Die Zufriedenheit mit der von Kanzler Friedrich Merz (CDU) geführten Bundesregierung sinkt auf ein Rekordtief seit deren Amtsantritt im Mai 2025: Im repräsentativen Deutschlandtrend für April äußern sich nur noch 15 Prozent der Bürger mit der Arbeit von Schwarz-Rot „zufrieden“, ein Minus von neun Punkten im Vergleich zum Vormonat. Demnach sind null Prozent „sehr zufrieden“. Die Unzufriedenheit hingegen wächst stark: 84 Prozent sind „weniger“ oder „gar nicht“ zufrieden mit der Regierungsarbeit – ein Zuwachs von elf Punkten.

Dieser tiefe Missmut schlägt sich in der Erhebung von Infratest Dimap im Auftrag von ARD-„Tagesthemen“ und WELT auch in der Bewertung nach Parteianhängern nieder: Noch relativ verhalten ist die Unzufriedenheit bei Unterstützern der CDU/CSU (57 Prozent); sehr stark hingegen ist sie bei den Anhängern der Linken (93) und der AfD (97) ausgeprägt.

Die Demoskopen fragten die Bürger zudem nach einer Einzelbewertung der drei Koalitionsparteien. Das Vertrauen sowohl in die Union als auch die SPD scheint zerrüttet. Doch im direkten Vergleich schneiden besonders die Sozialdemokraten miserabel ab. So äußern sich drei Viertel der Deutschen „weniger“ oder „gar nicht“ zufrieden mit der CDU und 71 Prozent mit der CSU; bei der SPD liegt dieser Wert bei 83 Prozent. Zufrieden mit der Arbeit der drei Parteien sind jeweils 22, 17 und 13 Prozent – wobei null Prozent angeben, mit den Sozialdemokraten „sehr“ zufrieden zu sein.

Selbst von den SPD-Anhängern sind gerade mal 43 Prozent mit ihrer präferierten Partei zufrieden, wobei die befragten Unionsunterstützer der CSU ein ebenso schlechtes Zeugnis ausstellen. Mehrheitlich gut kommt die CDU weg: 61 Prozent der eigenen Anhänger sind mit ihr zufrieden.

Die riesige Unzufriedenheit spiegelt sich auch in der Sonntagsfrage zur Bundestagswahl. Die SPD stürzt auf ihr Rekordtief im Deutschlandtrend aus dem Jahr 2019: zwölf Prozent. Das sind zwei Punkte weniger als im Vormonat. Genauso viel verliert die CDU/CSU. Mit 26 Prozent liegt sie nur noch einen Punkt vor der AfD, die zwei Punkte hinzugewinnt. Die Grünen und die Linke legen je einen Punkt zu und kommen aktuell auf 14 beziehungsweise zehn Prozent.

Das SPD-Debakel setzt sich im Ranking der Zufriedenheit mit Spitzenpolitikern fort. Parteichef und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil verzeichnet im Vergleich zum Vormonat einen brutalen Absturz auf 18 Prozent – ein Minus von 15 Punkten. Seine Co-Vorsitzende, Arbeitsministerin Bärbel Bas, verliert zehn Punkte und kommt auf 15 Prozent. Mit Verteidigungsminister Boris Pistorius führt zwar ein Sozialdemokrat das Ranking an; doch auch er verliert deutlich an Zuspruch (sechs Punkte). Mit 49 Prozent ist nun auch keine Mehrheit der Befragten mehr mit seiner Arbeit zufrieden.

Auf Pistorius folgen Außenminister Johann Wadephul (CDU, 30 Prozent) und CSU-Chef Markus Söder (27 Prozent). Kanzler Merz büßt acht Punkte ein und kommt auf 21 Prozent. AfD-Chef Tino Chrupalla liegt mit 18 Prozent gleichauf mit Klingbeil, Linke-Chefin Heidi Reichinnek mit 15 Prozent auf Augenhöhe mit Bas. Mit der Arbeit von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sind gerade mal zwölf Prozent der Deutschen zufrieden. Am Ende des Rankings: Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann mit einer Zustimmung von sieben Prozent.

Mehrheit der Grünen-Anhänger findet Steuerlast „angemessen“

Diesmal fragte Infratest Dimap zudem die Meinung der Bürger zu den politischen Großbaustellen Steuerpolitik und Sozialstaatsreform ab. Für die Mehrheit gehen drei Vorschläge in die „richtige Richtung“: Eine Absenkung der Einkommensteuer für „geringe und mittlere Einkommensgruppen“, verbunden mit einer Steuererhöhung für „hohe Einkommen“, würden 76 Prozent befürworten. Ähnlich groß (74 Prozent) ist der Zuspruch für eine „beschleunigte Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse, damit Asylbewerber schneller in Arbeit kommen“, sowie eine „stärkere Besteuerung“ von gesundheitsschädlichen Produkten wie Alkohol, Tabak oder Softdrinks.

Ambivalent ist die Haltung der Befragten zu der Idee, Unternehmen die Möglichkeit zu eröffnen, „Beschäftigte länger befristet anzustellen als bisher“. Bei 48 Prozent stößt das auf Zustimmung, bei 44 Prozent auf Ablehnung. Die von Finanzminister Klingbeil vorgeschlagene Abschaffung der steuerlichen Vorteile des Ehegatten-Splittings für künftige Ehepaare stößt überwiegend auf Ablehnung: Für 54 Prozent weist der Vorstoß in die „falsche Richtung“. In der laufenden Debatte über eine Reform der Mehrwertsteuer ist das Meinungsbild überdeutlich: 91 Prozent lehnen eine Erhöhung ab.

Zwei Vorschläge zur Sanierung des Gesundheitssystems – die Finanzkommission Gesundheit legte am Montag 66 Ideen dazu vor – werden jeweils von einer deutlichen Mehrheit abgelehnt: 63 Prozent sind dagegen, Vergütungen für niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser zu begrenzen; 76 Prozent sprechen sich gegen mehr Zuzahlungen für Medikamente und Behandlungen aus.

Dass die Bundesregierung es schafft, die sozialen Sicherungssysteme „zukunftssicher“ zu machen, glaubt nur eine Minderheit von einem Fünftel der Befragten. 74 Prozent geben an, hierbei „kein Vertrauen“ in Regierungsmaßnahmen zu haben. Ähnlich sieht es bei der Belebung der Wirtschaft aus: 70 Prozent vertrauen dem Regierungskurs nicht. 26 Prozent hingegen schätzen, Schwarz-Rot sei auf dem richtigen Weg.

Und wie sieht es mit der Bewertung der eigenen Steuerbelastung aus? Offenbar wächst der Unmut vieler Bürger darüber, eine zu hohe finanzielle Last zu tragen, deutlich. Aktuell geben 66 Prozent der Befragten an, ihre Belastung sei „zu hoch“ – das sind zwölf Punkte mehr als im Mai 2014 –, 28 Prozent finden sie „angemessen“. Für „zu niedrig“ erklärt unverändert nur ein Prozent seine steuerliche Belastung.

Starke Diskrepanzen werden dabei im Vergleich der Parteianhänger deutlich: Mehrheitlich beklagen Unterstützer der AfD (87 Prozent), der Union (65) und der Linkspartei (55) eine zu hohe persönliche Steuerbelastung. Von den SPD-Anhängern finden 49 Prozent ihre Steuerlast zu hoch, 44 Prozent erklären diese für „angemessen“. Die befragten Unterstützer der Grünen sind mehrheitlich (63 Prozent) der Meinung, ihre persönliche Steuerbelastung sei berechtigt. 35 Prozent von ihnen erklären diese für überhöht.

Für den repräsentativen Deutschlandtrend hat Infratest Dimap am 30. und 31. März 1316 wahlberechtigte Deutsche in 785 Telefon- und 531 Online-Interviews befragt. Die Fehlertoleranz liegt zwischen zwei und drei Prozentpunkten.

Johannes Wiedemann ist Leitender Redakteur im Politikressort.

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