- Pränataltests seit 2022 Leistung der GKV
- Blutprobe ermittelt Risiko auf genetische Veränderungen
- Politik mit Pro und Contra
- Caritas und Lebenshilfe für Monitoring
Der Bundestag hat erstmals über einen entsprechenden Antrag für ein Monitoring der Pränataltests beraten. Mehr als 100 Bundestagsabgeordnete fordern eine Überprüfung der von den Krankenkassen bezahlten nicht-invasiven Tests (NIPT) für Schwangere. Die derzeitige Verordnung regele nicht klar genug, wann dieser Bluttest zur Anwendung kommen solle, heißt es in einem Antrag. Dieser wird von Abgeordneten der Union, SPD, Grünen und Linken unterstützt.
Hintergrund des Antrags ist die Sorge vor einer Routineuntersuchung oder einem "Massenscreening" auf Trisomien. Aus Sicht der Antragsteller wird nicht ausreichend über den Test aufgeklärt. "Es lässt sich daher befürchten, dass Schwangeren unabhängig von einer medizinischen Relevanz empfohlen wird, den NIPT vornehmen zu lassen, unter anderem, damit sich Ärztinnen und Ärzte absichern können", heißt es.
Test seit 2022 Kassenleistung
Blutabnahme für UntersuchungBildrechte: picture alliance/dpa | Marijan MuratSeit 2012 können Schwangere in Deutschland mithilfe des Pränataltests untersuchen lassen, ob bei ihrem ungeborenen Kind die Chromosomenstörungen Trisomie 13, 18 und 21 vorliegen. Deren bekannteste Form, Trisomie 21, ist oftmals nur unter dem Begriff "Down-Syndrom" bekannt.
Ein Jahrzehnt lang war der Test eine Selbstzahlerleistung. Seit dem 1. Juli 2022 zählt er unter bestimmten Voraussetzungen zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung.
Blutprobe ermittelt Risiko
Beim NIPT kann mittels einer Blutprobe der Schwangeren das Risiko für Trisomie schon früh in der Schwangerschaft bestimmt werden. Dabei wird aus der Blutprobe der Schwangeren im Labor freie Plazenta-DNA gewonnen, die Aufschluss über genetische Veränderungen gibt. Ab der zehnten Schwangerschaftswoche kann Schwangeren eine Blutprobe entnommen werden.
Aus einer Blutprobe wird im Labor DNA gewonnen Bildrechte: picture alliance/dpa | Patrick SeegerDaneben gibt es invasive Tests wie die Fruchtwasserpunktion, die ein Risiko für eine Fehlgeburt birgt. Laut Barmer nehmen mittlerweile nahezu die Hälfte der Schwangeren in Deutschland den nicht-invasiven Bluttest in Anspruch.
Besonders häufig wurde der Test bei Schwangeren zwischen 41 und 45 Jahren angewendet. Doch auch jüngere Frauen greifen auf den Test zurück. In der Altersgruppe 18 bis 24 Jahre waren es nach Angaben der Barmer im Jahr 2023 rund 20 Prozent. Zugenommen habe auch die Zahl invasiver Pränataltests.
Politik mit Pro und Contra
Die SPD-Abgeordnete Dagmar Schmidt betonte im Bundestag, es gehe nicht um eine generelle Entscheidung für oder gegen solche Tests, sondern um mehr Wissen. "Es darf nicht sein, dass systematisch nach Trisomie 21 getestet wird", sagte Schmidt.
Paula Piechotta spricht im Bundestag zum Thema.Bildrechte: picture alliance/dpa | Lilli FörterDie CSU-Abgeordnete Emmi Zeulner betonte, es gehe nicht darum, "die reproduktive Autonomie der Frauen" einzuschränken, sondern um "mehr Wissen und mehr Transparenz in einem sensiblen Bereich".
In der Debatte gab es auch Stimmen gegen den Antrag. So argumentierte die Grünen-Abgeordnete Paula Piechotta aus Leipzig, Frauen dürfe bei Pränataltests nicht die Selbstbestimmung genommen werden. Carmen Wegge von der SPD-Fraktion ergänzte, die geforderten Maßnahmen dürften nicht zu mehr Druck auf Frauen führen, "warum sie etwas machen und warum nicht".
Caritas und Lebenshilfe halten Monitoring für dringend nötig
Der Deutsche Caritasverband hält das angestoßene Monitoring für nicht-invasive Pränataltests für dringend geboten. "Vorgeburtliche Diagnostik, die mit häufig falsch-positiven Ergebnissen zu Ängsten und Verunsicherung führt und die zugleich keine therapeutischen Maßnahmen für das Kind eröffnet, ist keine Hilfe für die Eltern, sondern erzeugt einen fatalen Entscheidungsdruck", sagte Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa.
Auch die Lebenshilfe begrüßt den Vorstoß der Abgeordneten und fordert dringend ein Monitoring. "Aktuelle Zahlen belegen, dass der NIPT schon jetzt zur Regeluntersuchung in der Schwangerschaftsvorsorge geworden ist. Menschen mit Beeinträchtigungen und ihre Angehörigen fühlen sich dadurch diskriminiert", sagte die Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, Ulla Schmidt.
KNA,dpa,epd,AFP (isc)
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