Im Rahmen einer internationalen Taskforce zur Bekämpfung von Auftragsverbrechen wurden innerhalb eines Jahres 280 Verdächtige festgenommen. Das geht aus einer internen Auswertung der europäischen Polizeibehörde Europol hervor, die WELT vorab vorliegt. Sechs der Festgenommenen gelten demnach als hochrangige Zielpersonen. 180 der Festgenommenen werden als Hintermänner eingeordnet und etwa 100 Personen als Minderjährige, die Auftragstaten „nur“ ausführten.

Die sogenannte Operational Taskforce (OTF) GRIMM wurde im April 2025 eingerichtet, um Strukturen zu bekämpfen, bei denen Gewaltverbrechen wie Auftragsmorde über kriminelle Netzwerke organisiert und vermittelt werden. Beteiligt sind laut Europol elf Länder, darunter Deutschland, Frankreich, Schweden und Großbritannien.

Nach Angaben der Behörde wurden im Zuge der Ermittlungen mehr als 14.000 Online-Konten identifiziert, die mit entsprechenden Aktivitäten in Verbindung gebracht werden. Gewalt werde zunehmend wie eine Dienstleistung angeboten, erklärte Europol. Kriminelle nutzten digitale Plattformen, um Täter anzuwerben, Taten zu koordinieren und diese dann grenzüberschreitend umzusetzen.

Mehrere Gewalttaten konnten nach Angaben der Behörde durch die internationale Zusammenarbeit verhindert werden. Die Fälle betreffen demnach unter anderem versuchte Morde in Deutschland, den Niederlanden, Spanien und Schweden. Dabei seien auch Minderjährige beteiligt gewesen.

Europol-Chefin Catherine De Bolle hatte wiederholt vor einer zunehmenden gezielten Anwerbung junger Menschen durch kriminelle Gruppen gewarnt. „Kinder werden nicht mehr nur sexuell ausgebeutet, sie werden nun auch rekrutiert, um Gewalttaten oder andere Straftaten zu begehen“. Täter nutzten Messenger-Dienste und Gaming-Plattformen, um gezielt psychisch belastete oder gefährdete Jugendliche anzusprechen. „Die Rekrutierung ist eine Industrie geworden. Ein einziges Smartphone kann Tausende Jugendliche gleichzeitig erreichen“, so De Bolle.

Zur Fahndung nach mutmaßlichen Drahtziehern werden mehrere Verdächtige am 29. April auch auf der Plattform „EU Most Wanted“ veröffentlicht. Darunter sind laut Europol zwei Männer aus Schweden, die unter anderem wegen Mordes und versuchten Mordes gesucht werden. Einer davon, Mohamed M., ist ein führendes Mitglied des sogenannten Foxtrot-Netzwerks, einer kriminellen Drogenbande. Außerdem taucht auch ein deutscher Staatsbürger auf der Liste auf, dem unter anderem die Organisation von Tötungsdelikten, Drogenhandel und Geldwäsche vorgeworfen wird.

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