Der iranische Exilpolitiker Reza Pahlavi ist bei seinem Berlin-Besuch mit einer Flüssigkeit beworfen worden. Danach wurde ein Mann festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Der Zwischenfall ereignete sich, nachdem der Sohn des 1979 gestürzten Schahs in der Bundespressekonferenz zu Gast war. Die Flüssigkeit war auf der Schulter und am Hals Pahlavis zu sehen.
In einer ersten Mitteilung hatte die Polizei von einem Tomatenwurf gesprochen, änderte ihre Angaben aber später und sprach dann lediglich von einer roten Flüssigkeit. Aus Pahlavis Team hieß es, es sei Tomatensoße gespritzt worden. Der Politiker wurde an Hals und Schulter beschmiert.
Hunderte demonstrieren für einen Machtwechsel
Mehrere hundert Unterstützer Pahlavis, hatten in Berlin zuvor für einen Sturz der Staatsführung der Islamischen Republik demonstriert. Sie versammelten sich schon am Mittag am Reichstagsgebäude, während es immer weiteren Zulauf gab. Erwartet werden im Laufe des Nachmittags viele Tausend Demonstranten, wie ein Polizeisprecher sagte.
Viele Demonstranten schwenkten Fahnen mit dem Emblem der 1979 von Islamisten gestürzten Monarchie, dem Löwen und der Sonne. Etliche Redner sollten im Tagesverlauf auf einer Bühne sprechen. Ob und wann Pahlavi selbst auftritt, war am Vormittag noch unklar. Insgesamt 800 Polizisten waren wegen der vielen Demonstrationen im Regierungsviertel im Einsatz.
Pahlavi wirbt in Berlin für politischen Wandel
Pahlavi, der seit Jahrzehnten im Exil lebt, war am Vormittag in der Bundespressekonferenz zu Gast. Dort appellierte er an die europäischen Regierungen, nicht mit der Führung in Teheran zu verhandeln, in der Geistliche das letzte Wort haben. Es dürfe nichts legitimiert werden, das den repressiven Staatsapparat an der Macht halte.
Treffen mit deutschen Regierungsmitgliedern sind nicht geplant. Pahlavi wird aber von Unions-Außenpolitiker Armin Laschet und Außenpolitikern anderer Bundestagsfraktionen empfangen. Monarchistische Gruppen sehen ihn als politischen Anführer der iranischen Opposition. Wie viel Rückhalt er im Land tatsächlich hat, ist unklar. Mit Beginn der Massenproteste im Iran im Januar hatte er einen Machtwechsel gefordert und rief Polizei und Armee im Iran zum Überlaufen auf.
Umstrittene Rolle in der iranischen Opposition
Für seine Unterstützung des Kriegs der USA und Israels, der auch die Zivilbevölkerung traf, geriet Pahlavi in Teilen der iranischen Gesellschaft in die Kritik. Auch regierte sein Vater das Land mit harter Hand: Die Opposition wurde unterdrückt, Kritiker landeten im Gefängnis und ein berüchtigter Geheimdienst ging brutal gegen Gegner vor. Gleichzeitig haben andere Iraner auch positive Erinnerungen, denn der Schah entwickelte das Land mit großen Reformprojekten und einer engen Anbindung an den Westen.
In Berlin waren auch Demonstrationen gegen Pahlavis Besuch angekündigt. Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (Grüne), selbst im Iran geboren, sagte über Pahlavi, dieser sei eine politische Stimme, auf der sehr viel Hoffnung ruhe, es gebe aber auch andere.
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