Angesichts von hohen staatlichen Einnahmen aus der Erbschaftsteuer hat die SPD die Union zu einer raschen Reform der Regelungen aufgefordert. „Die neuen Zahlen zeigen, wie dringend wir die Erbschaftsteuer gerechter machen müssen“, sagte SPD-Fraktionsvizechefin Wiebke Esdar der „Rheinischen Post“. „Während immer größere Vermögen übertragen werden, wurden allein im vergangenen Jahr bei Unternehmensvermögen 3,7 Milliarden Euro Steuern erlassen“, kritisierte sie.

„Wer sehr große Vermögen erbt, muss einen fairen Beitrag zum Gemeinwohl leisten“, forderte Esdar und warb erneut für das SPD-Konzept „Fair.Erben“. Es schütze gleichzeitig die breite Mitte und den Mittelstand, so Esdar. „Mit dem Freibetrag von fünf Millionen Euro blieben mehr als 85 Prozent der Unternehmen von der Erbschaftsteuer verschont – stärker heranziehen wollen wir die wirklich großen Vermögen“, sagte die SPD-Politikerin.

Das Statistische Bundesamt hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass die Einnahmen des deutschen Staates aus der Erbschaft- und Schenkungsteuer im vergangenen Jahr auf einen Rekordwert geklettert waren. Insgesamt setzten die Finanzverwaltungen 21,4 Milliarden Euro fest. Dies ist ein Plus von 60,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und der höchste jemals gemessene Wert. Insgesamt wurde im Jahr 2025 Vermögen im Wert von 141,1 Milliarden Euro übertragen, ein Plus von gut 23 Prozent.

Das Bundesverfassungsgericht verhandelt im Oktober über die Verfassungsmäßigkeit zentraler Regelungen der Erbschaftsteuer, insbesondere zu Privilegien für Betriebsvermögen und zu Gesetzgebungskompetenzen des Bundes.

In der Regierungskoalition gehen die Auffassungen zur Erbschaftsteuer weit auseinander. Die Union verweist darauf, dass im Koalitionsvertrag keine Reform der Erbschaftsteuer vereinbart wurde, und warnt vor zusätzlichen Belastungen für Familienunternehmen. Die CSU bezeichnet die Erbschaftsteuer grundsätzlich als problematisch und lehnt eine schnelle Reform ab.

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