Ukrainische Drohnenangriffe auf den größten russischen Online-Händler Wildberries – dem russischen Pendant von Amazon – treffen Zehntausende Kleinunternehmer empfindlich und ⁠bringen den Krieg für viele Russen direkt in den Alltag. Nicht nur die Betreiber von Abholstationen haben mit den Folgen zu kämpfen, sondern auch Händler, die darauf angewiesen sind, ihre Produkte über Wildberries ⁠zu verkaufen.

Die Auswirkungen der Angriffe auf die Wirtschaft sind enorm. Wildberries wickelt zusammen mit anderen E-Commerce-Plattformen ‌Waren und Dienstleistungen ab, die 8,5 Prozent ​der russischen Wirtschaftsleistung entsprechen.

Seit dem ‌18. Juli hat die Ukraine fast täglich Lagerhäuser des Unternehmens ins Visier genommen, ​was zu umfangreichen Störungen im landesweiten Logistiknetz führte. Die Angriffe auf rund 20 Standorte haben Schockwellen durch ​den russischen Einzelhandel gesendet.

Ein Fünftel der Lagerkapazität des Unternehmens wurde laut einer Auswertung der Nachrichtenagentur Reuters von Satellitenbildern beschädigt oder zerstört. Die Folgen sind inzwischen auf höchster Ebene ein Thema. Die ​Regierung in Moskau berät demnach über mögliche Hilfen für das Unternehmen und die betroffenen Händler.

Satellitenbilder der US-Firma Vantor zeigen mutmaßlich ein Lagerhaus von Wildberries in Krasnodar am 21. Juli 2026 und am 5. August 2026 nach einem ukrainischen Angriff

„Die Verkäufe sind im letzten ‌Monat um etwa 50 Prozent eingebrochen, weil es fast keine Lieferungen mehr gibt“, sagte Wassili Klimow, der eine Abholstation für Wildberries in Moskau betreibt. Mit seinem Geschäft habe er im letzten Monat Verlust gemacht. Wie er versuchen Tausende Franchisenehmer und Händler, die auf die Plattform angewiesen sind, ihre Verluste zu begrenzen.

Wildberries zufolge werden 95 Prozent der Bestellungen an Abholstationen wie der von Klimow abgeholt. Die Lieferungen seien ⁠von zuvor 400 auf rund 150 Pakete am Tag gesunken, sagte er. Bei einem Besuch der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag kamen keine Pakete an. Er will sein Geschäft verkaufen. „Ich habe einfach nicht genug finanzielle ​Reserven, um durchzuhalten.“

Die russische Zentralbank beobachtet mögliche Auswirkungen auf die Inflation. Ende Juli teilte die Sberbank mit, sie könnte ihre Rückstellungen ⁠für Kreditausfälle erhöhen, nachdem die Drohnenangriffe die Bonität von Online-Händlern und Verkäufern beeinträchtigt hatten; rund 300 Unternehmen wollen derzeit eine Umschuldung ihrer Kredite.

Drohnenangriffe der Ukraine treffen erneut Wildberries-Standorte in Russland: „Wieder brennt ein Logistikzentrum des russischen Online-Händlers, dieses Mal in Wolgograd“, berichtet Christoph Wanner.

Ein dem Kreml ‌nahestehender Insider warnte: „Es wird eine Pleitewelle geben. Niemand verfügt über die nötigen Mittel, um die Verkäufer zu stützen; es geht ‌hier um Hunderte Milliarden Rubel. Das ist ein schwerer Schlag für die Wirtschaft.“

Zuletzt griff die Ukraine ein Logistikzentrum von Wildberries in Jekaterinburg an. Aufgrund der Attacke sei ein Feuer ausgebrochen, teilte das Unternehmen mit. Mitarbeiter seien rechtzeitig evakuiert worden.

Drei Drohnen stürzten laut dem Gouverneur des Gebiets Swerdlowsk, Denis Pasler, auf das Dach eines Logistikzentrums, das aus Sicherheitsgründen geräumt worden sei. Feuerwehrleute seien zur Brandbekämpfung im Einsatz. Verletzte gebe es nicht.

In sozialen Medien kursierten nicht überprüfbare Fotos und Videos, die den Angriff und Rauchsäulen über einer Lagerhalle zeigen sollen. Bereits Ende Juli hatte die Ukraine ein Wildberries-Logistikzentrum in Jekaterinburg angegriffen. Das Unternehmen gab danach an, dass es keine Schäden gegeben habe.

Die Ukraine erklärte, mit ‌den Angriffen den Krieg nach Russland ⁠tragen und ⁠die Kosten für Moskau erhöhen zu wollen. Kiew wirft Wildberries vor, den russischen ‌Kriegseinsatz zu unterstützen, was das Unternehmen und der Kreml ​bestreiten. Bei den Angriffen auf die Lagerhäuser wurden mindestens 13 Menschen getötet. Russland seinerseits griff zuletzt ebenfalls Lagerhäuser in und um Kiew ​an und ​behauptete, dort würden militärische Güter gelagert.

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