Der frühere israelische Premierminister Ehud Olmert kritisiert den Kurs im Iran-Krieg und US-Präsident Donald Trump scharf. Zwar hätten die israelischen und amerikanischen Militärschläge zunächst „zu einer ernsthaften Schwächung des Iran beigetragen“, der „die größte Bedrohung für den Staat Israel“ gewesen sei, sagte Olmert dem „Tagesspiegel“. Auch die gezielten Tötungen von Führungsfiguren des Regimes unterstütze er „aus vollem Herzen“.

Doch für die Zeit danach fehle eine klare Strategie für die Zeit danach, weshalb inzwischen die Sorge bei ihm überwiege: „Wenn man eine Operation dieser Größenordnung startet, dann braucht man einen guten Plan dafür, wie es danach weitergehen soll“, sagte Olmert. Einen solchen Plan sehe er nicht. Er befürchte, „dass wir die ursprünglichen Vorteile des Kriegs verlieren könnten und sich die Lage gegen Israel wendet“.

Besonders scharf fällt seine Kritik an US-Präsident Trump aus. „Wir erleben einen US-Präsidenten, der täglich für sich selbst entscheidet, was gerade wahr ist“, sagte Olmert. Trump sei „wie eine Ballerina, die zwischen verschiedenen Positionen hin- und hertanzt“. Seine Anhänger akzeptierten dabei „selbst komplette Widersprüche“. Deshalb liefere der Iran-Krieg „eine krasse Illustration des Phänomens Donald Trump“.

Konkret verweist Olmert auf widersprüchliche Aussagen Trumps zu den Kriegszielen. Dieser habe sich damit gebrüstet, die militärischen Fähigkeiten des Iran „zerstört“ zu haben – um dies später erneut als Ziel auszugeben. Das untergrabe die strategische Klarheit und verschärfe die Unsicherheit.

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Tatsächlich gab es seit Beginn des Kriegs am 28. Februar widersprüchliche Angaben Israels und der USA zu den konkreten Kriegszielen und wie lange die Angriffe dauern sollen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bekräftigte zuletzt, Ziel sei es, dem iranischen Atom- und Raketenprogramm, durch das Israel sich existenziell bedroht sieht, „tödliche Schläge“ zu versetzen. Die Angriffe im Iran könnten zudem die Bedingungen für einen Sturz der Machthaber schaffen – dies hänge jedoch letztlich vom iranischen Volk ab.

Olmert hält im „Tagesspiegel“ jedoch zentrale Kriegsziele für grundsätzlich unrealistisch. „Niemand kann den Iran zerstören – weder die USA noch Israel“, sagte er. Ein solches Ziel auszugeben, sei „unseriös und ein Zeichen fehlender Kompetenz“. Zwar sei der Iran militärisch geschwächt worden, bleibe aber handlungsfähig. Dass das Land weiterhin täglich Angriffe über große Distanzen durchführen könne, zeige, dass „die Befehlsketten im Iran noch intakt“ seien.

Olmert warnt zudem vor einer weiteren Eskalation. Ein anhaltender Krieg könne die gesamte Region destabilisieren und massive wirtschaftliche Folgen haben – etwa durch steigende Ölpreise. Auch die israelische Bevölkerung zahle bereits einen hohen Preis: Sie müsse „jeden Tag etwa zehn- bis fünfzehnmal in die Bunker flüchten“.

Gleichzeitig sieht der Ex-Premier noch Chancen für eine diplomatische Lösung. „Dass es einen Krieg mit dem Iran gegeben hat, heißt nicht, dass Verhandlungen vom Tisch sind. Im Gegenteil“, sagte Olmert.

Innenpolitisch rechnet er mit Israels Regierung ab. Er hoffe, dass der Krieg „die Widersprüche entlarvt zwischen dem, was Netanjahu verspricht, und dem, was unsere Realität ist“ und setzt dabei auf die nächsten Wahlen in Israel. Ehuds Fazit: „Ich hoffe, dass Israel der größte Gewinner sein wird und Netanjahu der größte Verlierer.“

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