- Bundesregierung plant Abgabe auf zuckergesüßte Getränke.
- SPD-Gesundheitspolitiker Pantazis: Zuckersteuer soll Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Adipositas vorbeugen.
- Marburger Bund dafür – Wirtschaft dagegen für "Konsumfreiheit".
Die Bundesregierung will eine sogenannte Zuckerabgabe auf Getränke einführen. Wie aus einem Entwurf von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hervorgeht, ist ab 2028 eine Abgabe auf mit Zucker gesüßte Getränke geplant. Geschätzte Einnahmen von rund 450 Millionen Euro jährlich sollen der gesetzlichen Krankenversicherung zugute kommen.
Auch Reform-Kommission für Zuckersteuer
Hintergrund sind Empfehlungen der vom Gesundheitsministerium eingesetzten Kommission zur Reform der gesetzlichen Krankenversicherung, die auch diese Abgabe vorgeschlagen hatte. Das Kabinett hat den Entwurf der Gesetzespläne beschlossen und auch die Einführung der neuen Abgabe.
Zuvor hatten verschiedene Politiker und Experten für die Einführung einer Zuckersteuer geworben. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) sei dafür offen, sagte eine Sprecherin des Ministers. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte gesagt, dass er seinen Widerstand aufgeben könnte. Zudem gab es einen Appell von Ärzten und Organisationen wie Foodwatch, den rund 5.000 Mediziner, Ernährungs- und Diabetesexperten unterzeichneten.
Zuckersteuer soll Adipositas vorbeugen
SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis sagte MDR AKTUELL, die Zuckersteuer sei eine präventive Maßnahme, um besonders Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Adipositas vorzubeugen. Damit sollen insbesondere auch Kinder und Jugendliche besser geschützt werden. "Es geht nicht darum, dass wir den Menschen vorschreiben, wie sie zu leben haben. Es geht darum, dass wir eine gesunde Lebensführung unterstützen wollen", sagte Pantazis.
Bei MDR AKTUELL hatte die Vorsitzende der Mediziner-Gewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, am Sonntag gesagt, dass immer mehr Erwachsene und auch Kinder übergewichtig seien. Die Hersteller etwa von zuckerhaltigen Getränken müssten deshalb ihre Rezepturen anpassen und weniger Zucker verwenden. Johna verwies darauf, dass andere Länder eine Zuckersteuer hätten, und etwa in Großbritannien gehe der Zuckerkonsum zurück. Das verhindere persönliches Leid und hohe soziale Kosten.
Wirtschaft wirbt für "Konsumfreiheit"
Die Verbände der Getränkeproduzenten, der Gastronomie, der Werbebranche und der Landwirtschaft warnten dagegen vor "symbolischer Steuerpolitik", vor Eingriffen in "Konsumfreiheit" und Marktmechanismen. In einer Stellungnahme der Verbände der Lebensmittelwirtschaft hieß es, eine Zuckersteuer sei in Zeiten hoher Preise eine weitere Belastung.
Krankenkassen-Sparpaket kommt
Die Zuckersteuer ist Teil des Sparpakets zur Entlastung der gesetzlichen Krankenkassen, das die Beiträge für Versicherte stabilisieren soll. Der Bund will unter anderem die Ausgaben für Kliniken begrenzen. Zudem sind höhere Zuzahlungen bei Medikamenten geplant.
AFP/dpa, MDR (mze, ksc, smk)
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