Der russische Finanzminister am Tisch, große US-Medien dagegen nicht zugelassen: Das Ministertreffen der G‑20‑Gruppe führender Industrie- und Schwellenländer in den USA sorgt für einen Eklat.

Bei den jüngsten G-20-Treffen, die von größeren Zerwürfnissen zwischen den Mitgliedern geprägt waren, wurde der russische Finanzminister stets durch Staatssekretäre vertreten. Dies ist nun in Asheville im Bundesstaat anders. Russlands Finanzminister Anton Siluanow nimmt teil. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) kritisiert das scharf.

Das Signal, Siluanow zu empfangen, sei irritierend, sagte der Vizekanzler am Rande des Treffens. Er hätte angesichts des „brutalen Krieges“ Russlands gegen die Ukraine auf mehr Klarheit der gastgebenden Amerikaner gehofft. „Es gibt keine normale Situation gerade mit Russland“, betonte Klingbeil.

Russlands Finanzminister Anton Siluanow (2.v.l.)

Klingbeil sagte, er habe Siluanow in den Sitzungen direkt angesprochen und aufgefordert, den Krieg zu beenden. Er habe außerdem deutlich gemacht, dass Deutschland die Ukraine weiter unterstützen werde. Ein gemeinsames Foto aller Finanzminister sei nach Intervention der Europäer verhindert worden. Traditionell versammeln sich die Teilnehmer eines G-20-Treffens auf einem „Familienfoto“.

Bei den anderen europäischen G-20-Staaten habe sich Klingbeil für einen Boykott eingesetzt, berichtet „Politico“-Reporter Rasmus Buchsteiner. Der Druck habe Wirkung gezeigt: Schließlich entstand ein Bild mit den Europäern, ohne russische Vertreter.

Pressevertreter nicht zugelassen

Nicht nur die Einladung des Russen, auch der Umgang der US-amerikanischen Gastgeber mit der Presse sorgte für Probleme: Zunächst sollten weder Journalisten der Nachrichtenagentur Bloomberg, noch der „New York Times“ zur Berichterstattung über das Treffen zugelassen werden. Das deutsche Finanzministerium habe versucht, auf hoher diplomatischer Ebene bei der US-Regierung zu intervenieren, hieß es aus Delegationskreisen gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Schließlich erhielt der Berliner Korrespondent der „New York Times“ doch eine Akkreditierung. Mit Blick auf die Nachrichtenagentur Bloomberg blieben die Bemühungen aber erfolglos. Dieses Vorgehen gegenüber einer internationalen Nachrichtenagentur sei beispiellos und aus Sicht der Bundesregierung inakzeptabel, hieß es aus der Delegation. Klingbeil erklärte: „Ich halte es für nicht akzeptabel, dass Journalisten oder ganze Redaktionen ausgeschlossen werden. Das habe ich auch deutlich gemacht.“

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