Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern warnt vor einer Vereinnahmung des Christentums durch die AfD. Die Partei äußere sich zudem zunehmend kirchenfeindlich, teilte die Laienvertretung mit. Zwar beanspruche die AfD für sich, „das christliche Abendland zu verteidigen“, sagte der Vorsitzende Christian Gärtner demnach bei der Frühjahrsvollversammlung in Augsburg. Doch nicht nur in Sachsen-Anhalt lasse die Partei die Maske fallen, diffamiere die Kirche als Regenbogenkirche und unternehme alles, um es ihr immer schwerer zu machen, an Mittel zu kommen.

Dadurch werde deutlich, dass die AfD „eine christen- und kirchenfeindliche Partei“ sei, betonte Gärtner. Er beobachte auch den Wahlerfolg der AfD bei der zurückliegenden Kommunalwahl in Bayern mit großer Sorge. Das Präsidium wolle daher seine Bemühungen verstärken, „Menschen fit zu machen, mit dieser Situation umzugehen und das Miteinander der demokratischen Parteien auch über Parteigrenzen hinweg zu fördern.“ Dazu sollen Anlaufstellen in Bayern ausgebaut und Formate entwickelt werden, in denen Teilnehmende lernen, die Demokratie zu verteidigen und auf extremistische Meinungen zu reagieren.

Der AfD-Landesverband in Sachsen-Anhalt hatte Anfang April sein sogenanntes Regierungsprogramm für die Landtagswahl im September verabschiedet. Die Partei, die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird, geht darin auch in Opposition zu bestehenden Institutionen wie den großen Kirchen, die als „Kirchensteuerkirchen“ tituliert werden.

Der Göttinger Staatskirchenrechtler Hans Michael Heinig spricht von einer „Zäsur“. Die AfD in Sachsen-Anhalt breche mit einer langen Tradition eines sehr religions- und kirchenfreundlichen Umgangs aller maßgeblichen politischen Kräfte, sagte er dem Evangelischen Pressedienst.

Im Programm bekennt sich die AfD zum Christentum als „Teil unserer Europäischen Kultur“. Weiter heißt es, nur weil man die Privilegien der großen Kirchen abschaffen wolle, lehne man den christlichen Glauben nicht ab. Ein Christentum ohne Kirche gebe es allerdings nicht, sagt der Kirchenrechtler Heinig. Aus religionssoziologischer Sicht spiele ein „frei flottierendes Kulturchristentum“ keine Rolle.

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