Bundeskanzler Friedrich Merz würde seinen Kindern derzeit von einem Aufenthalt in den USA abraten. „Ich würde meinen Kindern heute nicht empfehlen, in die USA zu gehen, dort ausgebildet zu werden und dort zu arbeiten, einfach weil sich dort plötzlich ein gesellschaftliches Klima entwickelt hat“, sagte Merz bei einer Diskussion mit jungen Menschen auf dem Katholikentag in Würzburg.

„Ich bin ein großer Bewunderer Amerikas. Meine Bewunderung nimmt im Augenblick nicht zu“, sagte er weiter. Das gesellschaftliche Klima habe sich dort rasant verändert. „Heute haben die Bestausgebildeten in Amerika große Schwierigkeiten, einen Job zu finden.“

Mit Blick auf die Diskussion um die Arbeitsmoral in Deutschland wies Merz den Vorwurf an die CDU zurück, sie halte die Deutschen für arbeitsscheu. „In meiner Partei hat noch niemand gesagt, dass die Menschen in Deutschland faul sind. Ich auch nicht“, sagte der CDU-Vorsitzende.

Er wisse aber, dass „ich in meiner Kommunikation etwas verbessern muss, damit diese Botschaft besser verstanden wird“. Er habe auf die im internationalen Vergleich geringere Arbeitszeit hinweisen wollen: „Wenn wir diesen Wohlstand erhalten wollen, den wir heute haben, müssen wir dazu nicht vielleicht alle gemeinsam die Ärmel aufkrempeln und ordentlich was tun?“

Merz gestand weiter Schwächen der schwarz-roten Koalition ein. „Zur Demokratie gehört Streit“, sagte der CDU-Chef weiter. „Aber der Streit muss zu Ergebnissen führen. Und vielleicht streiten wir im Augenblick zu viel und bringen zu wenig Ergebnisse. Das mag sein.“

Protest gegen Merz: Aktivisten halten ein Plakat mit der Aufschrift „Klimakrise Merzt uns aus“

Toleranz beginne dort, wo die eigene Meinung aufhöre, betonte Merz. Die Frage sei, ob man sich in Deutschland zuhöre, andere Meinungen akzeptiere und versuche, gemeinsame Lösungen zu erarbeiten. Man müsse beweisen, dass es möglich sei, in der politischen Mitte Lösungen zu finden.

Die entscheidende Frage sei: „Leben wir in einem Land, in dem wir uns gegenseitig noch ertragen, uns zuhören und auch andere Meinungen akzeptieren?“, sagte Merz. „Wir wollen und wir müssen den Beweis erbringen, dass wir in der politischen Mitte unseres Landes trotz aller Ausdifferenzierungen des politischen Spektrums Probleme lösen können“, betonte der Kanzler.

Zugleich verteidigte Merz die Demokratie als System. „In der Diktatur geht’s schneller, aber meistens falsch. Und deswegen lassen Sie uns mal gemeinsam mit unserer Demokratie versöhnen. Wir haben hier etwas Großartiges geschaffen.“ Es gebe eine Stabilität in Deutschland, wie es sie in der Geschichte Europas noch nicht gegeben habe. „Und diese Stabilität nach innen wie nach außen zu bewahren, das ist für mich die wichtigste Aufgabe, die ich empfinde als Bundeskanzler.“

Proteste gegen Merz unterbrechen Diskussionsrunde

Der Auftritt von Merz ist von Zwischenrufern gestört worden. Lautstark machten die Demonstranten ihren Unmut über die Politik der Bundesregierung deutlich und hielten Protestplakate hoch.

Wie die Polizei der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mitteilte, versammelten sich gegen 11 Uhr rund 600 Demonstranten vor dem Congress Centrum Würzburg. Zu der Kundgebung hatte das „Offene Antifaschistische Treffen“ aufgerufen. Der Vorwurf der Organisatoren: Merz ignoriere die Anliegen junger Menschen in Deutschland.

An der Protestaktion beteiligten sich unter anderem Ortsgruppen von Fridays for Future und der Seebrücke. Während der Frankfurter Rapper Erzin vor der Kongresshalle auftrat, betrat Merz auf der anderen Seite das Gebäude zu einer Gesprächsveranstaltung mit jungen Menschen.

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