Altbundespräsident Joachim Gauck hat die Medien dazu aufgerufen, die Demokratie zu verteidigen und die „Kultur der Faktentreue zu schützen“. Dazu gehöre auch, nicht nur auf die Defizite hinzuweisen. „Es ist eine aufklärerische Daueraufgabe, sich der Verdunkelung und Vernebelung entgegenzustellen“, sagte Gauck beim Kongress „The Future of German Media“ in Hannover.

Er frage sich aber, wie viel „wirkliche Wichtigkeit“ ihm die „geschätzten Medien“ vermitteln: „Mich befällt der Eindruck, sie berichten mehr über Defizite der Demokratie, als dass sie für deren Erhaltung eintreten.“ Er wolle keinen affirmativen Journalismus, „aber in Zeiten, in denen die Demokratie angegriffen wird, sehe ich eine Beistandspflicht zur Verteidigung der Demokratie“, so Gauck weiter. Wer aber so berichte, dass bei den Nutzern vor allem Zweifel an der Demokratie entstehen, bringe diese in Gefahr.

Als Beispiel nannte Gauck den Umgang mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Dieser sei „schon runtergeschrieben worden, bevor er angefangen hat zu regieren“. Hier seien die Medien zu oft „Gefangene ihrer Grundüberzeugungen“. Zwar würde faktisch richtig berichtet, aber es gebe auch sofort hämische Seitenhiebe. „Da wünsche ich mehr Genauigkeit“, sagte der Altbundespräsident.

Gauck appellierte an die Verlagsbranche, „den Willen zum ganzen Bild zu stärken“ und zum Bundesgenossen bei der Verteidigung demokratischer Werte zu werden: „Dafür wünsche ich mir von Ihnen Verteidigungsbereitschaft, Entschlossenheit und Mut“, sagte Gauck.

Mit Sorge betrachte er Entwicklungen in den USA, wo kritische Medien zwar nicht verboten werden könnten, aber durch Delegitimierung oder Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen massiven Angriffen ausgesetzt seien. Das Perfide daran sei, dass dies als „ein Angriff auf die Freiheit aus der Freiheit heraus“ geschehe – unter anderem durch die Trump-Regierung.

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