• SPD-Forderung löst Kopfschütteln beim Fachärzteverband aus
  • Kassenärztliche Vereinigung fordert ein Primärarzt-System

Im Durchschnitt sechs Wochen müssen gesetzlich Versicherte auf Facharzt-Termine warten. Das geht aus Antworten des Gesundheitsministeriums auf eine Anfrage der Linken hervor. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch will das auf drei Wochen halbieren. Kommen Ärzte dem nicht nach, solle ihr Budget gekürzt werden, verlangt Miersch und nennt das "Bonus-Malus-System".

Kopfschütteln beim Fachärzteverband

Beim Spitzenverband der Fachärztinnen und Fachärzte löst dieser Vorschlag nur Kopfschütteln aus. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Helmut Weinhart sagt dazu: "Ich vergleiche das mal gerne so: Sie sagen einem Bäcker, er soll 100 Semmeln zur Verfügung stellen. Und drei Tage später sagt man, ich stelle dir, was du für 100 Semmeln brauchst zur Verfügung, aber du musst 150 Patienten eine Semmel geben. Wie soll das funktionieren?"

Weinhart verweist auf das derzeitige System, wonach Ärzte für die Behandlung ihrer Patienten ein festgelegtes Budget zur Verfügung haben. Werde das nicht erhöht, könnten auch keine weiteren Termine angeboten werden. Auch sei die Termin-Notwendigkeit immer noch nach medizinischen Kriterien festzulegen und nicht nach politischen Wünschen.

Das Wichtigste sind nach den Worten von Weinhart "wirklich medizinische Kriterien", dass man mit dem Patienten schaut: "Muss der schnell in die richtige Versorgungsebene, braucht der einen zeitnahen Termin, hat er einen zeitunkritischen Termin". Das sei das, "wo die Politik in die Puschen kommen muss". Soll heißen: Eine bessere Steuerung der Patienten sei wichtig.

Kassenärzte fordern Primärarzt-System

Ähnlich sieht das auch die Kassenärztliche Vereinigung in Sachsen. Man müsse am System insgesamt ansetzen, sagt der Vorstandsvorsitzende Stefan Windau. Derzeit habe man die Situation, dass viele Patientinnen und Patienten mit Beschwerdebildern, die in der Hausarztpraxis gut abgeklärt werden könnten, direkt zum Facharzt gehen. "Das heißt, wenn wir eine bessere Strukturierung der ambulanten Versorgung haben, dann dürfte sich die Terminsituation auch entspannen, weil dann nicht mehr so viele Patienten vom Facharzt versorgt werden müssen."

So wäre die Einführung eines Primärarzt-Systems viel sinnvoller als die Drohung, den Fachärzten Budget zu kürzen, sagt Windau. Er könne den Ansatz natürlich verstehen. Man habe Probleme mit den Terminen in der fachärztlichen Versorgung, nicht durchgehend aber vielerorts. Aber mit einer gesetzlichen Regelung werde das so einfach nicht zu lösen sein, "auch nicht mit einem Bonus-Malus-Prinzip, wie es der Herr Miersch formuliere. Deshalb müssen wir die Patienten in die richtige Versorgungsebene zum richtigen Facharzt schicken, damit wir die Terminproblematik entschärfen."

Die Idee, dass jeder Patient einen sogenannten Primärarzt als erste Anlaufstelle hat, wird bereits als Teil einer Gesundheitsreform diskutiert. Bisher ist das Hausarzt-zentrierte Modell freiwillig.

MDR AKTUELL

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