Donald Trump hatte am Wochenende einen TV-Tipp für seine Mitbürger parat. Um 20 Uhr solle man Mark Levins Show bei Fox News schauen, schrieb er auf Truth Social. „Er wird die Notwendigkeit diskutieren, den Iran hart zu treffen“, so Trump. Der konservative Talkshowhost kam direkt zur Sache. „Warum brauchen wir Bodentruppen?“, fragte er und lieferte sofort die Antwort: „Nun, dafür gibt es viele Gründe.“ Das US-Militär sei „für Momente wie diese trainiert“, sagte Levin seinem Publikum. Es sei jetzt an der Zeit, es für die Sicherung des Urans einzusetzen.

Die Rede ist von rund 400 Kilogramm hoch angereichertes Uran, das Teheran offenbar vor den amerikanischen Militärschlägen im Sommer vergangenen Jahres in Sicherheit bringen konnte. Es ist ein wichtiger Baustein, um in Zukunft eine Atombombe bauen zu können. Wie das „Wall Street Journal“ am Sonntag unter Berufung auf hochrangige Quellen im Weißen Haus berichtete, erwägt Trump nun eine Operation mit Bodentruppen, um das Uran zu beschlagnahmen. Die „Washington Post“ berichtete von Vorbereitungen auf eine „wochenlange Bodenoperation“, möglicherweise entlang der Golfküste, um die Straße von Hormus zu öffnen. Der „Financial Times“ sagte Trump, er wolle „am liebsten“ Irans Öl „nehmen“, wofür eine Einnahme der Insel Kharg nötig sei.

Die offenbar laufenden Planungen für einen Einsatz von Soldaten auf iranischem Boden wären die größtmögliche Eskalation im derzeitigen Krieg. Der US-Präsident würde mit ihr ein enormes militärisches und politisches Risiko eingehen.

Offiziell hält sich Trump alle Möglichkeiten offen. Seine Drohungen spricht er parallel zu offenbar laufenden Verhandlungen aus. Wie die Nachrichtenagentur AP meldete, soll es „bald“ erste direkte Gespräche zwischen dem Iran und den USA in Islamabad geben. Am Montag schrieb Trump auf Truth Social, man verhandle mit einem gemäßigteren Teil des Regimes, was „sehr gut“ laufe.

Gleichzeitig drohte er Teheran damit, den „schönen ‚Aufenthalt‘ im Iran damit zu beenden, dass wir alle ihre Kraftwerke, Ölquellen und die Insel Kharg in die Luft jagen“. In Klammern ergänzte er die Drohung, auch die Entsalzungsanlagen des Landes, durch die die Trinkwasserversorgung gewährleistet wird, ins Visier zu nehmen, sollten die Verhandlungen zu nichts führen und der Iran die Straße von Hormus nicht öffnen. Am Sonntagabend drohte er: „Sie werden kein Land mehr haben“, wenn Teheran das Uran nicht freiwillig übergibt.

Außenminister Marco Rubio relativierte am Montagmorgen Trumps Aussage von sehr gut laufenden Verhandlungen mit einem gemäßigteren Teil des Regimes. „Wir müssen darauf vorbereitet sein, dass das nicht der Fall ist“, so Rubio.

Diese Vorbereitungen leistet derweil das Pentagon. 3500 zusätzliche US-Soldaten, darunter 2200 Marines, sind am Freitag im Nahen Osten angekommen. Weitere 2200 sind auf dem Weg, zusätzlich zu den 2000 Soldaten der 82. Luftlandedivision. Wie das Weiße Haus mitteilte, habe der Präsident seine Entscheidung zum Einsatz von Bodentruppen noch nicht getroffen. Bei den Vorbereitungen des Pentagon gehe es darum, „ihm alle Optionen zu geben“, hieß es.

1. Sicherung des Urans

Eine Operation zur Sicherung des Urans wäre militärisch hoch riskant, denn es muss geborgen werden. Die Substanz kann nicht vor Ort zerstört werden. Wie der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Michael Grossi, schätzt, befindet sich das Material wahrscheinlich in den Atomanlagen in Natanz und Isfahan. Durch das Bombardement der USA und Israels dürfte es aber tief unter der Erde begraben sein. Eine Beschlagnahmung würde erfordern, dass das US-Militär ein weitreichendes Gebiet um beide Anlagen sichert, um es unter Raketenbeschuss auszugraben. Dabei müsste mit Spezialequipment vorgegangen werden, da das Uran in Stahlzylindern lagert. Sollten diese beschädigt werden, wird ein äußerst gefährliches Gas freigesetzt.

„Die Operation wäre der wohl gefährlichste Angriff, den US-Streitkräfte je durchgeführt haben“, schreibt der ehemalige Beamte im nationalen Sicherheitsrat unter Joe Biden, Thomas Wright auf X. Nicht die Bergung sei riskant, das Material müsse sicher außer Landes gebracht werden. Dafür seien der Transport zu einem Flugfeld und dessen Sicherung für den Abflug notwendig, so Wright.

2. Die Straße von Hormus öffnen

Am Montag erreichte der Ölpreis einen weiteren Rekord. US-Rohöl überschritt erstmals seit Juli 2022 die Marke von 100 US-Dollar, das globale Brent Rohöl rangierte mit 112 Dollar pro Barrel nahe seinem Höchststand von 116 Dollar. Solange der Iran die Straße von Hormus geschlossen hält, dürfte sich die Lage an den globalen Energiemärkten nicht entspannen, was die Preise an den Tankstellen weiter in die Höhe treibt. Der Iran hat die freiwillige Öffnung der Meerenge abgelehnt. Sollte sich Trump entscheiden, dies militärisch zu erzwingen, würde das eine aufwendige Operation erfordern.

Das US-Militär müsste zunächst auf iranischer Seite des Golfs eine Basis etablieren, womöglich auf der Insel Qeshm. Dort müsste es Luftverteidigungskapazitäten stationieren und gleichzeitig die iranischen Raketen- und Drohnenanlagen ausschalten, wie der Militärhistoriker der Ohio State University und ehemalige US-Soldat Peter Mansoor im Interview mit dem britischen „Telegraph“ erklärte.

Das dürfte jedoch ein verlustreiches Unterfangen werden, da US-Truppen in Feuerreichweite iranischer Artillerie und ihrer Raketen sowie Drohnen operieren müssen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag unter Berufung auf fünf Geheimdienstbeamte berichtete, können die US-Dienste mit Sicherheit nur von der Zerstörung von rund einem Drittel der iranischen Raketen ausgehen. Trump reklamiert stets, Teherans Kapazitäten vollständig vernichtet zu haben.

3. Einnahme von Kharg

Auch eine Operation zur Einnahme der Insel Kharg würde US-Truppen den iranischen Raketen und Drohnen aussetzen. Anders als Qeshm ist bei Kharg vor allem die Versorgung der Truppen mit Nachschub und die Evakuierung verletzter Soldaten riskant. Denn Kharg befindet sich am nördlichen Ende des Golfs, was bedeutet, dass die US-Navy zunächst den gesamten Golf einschließlich der Straße von Hormus passieren muss, bevor sie die Insel erreicht.

Zwar würde Trump damit sein Ziel erreichen, das iranische Öl zu kontrollieren. Teheran exportiert 90 Prozent seines Öls über Kharg. Jedoch wäre die Einnahme lediglich ein taktischer Schritt, um dadurch die Öffnung der Straße von Hormus zu erreichen.

„Derzeit reichen die US-Fähigkeiten in der Region dafür nicht aus“, so Militärhistoriker Mansoor mit Blick auf eine für längere Zeit angelegte Mission zur Kontrolle eines Küstenabschnitts am Golf oder der Insel Kharg. Auch der deutsche Militärexperte Nico Lange stellte am Montag fest, dass die bisher verlegten Truppen nur „für kleinere Operationen auf Inseln in der Straße von Hormus oder kurze Spezialkräfteeinsätze“ ausreichen.

Mit allen drei Optionen würde Trump neben den militärischen Risiken auch ein politisches Risiko eingehen, denn sie dürften den Krieg mindestens um mehrere Wochen verlängern. Ursprünglich hatte der US-Präsident von einer Dauer von vier bis sechs Wochen gesprochen. Die Sprecherin des Weißen Hauses betonte am Montag, dass man erst am Beginn von Woche fünf sei – und somit gut in der Zeit.

Der Einsatz von Bodentruppen an sich würde außerdem in der öffentlichen Wahrnehmung einen Wortbruch bedeuten. Erst vor wenigen Tagen sagte Trump: „Ich werde keine Bodentruppen dort einsetzen.“ Darauf rekurrierte auch der ehemalige US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, im WELT-Interview: „Er hat gesagt, dass er das nicht möchte.“

Der politische Preis für Trump könnte hoch sein, sollte er sich umentscheiden. Nur zwölf Prozent der Amerikaner wären laut einer Umfrage des Senders ABC dafür. Auch an Trumps Basis werden selbst die Befürworter des Luftkriegs zögerlich, wenn es um den Einsatz von Bodentruppen geht.

Gregor Schwung berichtet als außenpolitischer Korrespondent über transatlantische Beziehungen, internationale Entwicklungen und geopolitische Umbrüche mit einem besonderen Schwerpunkt auf die Ukraine und die USA.

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