Für Donald Trump war Xi Jinping früher ein Feind, ein Gegner. Jetzt ist er ein potenzieller Geschäftspartner. Das hat der Besuch des US-Präsidenten in China aufschlussreich gezeigt. Bei dem Aufeinandertreffen in Peking in dieser Woche war alles anders als während Trumps erster Amtszeit: Der Blick des Republikaners auf China ist heute ein anderer, denn seine Interessen haben sich stark verändert.
Der US-Präsident war nicht unter idealen Voraussetzungen in das Treffen mit Xi gegangen. Er musste sich ein wenig demütig zeigen, weil er Chinas Unterstützung bei der Lösung des Iran-Kriegs braucht. Trump schaute deshalb als Geschäftsmann auf Xi: aus der Perspektive des Handels, der wirtschaftlichen Partnerschaft.
Also überschüttete er den chinesischen Präsidenten mit Lob, in einem wirklich beachtlichen Ausmaß. Trump blieb sogar bei dieser freundlichen Haltung, als Xi mit Blick auf Taiwan forscher auftrat.
Der US-Präsident wollte diese pompöse Inszenierung. Ich glaube, er hat sie richtig genossen. In Peking fand ein Spektakel statt, das Trumps Interessen und Instinkten sehr entgegenkommt.
Erinnern Sie sich noch, wie der Präsident früher über China gesprochen hat? In seinen Wahlkampfreden ging es früher dauernd gegen die Volksrepublik, häufig aggressiv. Trump sprach etwa davon, China „in die Zange“ nehmen zu wollen.
Auch heute sehen die allermeisten in der US-Regierung die Volksrepublik als große Bedrohung: wegen der Taiwan-Frage und natürlich im Wettlauf um die Künstliche Intelligenz. In Regierungskreisen spricht man immer wieder von China als „Frenemy“, also halb Freund, halb Feind. Das ist ein schwieriger Balanceakt.
Doch nach diesem Staatsbesuch kann sich China ziemlich gut fühlen. Allein dass Trump in diesem für ihn so schwierigen Moment überhaupt nach Peking gekommen ist – das war ein großer Gewinn!
Dasha Burns ist Playbook Chief Correspondent und White House Bureau Chief bei der WELT-Partnerpublikation „Politico“.
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