Auf seiner ersten größeren Reise als Verkehrsminister erlebt Steffen Bilger (CDU) gleich mehrere Pannen bei der Bahn. Bevor sein Zug von Berlin nach Hamburg am Montagvormittag starten konnte, musste der Wagen, in dem er saß, wegen einer defekten Klimaanlage geräumt werden.
Bilger, der sich eigentlich bewusst in die Zweite Klasse gesetzt hatte, musste den Wagen verlassen und suchte sich einen neuen Platz – dieses Mal in der Ersten Klasse. Der ICE startete obendrein mit 15 Minuten Verspätung. Der Verkehrsminister nahm die Pannen augenscheinlich gelassen hin.
Die zweitägige Sommerreise des Verkehrsministers führt ihn von Berlin nach Hamburg, von dort mit der S-Bahn nach Pinneberg und anschließend mit der Regionalbahn nach Kiel. Er informiert sich auf dem Trip über die Sicherheit in Zügen und die Sauberkeit in Bahnhöfen. Der Streckenabschnitt ist nicht irgendeiner: Vor dreieinhalb Jahren tötete ein staatenloser Palästinenser bei Brokstedt, nördlich von Pinneberg, zwei junge Deutsche per Messer.
Dass Bilger zwischendurch auf die S-Bahn umsteigen muss, hat seine Ursache in einem anderen Problem, das den neuen Verkehrsminister noch beschäftigen dürfte: Zugausfall in Folge von Bauarbeiten. Wer derzeit aus Hamburg kommt und mit der Bahn nach Kiel will, muss daher erst mit der S-Bahn bis Pinneberg – Pendler-Frust.
Bilger hatte angekündigt, die Krise der Deutschen Bahn zu einer seiner zentralen Prioritäten als Verkehrsminister zu machen. Insbesondere die chronische Unpünktlichkeit und die marode Infrastruktur sorgen für anhaltenden Ärger in der Bevölkerung. Zuletzt hatte er Konsequenzen bei Vorstandsgehältern angekündigt: Sollten durch den Bund vorgegebene Ziele nicht eingehalten werden, solle das Auswirkungen auf Bonuszahlungen haben.
Die Konfrontation mit der Realität bei der Bahn endete am Montag zumindest mit einem Lichtblick – der Zug holte einen Großteil der Verspätung im Laufe der Fahrt auf und erreichte Hamburg fast pünktlich.
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