Bei der Computerspiel-Messe Gamescom haben Vertreter der AfD nach Ansicht der Veranstalter nichts verloren. „Diejenigen, die demokratische Prinzipien und eine offene Gesellschaft bekämpfen, so wie die AfD es tut, die sind nicht unser Partner und die sind auf einer Gamescom nicht willkommen“, sagte der Geschäftsführer des Branchenverbandes Game, Felix Falk, in Köln.

Deutschland sei ein Land, in dem Vielfalt, Gleichberechtigung und demokratischen Rechte hochgehalten und beschützt werden. In diesem Jahr soll es bei der Gamescom und dem zugehörigen Kongress darum gehen, was der E-Sport-Markt für die Demokratie leisten könne. „Games sind kein Zuschauersport und Demokratie ist es auch nicht“, sagte er. Während in Filmen, Büchern oder im Theater jemand anderes eine Entscheidung treffe, sei man es in Videospielen selbst.

„Wir treten ein für die freiheitlich-demokratische Grundordnung und den Rechtsstaat, wir treten ein für Vielfalt und das respektvolle Miteinander unterschiedlicher Perspektiven und wir treten ein für eine offene Gesellschaft“, sagte Falk. Deswegen sei die AfD auch kein Partner der Gamescom und auch nicht willkommen, sagte er unter Applaus.

Im Verband Game hat sich Deutschlands Branche für Computer- und Videospiele organisiert. Der Verband ist auch mit der Politik in Kontakt, damit die Interessen der Branche angemessen zur Geltung kommen in der Gesetzgebung und in der öffentlichen Debatte. Schon vor längerer Zeit hat sich Game selbst auferlegt, kein Gespräch mit der AfD zu suchen und zu Veranstaltungen keine AfD-Politiker einzuladen.

Andere Politiker waren hingegen eingeladen, darunter Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU), die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission für Technische Souveränität, Sicherheit und Demokratie Henna Virkkunen und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD). Frank-Walter Steinmeier unternahm mit Branchenverband-Geschäftsführer Falk ebenfalls einen Rundgang.

Nach den Worten des Bundespräsidenten sind Computer- und Videospiele für die Demokratie von Bedeutung. Wer sich spielerisch in andere Lebensrealitäten einfühle und dabei eine breite Palette sozialer oder ethischer Fragen reflektiere, denke vielleicht auch über Werte und die Bedeutung von Regeln sowie Fairplay für das Miteinander nach, sagte er am Donnerstag zur Eröffnung. Steinmeier besuchte als erstes deutsches Staatsoberhaupt die weltgrößte Computer- und Videospielmesse und den eintägigen Kongress.

Gern gesehene Gäste auf der Gamescom: der Geschäftsführer des Branchenverbandes Game Felix Falk, Dorothee Bär, Henna Virkkunen und Lars Klingbei

„In ihrer Gesamtheit sind digitale Spiele kulturrelevant – und damit, das halte ich für entscheidend, auch relevant natürlich für Demokratie. Das gilt im Guten wie im Schlechten“, sagte Steinmeier und betonte: „Games sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ Allein in Deutschland spielten mehr als 40 Millionen Menschen.

„Heute steht ihr positives, kreatives und gemeinschaftsstiftendes Potenzial sehr viel stärker im Fokus als das noch vor vielen Jahren der Fall war“, erläuterte Steinmeier mit Blick auf frühere „Killerspiel“-Debatten. Sie könnten Menschen helfen, ihr Leben besser zu bewältigen – „als Ventil gegen Stress, als Brücke, um Kontakte zu knüpfen, Einsamkeit zu überwinden oder indem sie kognitive Fähigkeiten trainieren und das Risiko senken, geistig abzubauen“. Zudem könnten Games historisches Wissen und politische Bildung vermitteln.

Steinmeier fordert „klarere Regeln“ gegen demokratiefeindliche Inhalte in digitaler Welt

Computerspielsucht sei mittlerweile eine von der Weltgesundheitsorganisation anerkannte Erkrankung, es gebe Hass und Hetze, Mobbing und Manipulationsversuche in der digitalen Welt, beklagte der Bundespräsident. Er forderte noch „klarere Regeln, um Gewaltverherrlichung, die Verbreitung von extremistischen und demokratiefeindlichen Inhalten zu verhindern“. Das gelte gerade für eine Zeit, in der auch die Demokratie stärker bedroht und angefochten werde.

Der eintägige Gamescom Congress findet parallel zur bis Sonntag laufenden, weltweit größten Computer- und Videospielmesse Gamescom statt.

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