Das US-Verteidigungsministerium hat am Freitag mehrere führende Mitarbeiter der traditionsreichen Militärzeitung „Stars and Stripes“ entlassen. Chefredakteur Erik Slavin führte seine Entlassung im Sender CBS News auf „Ungehorsam“ zurück, nachdem er sich in einem Interview mit dem Sender über Meinungsverschiedenheiten mit dem Verteidigungsministerium geäußert hatte. Zudem mussten der langjährige Herausgeber Max Lederer und die Reporterin Lara Korte ihren Hut nehmen.

Slavin hatte bereits im vergangenen Monat für Aufsehen gesorgt, als er sich gegen redaktionelle Einmischung seitens des Pentagons zur Wehr setzte. Nachrichtliche Zensur sei für „Stars and Stripes“ eine rote Linie.

Reporterin Korte erklärte ihrerseits im Onlinedienst X: „Heute wurde mir mitgeteilt, dass das Verteidigungsministerium mich wegen Ungehorsams entlässt, nachdem ich einem CBS-Reporter gesagt hatte, dass ich für ‚Stars and Stripes’ arbeite – und nicht für das Pentagon, irgendeine Regierung oder politische Entscheidungsträger.“

Lederer, der seit 2007 als Herausgeber der Zeitung fungierte und erst drei Tage zuvor seinen Ruhestand angekündigt hatte, wurde CBS zufolge über seine Entlassung in Kenntnis gesetzt. Für seinen Rücktritt hatte er sich nach eigenen Angaben selbst entschieden, weil sich seine Führungsphilosophie sowie sein „Verständnis für den Wert und den Auftrag“ der Zeitung in „grundlegender Weise“ von den Plänen unterschieden hätten, die das Pentagon für die Publikation verfolgt.

Kurz vor Lederers Rücktrittsankündigung wurde der aktive Marinekapitän William Urban als militärischer Vize-Herausgeber installiert – ein Schritt, den viele, darunter auch demokratische Kongressmitglieder, als Aushöhlung der Unabhängigkeit der Publikation werteten.

Das von dem Republikaner Pete Hegseth geführte Ministerium hatte in diesem Jahr mitgeteilt, es wolle die Berichterstattung von „Stars and Stripes“ von „woken Ablenkungen“ wegführen. Das Attribut „woke“ wird in rechtsgerichteten Kreisen als Synonym für aus ihrer Sicht intolerante und extreme gesellschaftspolitische Haltungen linker Kräfte verwendet.

Kritik über Trumps Kurs im Iran-Krieg

Die Kündigungen erfolgten nur wenige Tage, nachdem die Zeitung über die prekären Bedingungen für die Besatzungsmitglieder an Bord des Flugzeugträgers „USS Abraham Lincoln“ berichtet hatte. Der monatelange Einsatz des Schiffes in der Nahost-Krisenregion und Berichte über unhaltbare Zustände an Bord hatten für Kritik in den USA gesorgt. Der in „Stars and Stripes“ veröffentlichte Text löste erneut Kritik am Kurs von Präsident Donald Trump im Krieg gegen den Iran aus.

Die unter anderem über Auslandseinsätze der US-Armee wie im Iran-Krieg berichtende und gewöhnlich sehr gut informierte Zeitung richtet sich in erster Linie an Militärangehörige und wird über den Haushalt des Verteidigungsministeriums mitfinanziert. Sie erreicht nach eigenen Angaben zusammengenommen mit ihren digitalen Kanälen bis zu 1,4 Millionen Menschen. Seine europäische Redaktionszentrale hat „Stars and Stripes“ in Kaiserslautern, unweit des riesigen Luftwaffenstützpunkts Ramstein mit der größten US-Militärgemeinde außerhalb der Vereinigten Staaten.

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