Vor dem Hintergrund von anhaltenden Protesten gegen die Entlassung von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Gespräche mit Militärs geführt. „Natürlich höre ich, was die Leute sagen“, versicherte der Staatschef in einer Videoansprache. Dabei habe er auch „lange“ mit Fedorow und ebenso mit Armeechef Olexander Syrskyj gesprochen. „Entscheidungen bezüglich der Armee werden ausgearbeitet“, versprach Selenskyj, ohne Details zu nennen.
Parallel dazu demonstrierten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew und anderen Städten den dritten Tag in Folge wieder mehrere Tausend vor allem junge Menschen gegen Fedorows Entlassung. Die Demonstranten forderten seine Wiedereinsetzung. Die Hauptforderung ist inzwischen auch eine Ablösung von Armeechef Syrskyj. Wie die „Financial Times“ am Samstag berichtete, könnte Selenskyj dem nachkommen und Syrskyj feuern.
Ein Konflikt zwischen Syrskyj und Fedorow gilt als Hintergrund für den von Selenskyj vorgenommenen Wechsel an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Nach seinem Rückzug hatte Fedorow Armeechef Oleksander Syrsky vorgeworfen, seine Entlassung mit einem Ultimatum erzwungen zu haben. „In dieser Konstellation weiß ich persönlich nicht, wie der Krieg gewonnen werden kann“, sagte Fedorow. Er kritisierte darüber hinaus langsame bürokratische Abläufe und mangelnde Flexibilität innerhalb der Streitkräfte.
Fedorow hatte die Digitalisierung der Streitkräfte und den Einsatz von Drohnen vorangetrieben. Unter seiner Leitung wurden zudem die Bezüge von Soldaten deutlich erhöht und Pläne für eine schrittweise Demobilisierung entwickelt. Seinen Posten übernahm am Freitag geschäftsführend der Geheimdienstler Jewhenij Chmara. Selenskyj muss die Personale jedoch noch vom Parlament absegnen lassen.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen eine russische Invasion. Syrskyj ist seit Februar 2024 Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte. Der aus Russland stammende 60-jährige Berufsmilitär hat sich vor allem bei der Verteidigung von Kiew und der erfolgreichen Gegenoffensive im Raum Charkiw 2022 verdient gemacht. Fedorow leitete das Verteidigungsministerium seit Januar. Davor stand der 35-Jährige an der Spitze des 2019 geschaffenen Digitalisierungsministeriums.
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