Die Spitzenkandidatin der Berliner Linken für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus am 20. September, Elif Eralp, hat Vorwürfe über mögliche Verbindungen von Parteimitgliedern zur islamistischen Terrororganisation Hamas zurückgewiesen. Im Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ der Funke-Hauptstadtredaktion antwortete die Politikerin auf die Frage, ob sie ausschließen könne, dass Angehörige ihrer Partei direkte Kontakte zur Hamas pflegten: „Davon wüsste ich wirklich gar nichts.“

Die Podcast-Hosts Jan Dörner und Julia Emmrich hatten Eralp darauf angesprochen, dass dem Linken-Verband in Berlin-Neukölln Kontakte zu Organisationen nachgesagt würden, die wiederum in Verbindung mit der Hamas stehen sollen. Eralp sagte dazu, es habe zwar Veranstaltungen gegeben, bei denen auch Personen beteiligt gewesen seien, „wo wir sicher Differenzen zu haben“.

Zugleich habe die Berliner Linke immer wieder in Beschlüssen klargemacht, „dass es für uns keine Zusammenarbeit mit islamistischen Organisationen geben kann, weil sie fundamental gegen linke Werte sind, gegen Gleichberechtigung, gegen Vielfalt, gegen Menschenrechte, gegen Demokratie, gegen Frauenrechte, gegen jüdisches Leben, aber auch gegen queeres Leben.“

Der Bezirksverband Die Linke Neukölln organisierte im August 2025 eine Solidaritätsveranstaltung für Palästina, an der auch das „Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee“ beteiligt war. Der Verfassungsschutzbericht 2024 beschreibt dieses als Zusammenschluss, unter dessen Dach Anhänger von Hamas und PFLP in Berlin zusammenarbeiten.

„Antisemitismus innerhalb des linken Milieus gibt es“

Auf die Frage, was sich für Juden in Berlin ändern würde, wenn die Linke regieren sollte, sagte Eralp, dass es ihr „total wichtig“ sei, dass sich jüdisches Leben in Berlin wieder angesiedelt habe. „Und insofern möchte ich dieses Leben, was es gibt, hier schützen und stärken.“ Dabei gehe es nicht nur um den Kampf gegen Antisemitismus, sondern auch um die Förderung von jüdischer Tradition, Kultur und Religion.

Eralp räumte zugleich ein, dass es „Antisemitismus innerhalb des linken Milieus“ gebe. Zwar gingen antisemitische Gewalttaten, insbesondere jene mit Todesfolge, meist von Rechtsextremen aus. „Aber die letzten Studien und Befragungen zeigen auch, dass aktuell sehr viel im Bereich Antisemitismus im Kontext Israel stattfindet“, ergänzte Eralp. Das umfasse Rechte, aber auch islamistische und linke Kräfte. „Das ist im Moment aber der am stärksten ausgeprägte Antisemitismus.“

Zugleich verwies sie auf Studien zu Einstellungen in der Bevölkerung wie den Berlin-Monitor und erklärte, innerhalb der Linken gebe es insgesamt deutlich weniger antisemitische Einstellungen als im rechten Spektrum oder in der gesellschaftlichen Mitte.

Im Berliner Wahlkampf distanziert sich die SPD klar von der Linkspartei und kritisiert deren Enteignungspläne als Populismus. Auch die Grünen gehen aufgrund antisemitischer Tendenzen innerhalb der Linken auf Distanz.

Der Berlin-Monitor hatte in seinem Bericht 2025 detaillierte Untersuchungen zum Antisemitismus in der Hauptstadt angestellt. Tatsächlich weisen demzufolge Berliner, die sich als links verstehen, im Vergleich zu jenen, die sich in der Mitte oder rechts verorten, bedeutend geringere Werte in der Erhebung auf. Dabei differenziert die Untersuchung nach verschiedenen Arten von Antisemitismus, darunter auch israelbezogener Antisemitismus.

Eralp weist Antisemitismusvorwürfe gegen ihre Partei seit Längerem zurück. Ende Dezember 2025 sagte sie der Deutschen Presse-Agentur: „Ich habe mich mein Leben lang gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus eingesetzt.“ Zugleich verwies sie auf einen Parteitagsbeschluss ihrer Partei, wonach „Schutz und Sicherheit jüdischen Lebens für uns zwingend“ seien. Außerdem grenze sich die Linke „klar vom antisemitischen Terror der Hamas und deren Unterstützern ab“.

In der Berliner Linken schwelt seit Langem ein Konflikt rund um das Thema Antisemitismus und die Situation im Nahen Osten. 2024 verließen mehrere prominente Politiker um den früheren Kultursenator Klaus Lederer die Partei. In ihrer Austrittserklärung begründeten sie diesen Schritt unter anderem mit Differenzen über den Umgang der Partei mit Antisemitismus. Hintergrund war ein parteiinterner Streit über einen Antrag mit dem Titel „Gegen jeden Antisemitismus“.

„Kai Wegner hat keine Empathie gezeigt“

Über den Antrag von damals sagte Eralp im Podcast, dessen Forderungen hätten sich aus ihrer Sicht zu stark auf den linken Antisemitismus konzentriert und die „gesellschaftliche Breite dieses Themas“ nicht ausreichend berücksichtigt.

Im März 2026 ging Eralp zudem öffentlich auf Distanz zu einem umstrittenen Nahost-Beschluss des niedersächsischen Linken-Landesverbands. Dieser hatte Israel Völkermord und Apartheid vorgeworfen und den Zionismus abgelehnt. „Den jüngsten Beschluss des Parteitags in Niedersachsen halte ich für falsch“, sagte Eralp damals.

Kritisch bewertete sie insbesondere, dass die Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 darin nicht vorkämen. Zugleich erklärte sie: „Für mich sind die Existenzberechtigung Israels und das Selbstbestimmungsrecht jüdischer Menschen nicht verhandelbar.“ Ebenso selbstverständlich sei für sie das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser.

Im Podcast sagte Eralp nun, die Polarisierung bei dem Thema müsse überwunden werden. „Dass manche nicht mehr miteinander reden oder sogar Hass herrscht, davon müssen wir wegkommen“, sagte sie. „Deswegen versuche ich ganz klar, eine umarmende Politik zu machen, die alle Berlinerinnen und Berliner sieht, egal ob sie jüdischen Hintergrund haben, ob sie palästinensischen Hintergrund haben, muslimischen Hintergrund.“ Dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner warf sie vor, dass er sich nicht mit den Angehörigen von palästinensischen Familien getroffen habe, „dass er keine Empathie gezeigt hat“.

Eralp tritt bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl als Spitzenkandidatin der Linken an und strebt den Einzug ins Rote Rathaus an. Im Podcast sprach sie unter anderem auch über ihre Familiengeschichte als Tochter türkischer politischer Flüchtlinge, die Wohnungsnot in Berlin und ihre Pläne für die Hauptstadt.

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