Nach einem Jahr im Amt steht die schwarz-rote Koalition in der Wählergunst desaströs da. Diejenigen, die sich ein vorzeitiges Ende der Regierung von Friedrich Merz (CDU) wünschen, stellen jetzt die größte Gruppe im Land: 49 Prozent der Befragten lehnen im aktuellen Deutschlandtrend von Infratest Dimap im Auftrag von ARD-„Tagesthemen“ und WELT die Aussage ab, dass die Koalition aus CDU/CSU und SPD bis zum Ende der Legislaturperiode 2029 weiterarbeiten sollte. Nur 44 Prozent wollen, dass Schwarz-Rot noch drei weitere Jahre die Regierungsgeschäfte fortführt – der Rest ist unentschieden.
Für ein Durchhalten bis zur nächsten regulären Wahl sprechen sich mehrheitlich die Anhänger von CDU/CSU, SPD und Grünen aus – 80 Prozent sind es bei der Union, 77 Prozent bei den Sozialdemokraten und 66 Prozent bei den Grünen.
Seit 1997 wird der Deutschlandtrend erhoben. Und noch nie war seitdem eine Bundesregierung nach ihrem ersten Jahr im Amt derart unbeliebt wie die Regierung von Kanzler Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD). Gerade einmal 13 Prozent der Bundesbürger sind aktuell mit der Performance der Koalition „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“. Zum Vergleich: Die schwarz-rote Koalition unter Angela Merkel (CDU) und Sigmar Gabriel (SPD) kam 2014 auf 53 Prozent Zustimmung, und selbst die zuletzt unbeliebte Ampel-Koalition von Olaf Scholz (SPD) verbuchte ein Jahr nach ihrem Amtsantritt noch 30 Prozent Zustimmung.
Selbst unter den Anhängern von CDU/CSU und SPD zeigt sich eine Mehrheit von 63 beziehungsweise 70 Prozent „weniger“ oder „gar nicht“ zufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung. Diese Werte sind in den vergangenen zwei Monaten sogar noch weiter abgesackt. Die Unzufriedenheit ist seit März 2026 deutlich größer geworden – sowohl mit dem, was bisher inhaltlich auf den Weg gebracht wurde, als auch damit, wie die Regierung ihre Politik vermittelt und die Koalitionspartner miteinander umgehen.
Wie massiv die Enttäuschung ist, zeigt sich vor allem bei der Bewertung zentraler Politikfelder. Im Vergleich zum Juni 2025 ist das Zutrauen in die Wirtschaftskompetenz der Regierung regelrecht eingebrochen. Nur noch 24 Prozent haben die Erwartung, dass Schwarz-Rot „die deutsche Wirtschaft wieder stärken“ kann – das sind satte 31 Punkte weniger als vor einem Jahr. Nur noch 23 Prozent der Befragten glauben, dass die Regierung „für mehr soziale Sicherheit sorgen“ kann – das ist ein Minus von 14 Punkten. Und auch die Erwartung, dass die irreguläre Migration wirksam begrenzt und gesteuert werden kann, sank um vier Punkte auf nur noch 34 Prozent.
Entsprechend fällt die Sonntagsfrage aus. Wenn am kommenden Sonntag ein neuer Bundestag gewählt würde, läge die AfD mit einem neuen Höchstwert von 27 Prozent vorn – ein Zuwachs von zwei Punkten gegenüber dem Vormonat. CDU/CSU kämen auf 24 Prozent (minus zwei), die SPD erreicht demnach unverändert zwölf Prozent, die Grünen liegen bei 15 Prozent (plus eins) und die Linken bei zehn Prozent. Das BSW verbucht drei Prozent, die FDP könnte um einen Prozentpunkt auf vier Prozent zulegen.
Die Schwäche der Union ist vor allem die ihres Frontmannes, Kanzler Merz. Mit seiner politischen Arbeit sind aktuell nur 16 Prozent „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“. Das ist ein Minus von fünf Prozentpunkten gegenüber dem Vormonat und der niedrigste Deutschlandtrend-Wert überhaupt für einen Kanzler nach einem Jahr im Amt. Merkel kam 2014 auf einen Wert von 67 Prozent. Nur noch 25 Prozent sind überzeugt, dass „Merz dem Amt des Bundeskanzlers gewachsen“ ist. Im August vergangenen Jahres waren es noch 42 Prozent. Nur 18 Prozent (minus elf) glauben, dass er „das Land gut durch die Krise führen“ kann, nur 14 Prozent (minus 20) finden seine Kommunikation „überzeugend“.
Bitter für Merz: Vizekanzler Lars Klingbeil und Arbeitsministerin Bärbel Bas (beide SPD) legten in der Politikerzufriedenheit jeweils um drei Prozentpunkte zu und kommen auf 21 und 18 Prozent. Beliebtester Politiker ist nach wie vor Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), der im Vergleich zum April noch einmal um sieben Punkte zulegen konnte. 56 Prozent sind mit seiner Arbeit „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“. Ihm folgen AfD-Chefin Alice Weidel mit 26 Prozent und Innenminister Alexander Dobrindt von der CSU mit 25 Prozent.
Immerhin: Im eigenen Lager ist Merz noch unangefochten. Von den Unions-Anhängern sind 58 Prozent mit ihm zufrieden, mit Dobrindt 56 Prozent. Fraktionschef Jens Spahn (CDU) hat hingegen nur die Zustimmung von 30 Prozent der Unionsanhänger, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kommt auf 27 Prozent. Auch die Frage, ob Merz dem Amt des Bundeskanzlers gewachsen ist, beantworten die Unions-Anhänger mit 67 Prozent mehrheitlich positiv.
Etwas stärker noch sind die SPD-Minister bei ihrer Basis verankert. Mit Pistorius sind 77 Prozent der SPD‑Anhänger zufrieden, mit Klingbeil 55 Prozent und mit Bas 51 Prozent. In der öffentlichen Wahrnehmung hat mit 36 Prozent ein gutes Drittel der Befragten den Eindruck, dass beide Lager in der Koalition gleichermaßen durchsetzungsstark sind. 30 Prozent bewerten die Union als dominanter, 22 Prozent die SPD.
Und wie steht es um die aktuellen Konfliktthemen in der Koalition? Eine alte SPD-Forderung, nämlich die nach einer stärkeren Besteuerung höherer Einkommen, halten 67 Prozent für richtig. 54 Prozent wollen die „Steuern auf hohe Erbschaften“ anheben, nur 38 Prozent befürworten eine „Abschaffung des Solidaritätszuschlags auch für hohe Einkommen“. Interessant: Auch unter den Unions-Anhängern findet sich eine Mehrheit von 65 Prozent für eine „Anhebung der Einkommensteuer für hohe Einkommen“. Hier gibt es offenbar einen größeren Konsens als gemeinhin angenommen.
Auf die Frage, ob die Bundesregierung unter den gegenwärtigen Krisenbedingungen „insgesamt angemessen“ handelt, antworten allerdings nur 31 Prozent mit „ja“. 63 Prozent sind gegensätzlicher Meinung.
Zur Methodik: Für den Deutschlandtrend hat Infratest Dimap vom 4. bis 6. Mai 1303 wahlberechtigte Bürger in 777 Telefon- und 526 Online-Interviews befragt. Die Fehlertoleranz liegt zwischen zwei und drei Prozentpunkten.
Sabine Menkens berichtet über gesellschafts-, bildungs- und familienpolitische Themen.
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