Der Iran-Krieg ist wieder aufgeflammt. Fast täglich greifen die USA militärische Infrastruktur des Teheraner Regimes an. Die Auswirkungen dieser Iran-Entscheidung sind für Präsident Donald Trump andere als die für Vizepräsident J.D. Vance. Denn eines ist klar: Beim amerikanischen Volk ist dieser Kurs nicht beliebt. Die Regierung hat es bislang nicht geschafft, die Öffentlichkeit von ihrem Vorgehen zu überzeugen.
Aus meinen Gesprächen im Umfeld des Vizepräsidenten wird deutlich: Vance hat intern verloren – und will nach außen trotzdem gewinnen. Es gab zahlreiche Berichte, unter anderem in „Politico“ (gehört wie WELT zu Axel Springer), über seinen eigenen Widerstand gegen ein US-Militärmanöver gegen den Iran. Am Ende hat er sich nicht durchgesetzt.
Aber die Art, wie Vance mit dieser Niederlage umgeht, ist bemerkenswert. Sein Team hält die Situation politisch für gewinnbar – gerade weil er derjenige war, der auf Frieden gedrängt hat. Er hat sich selbst zum Gesicht gemacht, um die Absichtserklärung zwischen USA und Iran an das amerikanische Volk zu „verkaufen“.
Und selbst wenn diese Absichtserklärung am Ende scheitert, sagen mir Leute aus seinem engsten Umfeld: Für Vance spielt das keine Rolle. Was zählt, ist das Bild – das Bild von einem Vizepräsidenten, der von der Öffentlichkeit, von der Welt als derjenige wahrgenommen wird, der diesen Krieg beenden will.
Im Irankrieg eskaliert die Lage: USA und Iran setzen ihre Angriffe fort. Beide Seiten melden Attacken auf militärische Ziele und drohen mit weiterer Eskalation. Berichte über explodierte Öltanker weist das US-Militär als falsch zurück.Bei Präsident Trump ist die Lage anders. Er ist nicht mehr im Rennen um eine weitere Amtszeit – und das ist ihm sehr bewusst. In meinen Gesprächen mit Quellen aus dem Weißen Haus in diesem Jahr hat sich zu ganz unterschiedlichen Themen ein Muster gezeigt: Trump sorgt sich weit mehr um sein Vermächtnis als um seine aktuellen Zustimmungswerte.
Beim Iran heißt das: Er wollte aussteigen. Alle hatten gehofft, dass die Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran der erste Schritt in Richtung Frieden werden könnte. Das Problem: Der Präsident hat überschätzt, wie belastbar diese Erklärung wirklich ist. Selbst einige Kritiker Trumps sind nicht davon überzeugt, dass die USA militärisch reagieren müssen, wenn der Iran schießt. Trump und sein Team dagegen glauben, es gebe keine anderen Optionen mehr.
Und hier liegt das eigentliche Problem: Niemand meiner Gesprächspartner im Weißen Haus oder dessen Umfeld hat eine klare Vorstellung davon, wie das Ganze enden soll. Es ist Präsident Trump, der den Weg bestimmt. Er hat ein Team, das mitredet – aber es ist ein sehr, sehr kleiner Kreis. Am Ende entscheidet er. Das macht diesen Konflikt zu dem, was er ist: einem zutiefst „trumpianischen“ Konflikt – einem, dessen Ausgang und nächster Schritt völlig offen sind.
Dasha Burns ist Playbook Chief Correspondent und White House Bureau Chief bei der WELT-Partnerpublikation „Politico“.
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