Wenn die sonst so nüchterne „New York Times“ in einen spitzen Ton verfällt, muss etwas gehörig schiefgelaufen sein. Das stellt aktuell Gregg Phillips fest, leitender Beamter bei der Krisenmanagementbehörde FEMA, die sich in den USA um Katastrophenhilfe kümmert.

Die „New York Times“ hat eine Mitarbeiterin einer amerikanischen Restaurantkette interviewt, die dort dem Bericht zufolge ein Jahrzehnt lang als Kellnerin gearbeitet hat, oftmals in der Nachtschicht. In dieser Funktion, erzählt sie der Zeitung, sei sie unter anderem von einem Kunden geschlagen worden, ein anderer habe sich im WC überdosiert. „Ich habe wirklich alles gesehen“, sagt die Frau. „Aber nie das.“

Mit „das“ ist die Behauptung von Gregg Phillips gemeint, zweimal dutzende Meilen weit quer durch den Bundesstaat Georgia zwangsteleportiert worden zu sein, unter anderem in eben jenes Restaurant in der Stadt Rome. Das andere Mal sei er in einer Kirche gelandet. In einem Podcast sagte Phillips dazu: „Teleportieren macht keinen Spaß.“

Die „New York Times“ schickte einen Reporter samt Fotografen nach Rome und legte Mitarbeitern der drei Standorte der Kette Fotos von Phillips vor. In keinem der drei Restaurants sei der Mann erkannt worden.

Eine Kundin sagte dem Reporter, sie zumindest sei nicht per Teleportation in das Restaurant gekommen, sondern mit einem acht Jahre alten Kia Niro. Das Blatt rief sogar einen emeritierten Physik-Professor an, der erklärte, warum Teleportation ein unrealistisches Unterfangen sei.

Nun steht Phillips wegen seiner Aussagen unter Druck, zusätzlich zum Spott, der sich über ihn ergießt. Unter anderem produzierte die Late-Night-Show des Moderators Stephen Colbert einen bissigen Clip über den Beamten.

Phillips war im Dezember von der Trump-Administration auf seinen Posten gesetzt worden. Zwar überraschte er laut einem CNN-Bericht einige Mitarbeiter der Behörde mit einem Arbeitsstil, der pragmatischer sei als von ihnen befürchtet. Der Bericht hielt aber auch fest, Phillips habe Verschwörungsmythen über gestohlene Wahlen vertreten und öffentlich Gewaltfantasien von sich gegeben.

Demnach habe Phillips geäußert, ebenfalls in einem Podcast, er wolle Joe Biden ins Gesicht schlagen, und den Ex-Präsidenten dabei „diese Bitch“ genannt. Außerdem habe er gesagt, Biden sei „ein widerlicher, beschissener Mensch“, der den Tod verdiene. „Ich hoffe, er stirbt.“

Phillips verteidigte seine Teleportations-Aussagen im Internet. „Ich weiß, was ich erlebt habe“, schrieb er in einem Posting auf Donald Trumps Plattform Truth Social und stellte den Fall in einen religiösen Zusammenhang. „Gott lässt sich nicht verspotten“, so Phillips. „Ich weiß, wem ich diene.“

Ebenfalls auf Truth Social schrieb er, zumindest einer der angeblichen Teleportations-Vorfälle habe sich unter Medikamenteneinfluss während einer Krebs-Behandlung zugetragen. Außerdem stamme das Wort „Teleportieren“ nicht von ihm – „die passenderen biblischen Begriffe sind ‚übersetzt‘ oder ‚transportiert‘ – das sind keine neuartigen Ideen für Menschen des Glaubens.“

Auf seinem Profil auf der FEMA-Webseite heißt es: „Mr. Phillips glaubt an disziplinierte Ausführung und das Wiedergewinnen von öffentlichem Vertrauen durch messbare Leistung.“ Seine Zweigstelle der Behörde hat etwa 1000 Mitarbeiter und verwaltet ein Budget von rund 300 Millionen US-Dollar.

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