- Nur jede und jeder Dritte findet sinnvoll, dass Preise an Tankstellen nur einmal am Tag erhöht werden dürfen.
- 9 von 10 Befragten sind unzufrieden mit der Energiepolitik der Bundesregierung.
- Deutliche Mehrheit fordert, EU sollte wie die USA wegen hoher Spritpreise Sanktionen auf russisches Öl lockern.
"Ich muss mit dem Auto zur Arbeit fahren. Mich trifft es sehr hart. Homeoffice ist als Krankenschwester leider nicht möglich", schreibt Silke (57) aus dem Salzlandkreis. Hans Jürgen (75) aus Jena kommentiert: "Früher habe ich immer über die Westdeutschen gelacht, die im Winter im Wohnzimmer im Pullover saßen. Jetzt muss ich es selber machen, um Geld zu sparen." Und Paul (33) aus dem Landkreis Zwickau schreibt: "Es ist nicht mehr möglich, sich annähernd gesund und ausgewogen zu ernähren. Das kann kein Mensch mehr bezahlen. Man ist gezwungen, auf billige und qualitativ minderwertigere Produkte auszuweichen."
Der Dieselpreis liegt im bundesweiten Schnitt aktuell bei fast 2,30 Euro, für einen Liter Super müssen im Schnitt 2,13 Euro bezahlt werden. Auch die Preise für Heizöl, Gas und Dünger sind in Folge des Irankrieges stark gestiegen. Damit gehen auch die Preise nach oben für Lebensmittel, Dienstleistungen und Waren, die über weitere Wege transportiert werden müssen.
Die vielen Kommentare zu dieser Befragung machen deutlich, welche Folgen die gestiegenen Energiekosten für den Alltag der Menschen ganz konkret haben:
- Sehr viele Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen leben in ländlichen Regionen. Sie brauchen ihr Auto für die Arbeit, den Einkauf, den Arztbesuch oder Besuche bei Freunden oder Familie. Diese Fahrten können nur wenig oder gar nicht reduziert werden. Einsparmöglichkeiten bieten nur Fahrten zum Tanken in Tschechien oder Polen.
- Beim Heizen gehen Befragte bereits jetzt an ihre persönliche Schmerzgrenze: Sie heizen nur manche Wohnräume und die auch nur einige Grad unter der Wohlfühltemperatur. Viele Mieter fürchten die nächste Nebenkostenabrechnung oder das Ende von laufenden Verträgen für Strom oder Gas.
- In zahlreichen Kommentaren schildern Befragte, dass die Preise für manche Freizeitangebote, Dienstleistungen oder Gaststättenbesuche bereits in den letzten Monaten schon deutlich gestiegen sind. Diese Preise könnten sie sich jetzt schon nicht mehr leisten. Damit sinke ihre Lebensqualität. Die werde durch zusätzliche Preissteigerungen noch weiter eingeschränkt.
4 von 5 Teilnehmern (83 Prozent) an der aktuellen Befragung geben an, die zuletzt gestiegenen Energiepreise belasteten sie persönlich.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNKWenig Zuspruch für Plan, Spritpreise nur einmal am Tag zu erhöhen
Die Bundesregierung will die teils deutlichen Preissprünge bei den Spritpreisen begrenzen. Der Bundestag hat am Donnerstag erste Maßnahmen beschlossen. Nach dem Vorbild von Österreich sollen Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr am Mittag erhöht werden dürfen. Anders als bisher sollen zudem die Unternehmen aus dem Kraftstoffbereich nachweisen, wie ihre Preissteigerungen zustande kommen. Zumindest das stößt bei den Befragten auf ein positives Echo: 7 von 10 Teilnehmenden (72 Prozent) befürworten die Nachweispflicht. Dagegen befürworten nur 3 von 10 Befragten (30 Prozent) die Regelung, nach der Spritpreise nur noch einmal am Tag angehoben werden dürfen. Ein MDRfragt-Teilnehmer (67) aus dem Vogtlandkreis kommentiert: "Preiserhöhung einmal täglich ist ein Hohn und Augenwischerei!"
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNKIn zahlreichen Kommentaren kritisieren Befragte, Deutschland reagiere in der aktuellen Energiekrise deutlich zu langsam. "In Italien wird im Kabinett innerhalb weniger Minuten eine Senkung von 25 Cent festgelegt. In Deutschland wird wie immer nur geschwafelt und gelabert“, kritisiert Kay-Uwe (62) aus dem Saalekreis. Italiens Regierung hat vor wenigen Tagen mit einem Dekret die Spritsteuern gesenkt. Aus Sicht zahlreicher Teilnehmender ist der Staat zudem ein größerer Preistreiber als die Mineralölkonzerne. Die verschiedenen Steuern auf Benzin und Diesel seien schlicht zu hoch und müssten deutlich gesenkt werden, heißt es in zahlreichen Kommentaren.
Urteil für Energiepolitik fällt schlecht aus
Die Energiepolitik der Bundesregierung fällt in der aktuellen Befragung klar durch: 9 von 10 Befragten (90 Prozent) sind nicht zufrieden damit, was Union und SPD für eine sichere und bezahlbare Energieversorgung tun. Diese große Unzufriedenheit zieht sich auch quer durch alle Altersgruppen.
- Die Bundesregierung solle Öl und Gas von mehr Lieferanten beziehen als bisher, finden 7 von 10 Befragten (70 Prozent). "Aufhören zu moralisieren und die Energie da kaufen, wo es am günstigsten für uns ist. Jede Hausfrau kennt diesen Trick", kommentiert Heiko (58) aus Magdeburg.
- Eine knappe Mehrheit (55 Prozent) befürwortet in der aktuellen Befragung auch einen Wiedereinstieg in die Atomkraft. Rainer (81) aus Leipzig hofft auf eine "Renaissance der friedlichen Nutzung der Kernenergie, mindestens als energetische Grundlast".
- Nur die Hälfte der Befragten (50 Prozent) wünscht sich einen schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien als bisher. "Wir sollten uns zunehmend von fossilen Energien unabhängig machen. Fossile Energie wird immer wieder als Mittel zur Erpressung genutzt", findet Matthias (59) aus Jena.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNKDer Vergleich der Altersgruppen zeigt bei der Frage nach einem Umsteuern bei der Energiepolitik deutliche Unterschiede: Befragte unter 30 Jahren wünschen sich vor allem mehr Tempo beim Ausbau erneuerbarer Energien. Bei den Teilnehmenden ab 30 Jahren steht dagegen die Forderung an erster Stelle, für Lieferungen von fossilen Rohstoffen auf mehr Quellen als bisher zu setzen.
Mehrheit für Lockerungen der Sanktionen auf Öl aus Russland
Die US-Regierung hat Mitte März infolge der Preissteigerungen bei Diesel und Benzin die Sanktionen gegen Russland gelockert. Bis zum 11. April voraussichtlich darf Öl angekauft werden, das sich auf Schiffen auf See befindet. Diesen Schritt wünscht sich eine deutliche Mehrheit der Befragten (57 Prozent) auch von der EU. Nicole (49) aus dem Saale-Holzland-Kreis begründet ihre Sicht so: "Diese Sanktionen schaden von Beginn an der EU, weil ein Teil des russischen Öls über Umwege und andere Länder von der EU weiterhin bezogen wird zu einem höheren Preis. Warum also nicht direkt und günstig über bestehende Verträge?" 4 von 10 Befragten (38 Prozent) sprechen sich gegen Lockerungen der Sanktionen aus. Franziska (45) aus Leipzig findet: "Ich halte es für sehr dumm. Putin könnte auf die Idee kommen, Konflikte in solchen Regionen zu schüren, um uns so zu zwingen, sein Öl zu kaufen. Falls er es nicht eh schon macht."
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNKWenn es im Irankrieg eine Waffenruhe gibt, könnte Deutschland beim Absichern helfen. Das hat Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) jetzt in Aussicht gestellt. Insbesondere der freie Seeverkehr in der Straße von Hormus könnten mit deutscher Hilfe abgesichert werden. Durch diese Meerenge verläuft eine der wichtigsten Routen für den weltweiten Ölhandel.
Bei MDRfragt ist eine deutliche Mehrheit (57 Prozent) dagegen, dass sich Deutschland an einem Schutzeinsatz für Schiffe in der Straße von Hormus beteiligt. Immerhin jede und jeder dritte Befragte (28 Prozent) befürwortet einen Militäreinsatz Deutschlands nach einem Waffenstillstand. Der Kommentar von Anke (45) aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge steht stellvertretend für zahlreiche andere ähnliche Meinungsäußerungen: "Deutschland sollte sich nicht beteiligen und dem Konflikt neutral gegenüberstehen. Die USA hat den Krieg begonnen und sollte auch für die Folgen geradestehen." Dagegen meint Jana (47) aus Chemnitz: "Merz‘ Aussage, dies sei nicht unser Krieg, ist nur oberflächlich zutreffend. Die Folgen betreffen uns sehr wohl. Handel militärisch eskortieren halte ich für wichtig."
Über diese Befragung
An der Befragung "Irankrieg und Energiepreise – Wie soll Deutschland reagieren?" vom 21. bis 23. März 2026 haben 23.675 Menschen teilgenommen.
Bei MDRfragt können alle mitmachen, die mindestens 16 Jahre alt sind und in Sachsen, Thüringen oder Sachsen-Anhalt wohnen. Unser Ziel ist es, die Vielfalt der Argumente sichtbar zu machen. Die Kommentare der Teilnehmenden helfen uns, die Gründe für unterschiedliche Positionen und das gesamte Meinungsspektrum abzubilden.
Wir ziehen keine Stichprobe, sondern laden alle Interessierten ein, ihre Meinung einzubringen. Deshalb sind die Ergebnisse strenggenommen nicht repräsentativ. Aber: An den Befragungen beteiligen sich jeweils zehntausende Menschen aus den drei Bundesländern. MDRfragt wird zudem wissenschaftlich begleitet und überprüft. Die Ergebnisse werden nach bewährten Methoden gewichtet – anhand soziodemografischer Merkmale wie Alter, Geschlecht und Bildungsgrad – und so an die tatsächliche Bevölkerungsverteilung in Mitteldeutschland angepasst. Dadurch sind die Ergebnisse aussagekräftig für die Stimmung im Sendegebiet. Durch Rundungen ergeben die Prozentwerte bei einzelnen Fragen nicht immer exakt 100.
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