• Landwirt Benjamin Schmidt klärt auf Social Media über seine Arbeit auf.
  • Die Ausbildung zum Landwirt soll mehr auf Dialog mit Verbrauchern setzen.
  • Aber auch Digitalisierung spielt künftig eine größere Rolle.

Benjamin Schmidt geht mit gutem Beispiel voran. Der Landwirt aus dem Kyffhäuserkreis in Thüringen ist ein preisgekrönter Agri-Influencer. Auf TikTok, Instagram und Facebook lässt er über 200.000 Follower an seinem Alltag als Landwirt teilhaben. Wie das gekommen ist, könne er gar nicht so genau sagen. "Das ist so gewachsen. Als ich angefangen habe, haben wir so ein bisschen Werbung vom Betrieb gemacht. Dann kamen die ersten Likes." Je mehr er von sich und seinen Rindern gezeigt habe, desto größer sei der Zuspruch gewesen.

Das ist nicht der böse Landwirt, der alles vergiften will.

Benjamin Schmidt, Landwirt und Influencer

Der gelernte Landwirt Schmidt klärt seine Follower auf, erklärt ihnen seinen Beruf. Wie wird das Fleisch produziert? Was passiert im Hühnerstall? Warum haben die Bullen einen Ring in der Nase? Nach seinen Videos wüssten die Menschen besser Bescheid, sagt Schmidt. Beim Thema Pflanzenschutz etwa. Er zeige, "dass das halt nicht der böse Landwirt ist, der alles vergiften will, sondern wirklich zielgerecht Mittel verteilt, um die Pflanzen am Leben zu halten."

Mehr Dialog zwischen Erzeuger und Verbraucher

Damit lebt Schmidt vor, was künftig eine größere Rolle für angehende Landwirte spielen soll. Der Dialog zwischen Erzeuger und Verbraucher soll in der neuen Ausbildungsordnung aufgegriffen werden, sagt Markus Bretschneider, beim Bundesinstitut für Berufsbildung, verantwortlich für die Modernisierung der Ausbildung. Bis die neue Ordnung veröffentlicht wird, darf er keine Details verraten. "Man kann aber erkennen, dass ein stärkerer Fokus auf kommunikative Kompetenzen, auf das Rollenverständnis als Landwirt gelegt wurde", so Bretschneider. Auch spielten die Themen Nachhaltigkeit und Tierwohl eine größere Rolle.   

Es sei nicht so, dass sich in den vergangenen 30 Jahren nichts in der Ausbildung zum Landwirt verändert habe, so Bretschneider. Die bisherige Ausbildungsordnung sei so offen formuliert worden, das lange technologische Neuerungen auch ihren Platz gefunden hätten. Zuletzt habe man den Wandel aber nicht mehr ausreichend abbilden können.

Öffentliche Wahrnehmung von Landwirtschaft hat sich gewandelt

Bis Anfang des Jahres hatte sich eine Sachverständigenkommission mit der neuen Ausbildungsordnung beschäftigt. Daran mitgewirkt hat der Leipziger Dieter Heider, der seit vielen Jahren landwirtschaftliche Unternehmen in Mitteldeutschland berät. Die Digitalisierung spiele in der Landwirtschaft heute eine deutlich größere Rolle als noch vor 30 Jahren, sagt Heider. Gleiches gelte für die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. "Und das sind Herausforderungen, die wir in der Neuordnung berücksichtigen wollten."

Wir werden immer digitaler.

Benjamin Schmidt, Landwirt und Influencer

Ein Ansatz, den Landwirt Benjamin Schmidt für richtig hält. Auf den Höfen gebe es inzwischen Technik in Hülle und Fülle. Bei ihm etwa fahre der Trecker durch Lenksysteme inzwischen fast von allein, Anbaugeräte steuere er digital. "Wir werden immer digitaler. Warum das nicht mit in die Ausbildung nehmen?" Das Digitale solle aber auch nicht zu hoch gehängt werden, mahnt Schmidt. Landwirtschaft ist und bleibe auch Handarbeit, so Schmidt – und dabei mache man sich eben auch mal schmutzig.

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