Ulrike Petzold bemängelte die Kürzungen bei der Inklusion und forderte stabiles Internet im Gebäude. Gemeinschaftsschulen wünsche sie sich einen besseren Stellenwert. Doch eben daran zeigt die CDU kein Interesse.
Wortkarg beantwortete der Spitzenkandidat die Fragen dazu. „Wollen Sie die Gemeinschaftsschule abschaffen?“, fragte ein Schüler. „Nein“, antwortete Hagel einsilbig. „Wollen Sie, dass die Gemeinschaftsschule mehr ausgebaut wird?“, fragte Petzold. „Nein“, wiederholte der CDU-Politiker.
Als Petzold eine Nachfrage zur Inklusion stellte, fuhr Hagel ihr über den Mund. „Ich spreche gerade mit den Schülern“, herrschte er die Lehrerin an. Entsprechend konsterniert zeigte diese sich am Ende. „Es war interessant, aber es hat mich jetzt nochmal etwas ernüchtert, dass die CDU kein Herz für Gemeinschaftsschulen hat. Das nehme ich mit und das enttäuscht mich etwas.“
In den sozialen Netzwerken war Hagels Schulbesuch auf Kritik gestoßen. Als respektlos und unsympathisch wurde sein Agieren bewertet. „Die Nerven liegen blank und da zeigt sich der wahre Charakter“, schrieb ein Nutzer. Eine andere Userin meinte: „Wie geht er erst mit Frauen um, wenn die Kamera aus ist? Besonders christlich ist das nicht, es ist frauenfeindlich.“
„Ist eine im Klassenraum über 16, tickt er direkt durch!“, kommentierte Autor Micky Beisenherz in Anspielung auf das ältere Statement des CDU-Politikers.
Für dieses hatte sich der Spitzenkandidat entschuldigt und erklärt, seine Frau Franziska habe ihm schon damals „direkt den Kopf gewaschen“. „Frau Hagel, bitte holen Sie schonmal das Shampoo!“, kommentierte Moderatorin Ruth Moschner den neusten Schulbesuch Hagels.
Umfragen deuteten zuletzt auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden Parteien hin. Nachdem die CDU über Monate teils mit deutlichem Abstand vorne gelegen hatte, holten die Grünen zuletzt deutlich auf. Je nach Erhebung rückte Özdemirs Partei auf einen, zwei oder drei Prozentpunkte an die CDU heran.
Zuletzt hatte Hagel wegen seiner Aussagen über eine Schülerin in einem älteren Interview für Aufsehen gesorgt.
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