Nur anderthalb Stunden vor Ablaufen seines Ultimatums verkündete US-Präsident Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social am Dienstagabend Ostküstenzeit die Wende im Iran-Krieg. Nach 38 Tagen kommt der am 28. Februar begonnene Krieg vorläufig zu einem Ende.
Was wurde vereinbart?
Die USA und der Iran haben sich auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt, die ab sofort gelten soll. „Der Grund dafür ist, dass wir alle militärischen Ziele bereits erreicht und übertroffen haben und bei einem Abkommen über einen langfristigen Frieden mit dem Iran sehr weit sind“, schrieb US-Präsident Donald Trump in einem Post auf seiner Plattform Truth Social. Im Gegenzug wird Teheran die Straße von Hormus öffnen – allerdings nicht vollumfänglich, wie Irans Außenminister Abbas Araghchi in einem Statement mitteilte. Schiffe, die die Meerenge passieren wollen, könnten dies „in Kooperation mit den iranischen Streitkräften und unter Berücksichtigung technischer Beschränkungen“ tun.
Damit ist Donald Trump von seiner früheren Position abgerückt, dass es keinen Deal gebe, wenn Teheran sich nicht „bedingungslos ergibt“. Auch die vollständige Öffnung der Meerenge gab er mehrmals als Bedingung aus, zuletzt am Wochenende. Für den Fall hatte Trump seit dem Wochenende mit teils apokalyptischen Szenarien gedroht. Am Dienstagmorgen schrieb er auf Truth Social, dass „eine ganze Zivilisation sterben“ werde.
Wie geht es weiter?
Am Freitag soll es in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad zu direkten Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA kommen, das teilte Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif auf X mit. „Wir hoffen von ganzem Herzen, dass die ‚Islamabad-Gespräche‘ zu einem dauerhaften Frieden führen, und möchten Ihnen in den kommenden Tagen weitere gute Nachrichten überbringen“, schrieb er in der Nacht zu Mittwoch. Wie der Sender CNN berichtet, sollen von US-Seite Vizepräsident J.D. Vance, Außenminister Marco Rubio und Sonderbeauftragter für den Nahen Osten, Steve Witkoff, teilnehmen.
Verhandelt werden soll über den 10-Punkte-Plan des Iran. Trump bezeichnete diesen in seinem Social-Media-Post als eine „Arbeitsgrundlage“. Irans Außenminister schrieb in seinem Statement, das Trump ebenfalls veröffentlichte, dass Washington das „generelle Gerüst“ des iranischen Plans akzeptiert habe.
Das ist insofern bemerkenswert, als dass Trump diesen Plan am Montag noch als unzureichend bezeichnet hat. Wie die „New York Times“ unter Berufung auf zwei iranische Offizielle berichtete, fordert Teheran unter anderem eine Nichtangriffsgarantie für die Zukunft, die Aufhebung aller Sanktionen und die Etablierung einer Mautgebühr für die Passage der Straße von Hormus in Höhe von zwei Millionen US-Dollar pro Schiff. Der Sender CNN berichtete, ebenfalls unter Berufung auf staatliche iranische Stellen, dass Teheran außerdem die Schließung amerikanischer Basen im Nahen Osten fordere.
Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua veröffentlichte Auszüge eines Statements des Nationalen Sicherheitsrats des Iran, dem vom ehemaligen Ajatollah Khamenei für den Fall seines Todes geschaffenen Regierungsgremiums. Darin ist die Rede davon, dass Teheran die Verhandlungen „bei vollständigem Misstrauen gegenüber der amerikanischen Seite“ und unter Aufsicht des neuen Obersten Führers, Motschtaba Khamenei, führe. Dies bedeute noch nicht das Ende des Krieges. „Unsere Finger bleiben auf dem Abzug“, heißt es dagegen in einer von CNN veröffentlichten Version der Erklärung. Trump nannte die vom US-Sender zitierte Fassung einen „Betrug“ und „Fake News“ und kündigte juristische Konsequenzen für die Veröffentlichung an. Auch andere regionale Medien zitierten diese Version der Stellungnahme.
Wie kam der Deal zustande?
Gegen Nachmittag mehrten sich am Dienstag die Medienberichte, in denen US-Offizielle sich anonym mit optimistischen Einschätzungen zu den Verhandlungen zitieren ließen. Um 15 Uhr Ostküstenzeit veröffentlichte Pakistans Premier Sharif auf X den Aufruf an Trump, sein Ultimatum um zwei Wochen zu verlängern, und an den Iran, die Straße von Hormus zu öffnen. Auch die übrigen Kriegsparteien sollten sich an eine zweiwöchige Waffenruhe halten.
Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, habe sich auch J.D. Vance in die Verhandlungen eingeschaltet. Trumps Vizepräsident befindet sich gerade in Ungarn, um für Viktor Orbán Wahlkampf zu machen.
Trump spricht somit von einer „Bitte Pakistans“, aufgrund derer er zu der Waffenruhe bereit sei. Irans Außenminister Araghchi schrieb in seinem von Trump geteilten Statement, dass man nicht nur auf Bitten Pakistans eingewilligt habe, sondern auch auf „Bitten der USA um Verhandlungen“.
Was sind die unmittelbaren Folgen?
Obwohl die Waffenruhe „ab sofort“ gelten sollte, gibt es weiterhin Berichte von mehreren iranischen Raketenangriffen auf die Golfstaaten und Israel. Schon beim Waffenstillstand zwischen Israel und dem Iran nach dem Zwölf-Tage-Krieg kam es nach seinem Inkrafttreten noch zu weiterem gegenseitigem Beschuss. Das Portal Axios zitiert einen amerikanischen Offiziellen damit, dass Washington davon ausgehe, dass es etwas Zeit benötige, bis der Befehl zur Waffenruhe bei allen Divisionen der Revolutionsgarden ankomme.
Der Ölpreis stürzte unmittelbar nach Verkündung der Einigung um 15 Prozent ab. Die Marke Brent rangiert jetzt wieder unter der 100-Dollar-Marke. Die Futures des US-Aktienindexes S&P 500 stiegen im Verlauf der Nacht um über zwei Prozent, die des Tech-Indexes um drei Prozent.
Was ist mit Israel?
Weder im Statement von Trump noch in dem des pakistanischen Premiers wird Israel erwähnt. Bei letzterem liegt das daran, dass Islamabad den jüdischen Staat nicht anerkennt. Sharif schrieb jedoch in seinem Post am Dienstagnachmittag davon, dass man alle „Kriegsparteien“ zur Waffenruhe auffordere. Jerusalem war mitgemeint. Wie mehrere US-Medien in der Nacht berichteten, hat sich Israel dazu bereiterklärt, sei aber mit den Entwicklungen unzufrieden.
Pakistans Premier schrieb in der Nacht, dass die Waffenruhe auch für den Libanon gelte, und Irans Sicherheitsrat forderte in der von der chinesischen Nachrichtenagentur zitierten Version des Statements das Ende der Kämpfe gegen „alle Komponenten der Widerstandsachse“ als eine der zehn Bedingungen. Damit ist auch die libanesische Terrororganisation Hisbollah gemeint, gegen die Israel derzeit vorgeht. Das Büro von Premierminister Benjamin Netanjahu teilte am Mittwochmorgen mit, dass die Waffenruhe seiner Auffassung nach „nicht für den Libanon“ gelte. Damit steht die Einigung auf wackeligen Füßen.
Gregor Schwung berichtet seit 2025 als außenpolitischer Korrespondent über transatlantische Beziehungen, internationale Entwicklungen und geopolitische Umbrüche mit einem besonderen Schwerpunkt auf die Ukraine und die USA.
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