Lettlands Behörden haben einen Tunnel entdeckt, durch den Migranten unterirdisch aus dem Nachbarland Belarus in das EU-Land gelangen konnten. Der Geheimgang ist nach Angaben von Innenminister Janis Dombrava von Grenzschutz, Militär und Polizei in einem Grenzabschnitt nahe dem geschlossenen Übergang Silene ausfindig gemacht worden.

„Es ist der erste Tunnel dieser Art in Lettland“, sagte Dombrava lettischen Medienberichten zufolge in Riga und ordnete die Suche nach weiteren unterirdischen Gängen mit Hilfe elektronischer Geräte an. Zuvor waren in den vergangenen Wochen bereits geheime Unterführungen unter der Grenze zwischen Belarus und Litauen aufgetan worden. Auch in Polen wurden solche schon vor Jahren entdeckt.

Entdeckt worden sei der rund 10 Meter vom Zaun entfernte Tunnel beim Versuch, den Einreiseweg von einer Gruppe von aufgegriffenen Migranten zu rekonstruieren, die illegal die Grenze überschritten hatten. Nach Angaben des lettischen Grenzschutzes wurden 15 Personen festgenommen.

Bislang hatten Migranten zuvor nur versucht, über den Grenzzaun in das baltische EU-Land zu gelangen. Dazu hatten sie einem Sprecher des Grenzschutzes zufolge verschiedenes Werkzeug wie etwa Metallscheren oder selbstgebaute Leitern aus Ästen und Stöcken genutzt.

Lettland ergreift Konsequenzen

Lettland hat - wie auch Litauen und Polen - das autoritär regierte Belarus wiederholt beschuldigt, in organisierter Form Migranten aus Krisenregionen an die EU-Außengrenze zu bringen. Die Regierung in Riga reagierte darauf mit einem verstärkten Schutz der Grenze und dem Bau eines Grenzzauns.

Der lettische Ministerpräsident Andris Kulbergs erklärte auf einer Pressekonferenz, kriminelle Netzwerke ⁠würden Migranten gezielt in den grenzkontrollfreien Schengen-Raum schleusen. Das eigentliche Ziel der Menschen liege jedoch meist in anderen europäischen Staaten. „Sie gehen dorthin, wo es am einfachsten ist“, sagte der Ministerpräsident.

Im Rahmen der sogenannten „Operation Werwolf“ wolle die Regierung gezielt gegen die Transportnetzwerke und Logistikstützpunkte der Schleuser in Lettland vorgehen. Zudem kündigte die Regierung in einer Erklärung ‌an, mit den Nachbarländern Estland, Litauen und Polen ⁠zu kooperieren.

Im vergangenen Monat ⁠hatten lettische Soldaten Tränengas eingesetzt und einen Warnschuss abgegeben, um Migranten am Grenzübertritt zu hindern. Kulbergs hatte die Situation im vergangenen Monat gegenüber der ‌Nachrichtenagentur Reuters als „hybride Bedrohung“ ⁠bezeichnet, weshalb ‌Lettland die ​Zahl ⁠der Grenzschützer verdoppelt habe.

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