Ein Stopp von Beförderungen für Unteroffiziere sorgt bei der Bundeswehr zu einem ungünstigen Zeitpunkt für Verärgerung. Die Regelung, die ab Juni 2026 greifen soll, sei ein Schlag gegen das ohnehin schon beschädigte Vertrauen und mit Blick auf das Bestandspersonal inakzeptabel, kritisierte Tobias Brösdorf vom „Verband der Soldaten der Bundeswehr“ (VSB) am Sonntag.

Zuvor hatte Generalinspekteur Carsten Breuer den Stopp der Beförderungen etwa von Feldwebeln verkündet und diesen mit Gerichtsurteilen begründet. Demnach ist eine Beförderung nur nach Dienstzeit nicht rechtmäßig, Beurteilungen müssten eine größere Bedeutung haben. Die Bundeswehr will ab 2027 ein neues System für ‌den Aufstieg etablieren. Bis dahin sollten Beförderungen in bestimmten Diensträngen ausgesetzt werden. Der VSB betonte, die Rechtsprechung sei schon lange bekannt gewesen. Es sei aber nicht gehandelt worden.

Breuer räumte in einem Instagram-Beitrag ein, dass sich Beförderungen verschieben würden: „Das ist nicht schön, und es gefällt auch mir nicht.“ Man wolle aber mit neuen Regelungen sicherstellen, dass auch ‌künftig Unteroffiziere ihre Laufbahnziele erreichen könnten. „Um kriegstüchtig zu sein, brauchen wir sie“, sagte Breuer weiter.

Es geht um mehrere Tausend Feldwebel (bei der Marine: Bootsmänner) und ihren Aufstieg zum Stabsfeldwebel. In der Vergangenheit wurde Unteroffizieren dieser grundsätzlich nach 16 Jahren Dienstzeit gewährt. Gerichte hatten hier aber einen Widerspruch zum Leistungsgedanken gesehen und ‌eine stärkere Orientierung an Beurteilungen durch Vorgesetzte ‌gefordert.

Die „Bild“ berichtet, dass Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) um die Brisanz der Entscheidung weiß. In einem internen Ministeriumspapier heißt es demnach: Die Situation sei „weder schmerz- noch geräuschlos“ lösbar. Verkünden musste die unpopuläre Maßnahme letztlich Breuer.

Der Beförderungsstopp hat das „Potenzial zum Supergau“, zitiert die Zeitung den Bundeswehrverband. Aus der Truppe gibt es immer wieder Unmut über die Behandlung von Langgedienten. Dazu trägt auch die ‌intensive Werbung um neue Soldaten mit Vergünstigungen bei, in die ‌Soldaten ‌früherer Jahrgänge nicht gekommen waren.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.